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Gemeindeinvestitionen in Bündner Tourismus bergen Risiken
In den vergangenen Monaten haben mehrere touristisch geprägte Gemeinden im Kanton Graubünden in entsprechende Infrastrukturen investiert – von Beschneiungsanlagen bis zu Hotelbetrieben. Diese Entwicklung ist nicht neu, bietet Chancen aber auch Risiken, wie ein Experte der Fachhochschule Graubünden erklärt.
Die Gemeinde Surses erwarb das Hotel Cube in Savognin mit einem Kredit von 8,9 Millionen Franken. Bereits im Herbst genehmigten mehrere Gemeinden fünf Millionen Franken für die Erneuerung von Beschneiungsanlagen in Splügen. Gleichzeitig übernahmen Flims, Laax und Falera die touristische Infrastruktur der Weisse Arena Bergbahnen für 50 Millionen Franken.
Trotz dieser grossen Projekte sieht Gian-Reto Trepp, Dozent am Institut für Tourismus und Freizeit der Fachhochschule Graubünden, keine neue Entwicklung. Gemeinden hätten schon früher in Bergbahnen investiert. Eine Studie von 2016 zeigt, dass 25 touristische Gemeinden in Graubünden - darunter Davos und St. Moritz - rund 12,5 Prozent ihrer Bilanzsummen in touristische Infrastrukturen investiert haben, insgesamt etwa 322 Millionen Franken. Dieser Anteil gilt als relativ hoch.
Häufig beteiligen sich Gemeinden an Bergbahnen, etwa in Chur oder Lenzerheide. Einen Sonderfall bilden Flims, Laax und Falera. Die dortige Übernahme der Bergbahnen ist das erste sogenannte "Sell-and-lease-back"-Vorgehen in der Schweiz. Die Bahnen werden die Infrastrukturen von einer gemeindeeigenen AG zurück pachten und betreiben wie bisher.
Nicht die Kernaufgabe der Gemeinden
Die Gründe für das öffentliche Engagement unterscheiden sich. "In Flims, Laax und Falera wollte man die Anlagen vor ausländischen Investoren schützen. In Splügen hingegen gab es finanzielle Druckmittel, um die Zukunft der Liftanlagen zu sichern. Im Surses hingegen geht es darum, die Hotellerie zu stärken und ein zentral gelegenes Gebäude nicht ungenutzt zu lassen", so der Experte.
Investitionen im Tourismus gehören jedoch nicht zu den Kernaufgaben von Gemeinden. "Das ist sicher nicht die Hauptaufgabe einer Gemeinde, wie es hingegen die Instandhaltung von Strassen, Kanalisationen oder der Grundinfrastruktur ist", betonte Trepp. Kritisch seien vor allem Engagements in Hotellerie und Gastronomie, da sie in direkte Konkurrenz zum Privatsektor treten.
Um finanzielle Risiken zu vermeiden, sei es laut Trepp wichtig, dass die Gemeinden ein Betriebskonzept haben, das auf einer langfristigen Vision basiert. Die Gemeindebehörden müssten sich auch bewusst sein, dass in Zukunft Investitionen nötig sein werden, um die touristische Infrastruktur aufrechtzuerhalten.
Investitionen der öffentlichen Hand im Tourismussektor in Graubünden werden sich wahrscheinlich auch in Zukunft fortsetzen. In Brigels in der Surselva wird bereits seit Längerem darüber diskutiert, ein ähnliches Modell wie in Splügen für die Beschneiungsanlage zu übernehmen.
















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