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Keystone-SDA | Donnerstag, 09. April 2026

Guerdat greift nach historischem vierten Titel

Fort Worth rückt in den kommenden Tagen ins Zentrum des Springreitens. In der texanischen Metropole trifft sich die Weltelite zum Weltcupfinal. Steve Guerdat hegt aus Schweizer Sicht Titelambitionen.

Ab Donnerstagabend Schweizer Zeit öffnet die Dickies Arena ihre Tore. Im Springreiten haben 36 Reiterinnen und Reiter aus 19 Nationen die Qualifikationshürde genommen und kämpfen nun um den inoffiziellen Hallen-Weltmeistertitel. Unter ihnen sind Steve Guerdat und Martin Fuchs, seit einem Jahrzehnt die beiden dominierenden Schweizer Springreiter.

Guerdat bestreitet seinen bereits 16. Final und visiert beim zweitwichtigsten Championat nach dem Sommerhöhepunkt einen historischen vierten Titel an. Damit würde er Reitsportgrössen wie Hugo Simon, Rodrigo Pessoa, Meredith Michaels-Beerbaum und Marcus Ehning hinter sich lassen, die ebenfalls je dreimal triumphiert haben und somit den Rekord teilen. Seine bisherigen Siege hat der Jurassier 2015 in Las Vegas sowie 2016 und 2019 in Göteborg gefeiert.

Iashin Sitte statt Dynamix

Der Olympia-Zweite von Paris 2024 sattelt Iashin Sitte. Auf dem zwölfjährigen Wallach gewann er im Januar und März die Weltcupspringen in Leipzig beziehungsweise Helsinki. Sein Top-Pferd Dynamix wird mit Blick auf die WM in Aachen, wo auch die ersten Olympia-Tickets für Los Angeles 2028 vergeben werden, geschont.

Der Weltcup besitzt für den 43-jährigen Guerdat seit jeher besondere Bedeutung. Schon als Kind verfolgte er die Prüfungen im Fernsehen, Erinnerungen an packende Stechen prägen ihn bis heute. Für ihn sei der Final mehr als nur ein Wettkampf, sondern die Bühne der Besten. Er betont gegenüber der Fachzeitschrift "PferdeWoche", dass es sich um einen Titel handle, der ihm extrem viel bedeute.

Fit genug

Ein zentrales Thema bleibt seit einiger Zeit der Gesundheitszustand von Guerdat. Der Olympiasieger von London 2012 musste sich nach dem Silber-Coup in Paris im Februar und September 2025 Rückenoperationen unterziehen. Deshalb verpasste er im vergangenen Frühling auch den Weltcupfinal in Basel. Das Reiten gehe gut, besser als erwartet, erklärt er. Gleichzeitig schildert er Einschränkungen im Alltag. Er habe weiterhin viele Bewegungen, die ihm schwerfallen würden. Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Brennen begleiteten ihn nach wie vor. Schmerzen verspüre er zwar nicht, doch es mache ihn im Kopf verrückt, sagt er der "PferdeWoche".

Mit einem täglichen Rehabilitationsprogramm arbeitet sich Guerdat Schritt für Schritt zurück. Krafttraining, Mobilisation und Physiotherapie prägen seinen Alltag. Der Aufwand zahlt sich aus. Er bilanziert, er habe wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Mit wachsendem Selbstvertrauen und seinem formstarken Pferd ist er bereit, erneut anzugreifen.

Martin Fuchs zählt höchstens zum erweiterten Favoritenkreis. Der Zürcher setzt auf Lorde, einen Wallach mit noch begrenzter Erfahrung auf diesem Niveau. Für den Sieger des Jahres 2022 steht daher neben dem Resultat auch die Entwicklung im Vordergrund. Dennoch bleibt der Anspruch hoch. Fehlerfreie Runden sollen den Weg nach vorne ebnen.

Grosser Favoritenkreis

Die Konkurrenz präsentiert sich namhaft, auch wenn einige Paare aus Europa mit Blick auf die WM in Aachen auf einen Übersee-Trip verzichten. Zu den Abwesenden zählt der Franzose Julien Epaillard, der 2025 in Basel gewonnen hatte. Basel hat übrigens bereits den Zuschlag für den Weltcupfinal 2028 erhalten.

Vor heimischem Publikum wittern die US-Reiterinnen und -Reiter ihre Chance, obwohl der ehemalige Finalsieger McLain Ward wegen einer Rückenverletzung kurzfristig absagen musste. Angeführt von Kent Farrington, der als Inbegriff von Konstanz gilt, darf das Heim-Team nicht unterschätzt werden. Die Ausgangslage ist ungewöhnlich offen - auch wegen der Absagen. Das Feld wirkt breiter, die Prognosen bleiben unsicher.

Der Modus verlangt Reitern und Pferden alles ab. Im Programm stehen ein Jagdspringen, bei dem Fehler mit einem Zeitzuschlag bestraft werden, eine Prüfung mit Stechen im klassischen Format sowie am Sonntagabend zwei Umgänge auf höchstem Niveau. Über mehrere Tage hinweg summieren sich die Fehler. Wer bestehen und am Preisgeld von insgesamt 1,3 Millionen Euro partizipieren will, braucht neben einem starken Pferd auch taktisches Gespür und mentale Stärke.

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