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"Ich bin selber ein bisschen erschrocken"
Dominic Stricker spielt in der 1. Runde des Swiss Open in Gstaad am Montagabend brillant auf. Dass er wieder parat ist, wusste er. Dass er derart auftrumpfen kann, überraschte ihn aber selber.
Dominic Stricker stand schon im Achtelfinal des US Open, gehörte zum Kreis der besten hundert Tennisspieler der Welt und gewann 2020 das Juniorenturnier des French Open. Was er aber am Montagabend in Gstaad auf den Sandplatz zauberte, gehört mit Sicherheit zum Besten, was er je zeigte.
Auf Position 360 der Weltrangliste abgerutscht, spielt der 23-jährige Berner den als Nummer 8 gesetzten Sandplatzspezialisten Jaume Munar (ATP 44) eine Stunde lang komplett an die Wand. Hervorragender Service, krachende Vorhandbälle, subtile Volley-Stopps - ihm gelingt bis zum 6:2, 2:0 eine nahezu perfekte Partie. "Ganz ehrlich, ich bin selber ein wenig erschrocken", sagt Stricker im Gespräch mit Keystone-SDA.
Mit dem ersten Break, das er abgeben muss, gerät der Express kurzzeitig ein wenig ins Stocken. Doch Stricker behält die Nerven und macht zum 6:4 den Sack zu.
Körperlich stimmt wieder alles
Selbstverständlich ist das nicht, denn er hat schwierige Jahre hinter sich. Schlechte Entscheide bei der Turnierplanung, immer wieder Verletzungen und zwischenzeitlich sogar Rücktrittsgedanken brachten die Karriere des hochtalentierten Linkshänders in Gefahr. Dazu trennte er sich diesen Sommer wieder von seinem Coach Henri Laaksonen, weil dieser wegen seines Wohnsitzes in Dubai nicht so viel Zeit wie gewünscht in der Schweiz verbringen darf.
Der Glanzauftritt bestätigt aber Strickers Einschätzung von vor dem Turnier, dass er physisch wieder voll auf der Höhe ist und sich bereit fühlt, wieder nach vorne zu schauen. "Ich fühle mich wieder sehr gut auf dem Platz, ab und zu habe ich noch etwas Mühe mit meinem Spiel", meinte er.
In Gstaad allerdings überhaupt nicht, da funktionierte alles. "Ich bin selber etwas überrascht von meinem Level", stellt er nach dem Match fest." Jeder weiss, dass ich es drauf habe, aber dass ich es an diesem Tag vor diesem fantastischen Heimpublikum zeigen kann, ist natürlich super. Schön, dass ich noch einmal antreten kann."
Punkte fürs US Open nötig
Stricker ist damit bereit, noch einmal anzugreifen. Erst einmal muss er allerdings einen neuen Coach suchen. In den letzten Wochen trainierte er mehrheitlich bei Swiss Tennis mit Michael Lammer. Das hat offensichtlich hervorragend funktioniert, doch Lammer ist beim Verband als Cheftrainer Nachwuchs angestellt und kommt wohl nicht als fester Coach in Frage.
Klar ist: Dominic Stricker, das grösste Schweizer Tennistalent der letzten Jahre, blickt wieder positiv in die Zukunft. Kurzfristig will er in Gstaad und kommende Woche beim Challenger in Zug so viele Punkte wie möglich sammeln, damit er sein Ranking so verbessern kann, damit er die Qualifikation für das US Open bestreiten kann. Nächster Gegner ist am Donnerstag der Kasache Alexander Schewtschenko, exakt die Nummer 100 der Welt.

















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