Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
"Ich dachte zum ersten Mal: Heute 'schissts mi ah' zu fahren"
Marco Odermatt spricht am Hauptsitz seines Ausrüsters Stöckli über Höhe- und Tiefpunkte der zurückliegenden Saison.
Der Nidwaldner verrät auch, wieso er in Kvitfjell zum ersten Mal in seinem Leben keine Lust auf ein Rennen hatte.
Marco Odermatt, mit etwas Abstand zum letzten Rennen des Winters: Was ziehen Sie für ein Saisonfazit?
"Ein sehr positives. Ich fuhr neun Siege heraus, unter anderem in Adelboden, Wengen, Kitzbühel. Dazu gewann ich drei Kristallkugeln und drei Medaillen an den Olympischen Spielen."
Welches war ihr Highlight der vergangenen Saison?
(überlegt lange) "Ich würde sagen Adelboden. Ich habe schon als kleiner Junge davon geträumt, dort einmal zu gewinnen. Nun bin ich mit fünf Siegen Rekordsieger am Chuenisbärgli. Das ist schon cool. Aber auch die Abfahrt in Garmisch gehört zu den Höhepunkten. Nach Olympia gleich wieder abliefern zu können und eine der legendären Abfahrten zu gewinnen, war ebenfalls unheimlich cool. Dass mit Alexis (Monney) und Rogi (Stefan Rogentin) zwei weitere Schweizer auf dem Podest standen, machte den Moment umso spezieller."
Und welches war der schwierigste Moment des Winters?
"Die Abfahrt in Kitzbühel. Es war der traurigste 2. Platz in meiner Karriere. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass der Sieg auf der Streif mein grosses Ziel in dieser Saison war. Jeder sagte nach dem Rennen: 'Jaja, du hast noch Zeit.' In Kitzbühel mit einem perfekten Gefühl am Start zu stehen und zu wissen, dass alles möglich ist, das Material passt, das Wetter passt, ich mich gut und sicher fühle, um die Abfahrt 100 Prozent anzugreifen - solche Situationen hast du nicht 100 Mal im Leben."
Wie behalten Sie den Hunger bei all Ihren Erfolgen?
"Das ist die grosse Herausforderung. Es ist nicht bei jedem Rennen gleich leicht, den Hunger ehrlich zu spüren. Man redet sich am Start schon ein, das Rennen gewinnen zu wollen. Aber wenn ich an Kvitfjell in diesem Jahr zurückdenke, war ich zum ersten Mal in meinem Leben auf der Besichtigung und dachte: Heute 'schissts mi ah', das Rennen zu fahren. Der Himmel war bedeckt, der Schnee weich. Du läufst zum 20. Mal bei der Besichtigung ein Tor zurück, der Schweiss läuft dir herunter ... Am Start pusht du dich und motivierst dich dann trotzdem wie bei jedem anderen Rennen. Aber es ist vielleicht nicht der ehrlichste Wille."
War dies der Hauptgrund für Ihr "schlechtes" Abschneiden beim Saisonfinale?
"Ich sage nicht, dass es der einzige Grund war, warum das Rennen dort in die Hose gegangen ist. Aber mitunter einer. Die Rennen beim Saisonfinale, so schlecht sie gelaufen sind, haben auch Positives. Sie zeigen allen anderen und auch mir, dass nichts selbstverständlich ist. Auch bei mir muss immer alles zusammenpassen, um ganz vorne zu landen."
Als Allrounder mit drei Disziplinen spulen Sie ein enormes Pensum ab. Sie haben schon mehrfach betont, noch nicht in der kommenden Saison, aber in naher Zukunft, den Fokus noch mehr auf den Speed zu legen. Kann es sein, dass sie schon im nächsten Winter den einen oder anderen Riesenslalom auslassen?
"Geplant ist, dass ich alles fahre. Es kann sein, wenn es denn sein muss, dass ich mal einen Riesenslalom auslasse. Ich muss gut auf mich und meinen Körper hören. Manchmal läuft man Gefahr, nur zu funktionieren, das Programm einfach nur abzuspulen und es gar nicht mehr zu geniessen."
Der nächste Winter steht ganz im Zeichen der Heim-WM in Crans-Montana. Wie blicken Sie auf diesen Höhepunkt voraus?
"Logisch möchte ich dort Goldmedaillen gewinnen. Medaillen zu holen ist schön, aber wenn ich gesund bin, will ich dorthin und Weltmeister werden. Es gibt mir eine gewisse Lockerheit, dass ich in allen Disziplinen schon Weltmeister bin."
Die Grundlage für weitere Erfolge legen Sie im Sommer. Legen Sie vorher noch die Beine hoch?
"Jetzt bin ich noch ein paar Tage zuhause, ich habe noch einige Termine, bevor es dann zwei Wochen in die Ferien geht."
















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