immo.sarganserlaender.chEventbus
/fileadmin/images/sarganserlaenderlogo.png
Alle Neuigkeiten auf einen Blick.
zum ePaper

immo.sarganserlaender.ch

Rubriken

|   Sarganserland

Immer mehr Gullydeckel fallen den «Nachtbuben» zum Opfer

Im Sarganserland hat sich ein gefährlicher Trend manifestiert: Mehrmals jährlich verschwinden in einigen Gemeinden die Deckel von Schächten und Strassenwassersammlern bei Nacht-und-Nebel-Aktionen. Die Vorfälle korrelieren mit grossen Dorffesten, von «Lausbubenstreichen» kann dabei laut Polizei keine Rede mehr sein.

von Michael Kohler

Böses Erwachen an der Rheinstrasse in Sargans am Auffahrtswochenende: In der Nacht auf Donnerstag haben Unbekannte bei der Hausnummer 16 einen Schachtdeckel entwendet. Mit einem Aufruf auf seinen Social-Media-Kanälen will der Enkel der Betroffenen, Pascal Stucky, die Täter dazu auffordern, den Gullydeckel zurückzubringen. Er wendet sich direkt an sie: «Deshalb, lieber Spitzbub; bring den Schachtdeckel einfach so schnell wie möglich wieder retour.»

Kein Einzelfall

Stuckys Aufruf hat übers Wochenende viel Zuspruch erfahren, wurde er doch, bis Stand Dienstag, nicht weniger als 36-mal geteilt. Zurückgefunden hat der Gullydeckel bisher allerdings nicht, wie Stucky auf Anfrage des «Sarganserländers» erklärte: «Leider haben wir den Originalen noch nicht gefunden oder zurückerhalten. Mittlerweile konnten wir aber Ersatz beschaffen.» Wie er weiter erklärt, seien in der Nacht mehrere Personen gehört worden, die johlend das Quartier passiert hätten. «Wir vermuten, dass diese auch den Deckel mitgenommen haben, haben aber keine Augenzeugen.»

Mit seinem Zwischenfall steht Stucky keineswegs alleine da – der Diebstahl von Schachtdeckeln ist ein zunehmend verbreitetes Phänomen. So berichtet auch Daniel Kohler, Werkmeister beim Werkhof am Bach in Mels, dass es immer wieder vorkomme, dass Schachtabdeckungen entfernt würden. «Es geschieht seit ungefähr fünf Jahren rund vier- bis sechsmal pro Jahr. Wir denken, dass es immer dieselben Täter sind.» Im Verdacht stehen junge Erwachsene auf ihrem Nachhauseweg vom Ausgang – sogenannte «Nachtbuben». Betroffen seien vor allem die Oberdorf- und die Sarganserstrasse (Bereich zwischen dem Restaurant Schlüssel und der Unterführung zum Restaurant Sarganserhof) sowie die Pöltis- und die Plonserstrasse (im Gebiet zwischen dem Tiergarten und der Melser Industrie). Man könne also davon ausgehen, dass die Zwischenfälle in Mels vorwiegend an grösseren Festen stattfinden.

Im Dunkeln fischen

Einziger Unterschied zu dem Vorfall an der Rheinstrasse in Sargans: In Mels werden die Abdeckungen häufig gleich in den jeweiligen Schacht geworfen. Oftmals erreiche den Werkhof dann eine Meldung der Kantonspolizei. «Wir müssen dann die Deckel meist um Mitternacht aufwendig aus dem Schacht fischen und wieder aufsetzen», berichtet Kohler. Weil es sich dabei um Strassenwassersammler handle, die mit einem mit Wasser gefüllten Schlammfang versehen sind, sehe man die Deckel nicht. «Da fischt man sprichwörtlich im Dunkeln.»

Kohler drückt sein Unverständnis für diese nächtlichen Aktionen mit klaren Worten aus: «Sie sind saudämlich und gefährlich. Die Verursacherinnen oder Verursacher sollen sich einmal überlegen, was mit einem Velofahrer passiert, der in ein solches Loch fällt, das ja genau auf seiner Fahrspur liegt.» Auch Stucky stimmt in die Tirade des Werkmeisters ein: «Ich frage mich schon, was eine solche Aktion zum Zweck hat, ist sie doch einfach nur dämlich und gefährlich.»

Keine Häufung festgestellt

Wie die Kantonspolizei St. Gallen auf Anfrage berichtet, komme die Entfernung von Schachtdeckeln in seltenen Fällen vor. Nicht explizit im Sarganserland, sondern im ganzen Kantonsgebiet. «Ein aussergewöhnlicher Anstieg an Streichen oder Beschädigungen während den Nachtstunden ist derzeit weder in Sargans noch in Mels durch die Polizei festzustellen», erklärt Hanspeter Krüsi, Leiter Kommunikation. Auch über den jüngsten Vorfall in Sargans sei die Polizei nicht unterrichtet worden. Krüsi mahnt aber: «Von Lausbubenstreichen kann nicht die Rede sein. Die Gefahr ist zu gross, dass jemand verletzt werden könnte.» 

Zurück