Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Infantino will angerichteten Schaden minimieren
Der schwer unter Beschuss geratene FIFA-Präsident Gianni Infantino versucht, angerichteten Schaden zu minimieren. Er will die Mitgliedsverbände wieder stärker in Entscheidungsprozesse einbeziehen.
Infantino zeigt sich im Kampf um Einfluss, Macht und Geld erstmals gesprächsbereit für Reformen in der FIFA. Seine neuesten Pläne hat er den Mitgliedern des FIFA-Councils und den der FIFA angeschlossenen 211 Verbänden in einem Brief kundgetan. Als Reaktion auf die anhaltende Kritik an seinem Führungsstil hat der Walliser eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA-Governance sowie Konsultationen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse angeboten, einschliesslich der Rolle des Präsidenten.
In der Abteilung Governance laufen viele Fäden zusammen. Unter anderem trägt sie die Verantwortung über die Verteilung von Rollen, Zuständigkeiten und Aufgaben in Unternehmen oder eben einer Organisation. Diesbezüglich unterstützt die Governance eine Vereinigung wie die FIFA dabei, ihr Handeln transparent und nachvollziehbar zu gestalten.
Gerade die Punkte Transparenz und nachvollziehbares Handeln, um die sich Infantino in jüngster Vergangenheit über Gebühr foutiert hat, haben in vielen Verbänden und vorab bei der UEFA zu immensem Ärger geführt, der längst zu einem offen geführten Streit ausgeartet ist. Infantinos mittlerweile gescheiterter Plan zur Gründung eines für private Investoren offenen Unternehmens FIFA hat das Fass zum Überlaufen gebracht und für nur noch schwer zu kittende Risse in der Beziehung zu Europas Fussball-Union gesorgt.
"Ich werde dem FIFA-Council die Durchführung einer direkten und strukturierten Konsultation mit den Konföderationen, Mitgliedsverbänden und relevanten Interessengruppen vorschlagen, um die Entscheidungsprozesse der FIFA weiter zu stärken", schrieb Infantino. "Dieses Treffen könnte fürs Einreichen konkreter Vorschläge zur Einbindung institutioneller Gremien, zur jeweiligen Rolle des Präsidenten, des Councils und des Kongresses sowie zu konkreten Massnahmen zur Stärkung von Transparenz und Rechenschaftspflicht bei wichtigen strategischen Initiativen genutzt werden."
Erste Vorschläge will Infantino an der für den 15. Oktober terminierten Council-Sitzung prüfen. "Etwaige daraus resultierende Gesetzesänderungen würden danach dem Kongress zur Prüfung und Genehmigung gemäss dem geltenden Verfahren vorgelegt."
Diese Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Infantino, der sich im kommenden März zur Wiederwahl stellt, vor erheblichen Herausforderungen steht. Den am Montag publik gewordenen Vorschlag werden wohl nicht nur die schärfsten Kritiker Infantinos als Versuch werten, die hohen Wogen gerade mit Blick auf die nächste Präsidenten-Wahl wieder einigermassen glätten zu wollen. Ob dem Ansinnen des Wallisers der erhoffte Erfolg beschieden sein wird, darf allerdings bezweifelt werden.


















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