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Keystone-SDA | Montag, 25. Mai 2026

Isolation führt laut einer Berner Studie zu mehr Misstrauen

Längere Aufenthalte in isolierten und beengten Umgebungen haben grosse Auswirkungen auf die Dynamik einer Gruppe. Extreme Lebensbedingungen verstärken Einsamkeit, Misstrauen und Konflikte, wie eine internationale Studie unter der Leitung der Universität Bern zeigt.

Für die Untersuchung begleiteten Forschende zwölf Mitglieder einer Crew während ihrer zehnmonatigen Überwinterung auf der Forschungsstation Concordia in der Antarktis, wie die Universität Bern am Montag mitteilte. Die Station liegt auf über 3000 Metern Höhe, wo die Temperaturen bis auf minus 80 Grad sinken können.

Letzt-Autor Sebastian Walther bezeichnete die Abgeschiedenheit der Concordia in der Mitteilung als noch grösser als jene der Internationalen Raumstation. Der Professor hat das Projekt gemeinsam mit Forschenden der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bern initiiert.

Misstrauen statt Zusammenhalt

Die Teilnehmenden füllten zu vier Zeitpunkten Fragebögen aus und trugen phasenweise Sensoren, die die körperliche Nähe zu anderen Personen aufzeichneten. So stellte sich heraus, dass Einsamkeit, Konflikte und paranoide Gedanken im Verlaufe der Mission zunahmen, während der Teamzusammenhalt und die subjektiv wahrgenommene Leistung sanken.

Die Sensordaten zeigten zudem, dass häufigere und längere körperliche Nähe nicht zu mehr Zusammenhalt, sondern zu mehr Konflikten und Misstrauen führte. Weiter spaltete sich die Crew im Laufe der Zeit entlang nationaler Linien auf: Französische und italienische Mitglieder verbrachten vermehrt Zeit unter sich, was das Risiko für Polarisierung und Spannungen erhöhte.

Die Ergebnisse sind laut der Mitteilung relevant für Organisationen, die Teams über längere Zeit in isolierten Umgebungen einsetzen. Um robuste Empfehlungen für Raumfahrt, Militär oder Industrie abzuleiten, seien aber weitere Crews und Studien nötig. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "PNAS" publiziert.

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