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Keystone-SDA | Dienstag, 21. Juli 2026

"Keiner zweifelt daran, dass wir das schaffen können"

Nach einer märchenhaften Saison wartet auf den Schweizer Meister Thun der verdiente Lohn: Die Champions-League-Qualifikation steht an. Captain Marco Bürki über das Duell mit Dinamo Zagreb.

Es ist der 14. September 2005, als Nelson Ferreira etwas gelingt, über das noch Jahrzehnte später gesprochen wird. Der damalige Mittelfeldspieler des FC Thun schiesst in der Champions League ein Traumtor gegen Arsenal.

Nun, 21 Jahre später, kriegen die Berner Oberländer erneut die Chance, in der Königsklasse zu spielen. Unweigerlich kommen Erinnerungen an damals hoch. "Mit Nelson witzeln wir manchmal darüber. Er hat ein Riesentor geschossen - aber eigentlich wollte er flanken", erzählt Marco Bürki, Captain des FC Thun, vor dem ersten Qualifikationsspiel gegen Dinamo Zagreb lachend.

Situation ist eine ähnliche

"Mit Mauro haben wir natürlich auch viel darüber gesprochen. Auch bei Andres Gerber, unserem Präsidenten, fragen wir schon mal, wie es war", sagt Bürki im Gespräch mit Keystone-SDA weiter, "vor allem, weil die Situation eine ähnliche war".

Vor 21 Jahren war Thun als Meisterschaftszweiter nach dem Überstehen der Qualifikation sensationell in die Gruppenphase der Königsklasse eingezogen: Mit dem ehemaligen Thun-Trainer Mauro Lustrinelli, Gerber und dem heutigen Assistenztrainer Ferreira auf dem Platz.

Über zwei Jahrzehnte später stehen die Thuner tatsächlich an einem ähnlichen Punkt. Als Aufsteiger zum Schweizer Meister geworden, trennen die Berner Oberländer dieses Mal aber noch drei Qualifikationsrunden von der Gruppenphase der Champions League.

Verein übt kein Druck aus

Und obwohl Thun mit dem kroatischen Meister Dinamo Zagreb das wohl härteste Los erhielt, herrscht innerhalb des Vereins jener Optimismus, der die Mannschaft bereits in der vergangenen Spielzeit prägte.

"Wir haben in der letzten Saison gesehen, dass alles möglich ist. Deswegen gehen wir in dieses Spiel und wollen gewinnen", sagt Bürki. "Ich glaube, da ist kein einziger, der daran zweifelt, dass wir das schaffen können", so der Captain weiter.

Klar sei: "Zagreb ist ein sehr guter Gegner mit viel Qualität". Doch trotz der grossen Herausforderung betont Bürki: "Ich spüre keinen Druck oder habe das Gefühl, dass wir als Team verkrampft wären."

Tatsächlich haben es die Berner Oberländer bereits in der vergangenen Saison geschafft, Tag für Tag zu nehmen, ohne zu weit in die Zukunft zu blicken und am Druck zu zerbrechen. Wieso das so gut gelingt, hängt stark mit der Vereinsführung zusammen. "Irgendwie kann der Verein das recht gut handeln, dass auf uns kein Druck ausgeübt wird, sondern, dass wir uns auf dieses Spiel freuen und eigentlich nur gewinnen können."

"Mussten uns finden"

Es sind dies die Werte des FC Thun - auch mit dem Meistertitel sei die Erwartungshaltung nicht auf den Kopf gestellt worden. "Zu sagen, dass wir unbedingt in die Champions League kommen müssen, wäre einfach nicht Thun", so Bürki, der mit genau diesen Werten auch seinen Verbleib beim Klub begründet in einem Sommer, in dem neben dem langjährigen Erfolgstrainer Lustrinelli auch diverse Leistungsträger das Team verliessen.

"Ich gönne es allen total, die dank dieser Saison einen weiteren Schritt in ihrer Karriere gehen konnten", sagt Bürki und legt nach: "Zu Beginn war das Team noch nicht so geformt und sehr viel neu." Nach und nach habe man sich jedoch gefunden, die Ideen von Trainer Gian-Luca Privitelli beginnen zu greifen. Gleichzeitig wolle man auch das beibehalten, was Thun in der vergangenen Spielzeit so stark gemacht hat. Die Spieler, die schon länger beim Verein sind, sollen zur Orientierung dienen, sagt Bürki.

Erfahrung, die nicht entscheidend ist

Dass er neben seiner Erfahrung mit Thun auch schon europäisch - in der Europa League mit YB - Spielminuten gesammelt hat, hilft dabei zusätzlich. "Ich kenne die Abläufe schon, mit Abschlusstraining, Flug und so. Das hilft sicher. Aber jedes Land ist anders, deswegen wird diese Erfahrung jetzt nicht entscheidend sein."

Und ohnehin steht für Thun am Dienstag zuerst ein Heimspiel an, ehe das Rückspiel dann in Kroatien ausgetragen wird. Dass es auch bei einem Sieg nach Hin- und Rückspiel noch zwei weitere Qualifikationsrunden zu überstehen gibt, daran denkt Bürki nicht. "Ich habe noch nie jemanden in unserer Kabine gehört, der über den nächsten Gegner nachgedacht hat. Das ist schon etwas, was uns auszeichnet."

Vielleicht führt das ja dazu, dass Thun ein ähnliches Märchen wie vor 21 Jahren gelingt. Den ersten Schritt kann der Verein am Dienstag ab 20.00 Uhr im eigenen Stadion gehen.

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