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Murat Yakin erklärt seine vielen Wechsel
Nach dem 3:4 im Testspiel gegen Deutschland dominiert vor allem eine Frage: Wie sinnvoll ist das Durchwechseln der Spieler? Trainer Murat Yakin verteidigt seine Strategie.
Die acht Wechsel, die bei Testspielen auch ohne Absprache mit dem Gegner möglich sind, waren der Schweiz nicht genug. Wie Julian Nagelsmann verriet, war es der Gastgeber, der im Vorfeld darum gebeten hatte, das Wechselkontingent auf elf pro Team zu erhöhen. Er sei kein Fan davon, sagte der deutsche Trainer, querstellen wollte man sich aber auch nicht. Im Spiel beschränkte sich Nagelsmann jedoch auf vier Auswechslungen.
Ganz anders sein Gegenüber: Murat Yakin bekannte sich bereits vor dem Testspiel in Basel als Befürworter der Regeländerung und kündigte an, möglichst viele Spieler einsetzen zu wollen. Konkret sah das so aus: Vier Wechsel nahm der Schweizer Trainer in der Halbzeitpause vor, je drei weitere in der 62. und 78. Minute. Sämtliche zehn Feldspieler wurden ersetzt.
Dass sich bei so vielen Veränderungen im Teamgefüge Dynamik und Rhythmus komplett verändern, war absehbar. Die Schweiz, die bis zur Halbzeit mit dem Gegner mithalten konnte, wurde nach der Pause mehrheitlich dominiert, konnte sich kaum noch aus der eigenen Hälfte befreien. Hat sich die Schweiz mit diesem "Wechselfestival" selbst geschwächt?
Wenig Begeisterung beim Captain
Die Spieler hielten sich bei dieser Frage weitgehend zurück. Es sei "nicht einfach", wenn plötzlich zehn andere Spieler auf dem Platz stünden, sagte Captain Granit Xhaka. "Vor allem, wenn diese noch nicht oft miteinander gespielt haben." Am Ende sei es jedoch ein Testspiel gewesen, in dem es darum gegangen sei, gewisse Dinge zu testen. Auf die Frage, ob der Spielfluss in der zweiten Halbzeit verloren gegangen sei, meinte der zur Pause ausgewechselte Xhaka, dass dies andere beurteilen müssten.
Als "speziell" bezeichnete Nico Elvedi die vielen Wechsel. "Es war ein Ausprobieren, der Trainer konnte verschiedene Spieler auf unterschiedlichen Positionen einsetzen." Auf die Frage, ob der Erkenntnisgewinn gross sei, wenn der Spielfluss derart durcheinandergebracht werde, antwortete der Verteidiger, dies sei schwierig zu beurteilen. "Mal sehen, ob das im nächsten Spiel auch so sein wird."
Gegen seinen Trainer mochte sich kein Spieler stellen. Sie wissen, dass es unklug wäre, kurz vor der WM für Unruhe zu sorgen. Dennoch ist herauszuhören, dass sich die Begeisterung für die vielen Wechsel in Grenzen hält. Denn letztlich geht es in einem Duell mit Deutschland - Testspiel hin oder her - auch um Prestige. So konnte sich Xhaka zuvor rühmen, gegen den grossen Nachbarn viermal in Folge ungeschlagen geblieben zu sein. Diese Serie ist nun gerissen.
Yakin will am Prinzip festhalten
Auch Yakin räumte ein, dass durch die vielen Wechsel Automatismen verloren gegangen seien. "Trotzdem war es wichtig, dass die Spieler ihre Einsatzminuten erhalten. Und ich habe viele Erkenntnisse gewonnen." So habe er unter anderem in der Offensive gesehen, dass Joël Monteiro als Backup für Breel Embolo eine gute Option sein könne. Auch Johan Manzambi könne stets für Gefahr sorgen, während Alvyn Sanches auf diesem Niveau noch etwas Rhythmus fehle.
Der Trainer zeigt sich dabei als Pragmatiker durch und durch. Ein möglicher Prestigesieg gegen Deutschland oder der Ausbau der Ungeschlagenheitsserie hat für ihn weniger Gewicht als der Erkenntnisgewinn im Hinblick auf die WM-Endrunde und das erste Gruppenspiel gegen Katar. "Klar wollen wir immer gewinnen, aber der Plan für die Testspiele war immer, an der WM möglichst viele Optionen zu haben", sagte Yakin. Und da die Trainingsmöglichkeiten bei Zusammenzügen der Nationalmannschaft begrenzt sind, sei es für ihn besonders wichtig gewesen, möglichst viele Spieler auf dem Platz zu sehen.
Die Leistung in der zweiten Halbzeit sei nicht schlecht gewesen, betonte Yakin und ergänzte: "Manchmal braucht es solche Spiele." Bei Niederlagen sei der Erkenntnisgewinn oft grösser als bei Siegen. So habe sich sein Team auch einiges vom Spiel der Deutschen abschauen können. "Wir müssen viel härter und aggressiver gegen den Ball arbeiten. So, wie es uns die Deutschen gezeigt haben."
Jedenfalls will der Nationaltrainer auch am Dienstag im Auswärtsspiel gegen Norwegen am Prinzip der vielen Wechsel festhalten.
















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