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Nach WM-Gold auch Olympia-Gold für Von Allmen
Weltmeister Franjo von Allmen gewinnt olympisches Gold in der Abfahrt in Bormio. Marco Odermatt wird hinter den Italienern Giovanni Franzoni und Dominik Paris undankbarer Vierter.
Mit erst 24 Jahren ist Franjo von Allmen auf dem Abfahrts-Olymp angekommen. Der Mann aus Boltigen im Berner Oberland sichert sich nach dem WM-Titel im Vorjahr in Saalbach bei den Winterspielen in Mailand/Cortina olympisches Gold in der Königsdisziplin. Von Allmen tritt in illustre Fussstapfen. Er ist der fünfte Schweizer Abfahrts-Olympiasieger nach Bernhard Russi (1972), Pirmin Zurbriggen (1988), Didier Défago (2010) und Beat Feuz (2022).
Auf den Tag genau vier Jahre nach der Gold-Fahrt von Feuz in Peking stieg Von Allmen in Bormio mit der Startnummer 8 und als einer der Favoriten ins Rennen. Der zweifache Saisonsieger nahm den Schwung vom Triumph in Crans-Montana in der Vorwoche mit und liess auf der anspruchsvollen Piste Stelvio von Beginn an keinen Zweifel am Ausgang des Rennens aufkommen. Mit einer engagierten, für seine Verhältnisse aber eher unspektakulären Fahrt distanzierte er den direkt vor ihm gestarteten Odermatt um sieben Zehntel.
"Jetzt bin ich extrem nervös", sagte Von Allmen im Ziel gegenüber SRF, als das Rennen noch im Gang war und er auf dem Leaderstuhl Platz nehmen durfte. Die Sorge war nicht unbegründet.
Franzoni nahe dran, Paris endlich mit Edelmetall
Paris und allen voran Franzoni trieben Von Allmen in der Folge noch Schweissperlen auf die Stirn. Während Paris, mit sechs Abfahrtssiegen Rekordsieger auf der Stelvio, mit einer halben Sekunde Rückstand am Ende keine Chance auf Gold hatte, war Franzoni deutlich näher am ganz grossen Coup - dem erst zweiten Olympiasieg für Italien in der Königsdisziplin nach jenem von Zeno Colo 1952 in Oslo. Der Aufsteiger der Saison, der in Kitzbühel seinen ersten Weltcup-Sieg in der Abfahrt realisierte, büsste lediglich zwei Zehntel auf den neuen Olympiasieger ein.
Für Paris ist es im Alter von 36 Jahren die erste Medaille an Olympischen Spielen, Gleiches gilt selbstredend für die 24-jährigen Von Allmen und Franzoni, die zum ersten Mal unter den fünf Ringen am Start standen.
"Es macht Freude", sagte Von Allmen, nachdem sein Sieg feststanden und er die Goldmedaille überreicht erhalten hatte. Sichtlich berührt fügte er an: "Es ist schön, wenn Olympia so nahe von Zuhause ist, so viele Bekannte dabei sein können. Das löst schon etwas aus." Feiern werde er mit Bedacht, "schliesslich gibt es noch weitere Rennen".
Odermatt "schlicht zu wenig schnell"
Zu den Geschlagenen gehörte der im Vorfeld von vielen Seiten als Topfavorit titulierte Marco Odermatt. Der 28-jährige Nidwaldner stand in dieser Saison in fünf von sechs Abfahrten unter den ersten drei und gewann die Hälfte der Rennen in der Königsdisziplin. In Bormio klassierte er sich auf dem undankbaren 4. Platz. Odermatt verpasste den angestrebten Sieg deutlich, die Bronzemedaille jedoch um lediglich zwei Zehntel.
"Es ist schon 'scheisse'. Vierter an Olympischen Spielen - das ist der blödeste Platz, den man belegen kann", sagte er. Mit seiner Fahrt sei er zufrieden. "Ich bin ins Ziel gekommen und habe gedacht, das sei richtig gut gewesen. Ich weiss nicht, wo ich viel schneller hätte fahren können." Schlussendlich, so der enttäuschte Saisondominator, habe er konstant von oben bis unten Zeit verloren. "Ich war schlicht zu wenig schnell. Logisch tut das weh." Nun gelte es, das Rennen abzuhaken. "Es gibt noch zwei, drei grosse Chancen."
Auch Monney knapp neben dem Podest
Alexis Monney fuhr bei seinen ersten Olympischen Spielen ebenfalls nur knapp neben das Podest. Der Sieger der Abfahrt in Bormio in der Vorsaison büsste lediglich fünf Hundertstel mehr ein als Odermatt und klassierte sich direkt hinter dem Weltmeister von 2023. Der Freiburger vergab eine mögliche Medaille im oberen Streckenteil. Ganz unten war keiner schneller als Monney.
Deutlich distanziert wurde Stefan Rogentin. Der Bündner verlor als 23. mehr als zweieinhalb Sekunden auf die Siegerzeit. Er hatte sich im internen Kampf mit Niels Hintermann den vierten Schweizer Startplatz gesichert.


















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