Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Noch einmal all in gehen, dann ab nach Down Under
Nadine Fähndrich hat vor ihrem Abschied vom Spitzensport noch ein grosses Ziel: den Gewinn des Gesamt-Weltcups im Sprint am Samstag in Lake Placid. Im Sommer geht es dann erstmals nach Australien.
Nadine Fähndrich ist keine Frau für halbe Sachen. Eine Frau der grossen Worte ist die 30-jährige Langläuferin aus dem beschaulichen Eigenthal am Fusse des Pilatus aber auch nicht. Vielmehr eine akribische Arbeiterin, die sich hohe Ziele setzt, zu diesen auch öffentlich steht und diese konsequent und mit grossem Ehrgeiz anstrebt. Die Art, wie sie nun in wenigen Tagen ihre sportliche Karriere beendet, passt perfekt in dieses Bild.
Nach der grossen Enttäuschung mit dem Scheitern im Sprint-Viertelfinal im Val di Fiemme hatte Fähndrich klar gemacht, dass es für sie mit Sicherheit keine weiteren Olympischen Spiele mehr geben würde. Nach der Erlösung mit dem Silber im Teamsprint mit Nadja Kälin liess sie offen, ob sie zumindest noch eine Saison anhängen würde. Die Frage lautete: Ist sie noch bereit, "alles zu investieren? "Entweder ich gehe all in oder ich höre auf." Mit etwas Distanz war der Entscheid dann klar.
Inmitten der schwedischen Phalanx
Fähndrich ist die erfolgreichste Schweizer Langläuferin der Geschichte, im Schatten einzig des vierfachen Olympiasiegers Dario Cologna. Sieben Weltcupsiege, sechs davon im Einzel, 28 Podestplätze, drei WM-Medaillen und nun noch Olympia-Silber, das Palmarès der Luzernerin ist praktisch komplett. Ein grosses Ziel bleibt noch vor dem letzten Weltcup ihrer Karriere. Nach drei 2. Plätzen in der Gesamtwertung hat sie am Samstag beim Skating-Sprint in Lake Placid die Chance, erstmals die kleine Kristallkugel als beste Sprinterin einer Saison zu gewinnen.
Vergangene Woche machte sie als Dritte in Drammen 30 Punkte auf die führende Maja Dahlqvist gut, 20 Zähler liegt sie noch hinter der Schwedin und acht hinter deren Landsfrau Johanna Hagström. Zwar lassen einige der besten Sprinterinnen wie Weltmeisterin Jonna Sundling oder Olympiasiegerin Linn Svahn oft das eine oder andere Weltcuprennen aus, doch der Sieg wäre keineswegs gestohlen. Bei zehn Weltcups stand Fähndrich fünfmal auf dem Podest, nur ein Sieg fehlt in dieser Saison (noch).
Stolz auf den Weg
Unter Druck setzt sie sich aber nicht mehr. Mit der Kristallkugel würde ein kleiner Traum in Erfüllung gehen, doch mit ihrer Laufbahn ist die Zentralschweizerin, die in jüngeren Jahren durchaus auch ab und zu an ihren Nerven scheiterte und fast verzweifelte, längst im Reinen. Nicht wegen der gewonnenen Medaillen, sondern wegen des gemachten Weges. "Meine Entwicklung, was ich alles gelernt habe, das macht mich am meisten stolz", verriet sie kurz vor dem Saisonfinale bei einem Videocall aus Finnland.
Zu diesem Weg gehört, dass sie sich einer Operation am Herzen unterzog, um eine kleine Unregelmässigkeit zu beheben. Und vor allem, dass sie den Mut hatte, eigene Wege zu gehen, als sich Swiss-Ski vom Trainer Ivan Hudac trennte und sie den Slowaken auf privater Basis weiter engagierte. Der Lohn waren die erste WM-Medaille im Einzelsprint vor gut einem Jahr in Trondheim und der so ersehnte Erfolg bei Olympia. Bemerkenswert: Ihre drei Medaillen im Teamsprint bei Grossanlässen erreichte Fähndrich als Schlussläuferin mit drei verschiedenen Partnerinnen: 2021 in Oberstdorf mit Lauren van der Graaff, 2025 in Trondheim mit Anja Weber und nun im Val di Fiemme mit Nadja Kälin.
Australien, Velotouren und Thai-Boxen
Nun folgt ein Sommer, der erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr im Zeichen von Training und Spitzensport steht. Mit ihrem Freund Elvis Fazliu besucht Fähndrich erstmals Australien. Der gleichaltrige Basler mit Wurzeln im Kosovo ist seit fast zwölf Jahren eine wichtige Stütze an der Seite der Luzernerin und begleitet sie vor allem auf dem Rennvelo und - seltener - auf den Langlaufski.
Der Sport soll in Fähndrichs Leben auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. So wolle sie wieder mit Thai-Boxen beginnen, erzählt sie, auch eine Aufgabe als Trainerin kann sie sich vorstellen, wenn auch wohl nicht Vollzeit und mit vielen Reisen verbunden. Schliesslich sei auch die Familienplanung durchaus ein Thema.
Ein Amt steht bereits fest: Nadine Fähndrich wird als nächstes im OK des traditionsreichen Langis-Sprints im Kanton Obwalden, den ihr Skiclub Horw organisiert, den Vorsitz übernehmen. Dort wird sie auch am kommenden Ostersamstag ihren letzten Wettkampf bestreiten. Viele ehemalige Weggefährtinnen und -gefährten haben ihr Kommen angekündigt - zum Beispiel Laurien van der Graaff.
















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