Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Olaf Janssen - wer er ist, was er bei GC plant
Seit einer Woche ist Olaf Janssen Trainer der Grasshoppers. Was den 60-jährigen Deutschen auszeichnet, wie er Mannschaft und Klub voranbringen will - und wie realistisch die Vorstellungen sind.
Der erste Auftritt ist schon mal gelungen: Dynamischer Auftritt, herzliche Begrüssung, ein bisschen Small Talk, erfrischend offene Kommunikation. Gestatten: Olaf Janssen.
"Ich habe mich nicht bei GC beworben", sagt Janssen bei seiner Vorstellung am GC-Hauptsitz am Zürcher Bellevue zum Ursprung der Zusammenarbeit unumwunden. Genau diese Herangehensweise von GC habe ihn überzeugt. Auf die sportliche Situation angesprochen, redet er nichts schön: "Ja, da liegen grosse Steine im Weg. Ja, da fegte und fegt auch einmal ein Sturm durch. Die Fans sind leidgeprüft. Mein Respekt vor dieser Aufgabe ist gross." Zu den bleibenden ersten Eindrücken gehört der Captain: "Amir (Abrashi - die Red.), was für ein Typ! Ein herausragender Sportler, eine Legende in diesem Verein. Wie er diesen Beruf annimmt, die sehr persönlichen Gespräche, die ich mit ihm hatte, wie er die Dinge rüberbringt - das ist ein riesiger Schatz für alle, für mich als Trainer, aber auch für die Mannschaft, für das Umfeld. Gratulation zu diesem Captain, GC!"
Das ist er also, der aus den Niederungen des deutschen Fussballs aus dem Hut gezauberte designierte Heilsbringer der Grasshoppers. Der "gmögige" Kölner - als solchen bezeichnet sich der in Krefeld aufgewachsene Rheinländer -, der nur spärliche Super-League-Kenntnisse mitbringt, dem aber mitunter dank seiner eloquenten, einnehmenden Art in der Heimat der Ruf vorauseilt, ein guter, umgänglicher Typ zu sein. Einer, der mit seiner väterlichen und zugleich freundschaftlichen Art einen guten Draht zu den Nachwuchsspielern seiner Mannschaften hat. Der in seinen vier Jahren bei Viktoria Köln in der dritten Liga, seiner erfolgreichsten Station als Trainer bislang, einige von ihnen ziemlich gross herausgebracht hat, insbesondere den heutigen deutschen Nationalspieler Saïd El Mala, dessen Karriere nach der Aussortierung bei Borussia Mönchengladbach auf der Kippe stand, bevor er es bei Viktoria Köln zum gefragten Profi brachte.
40 Jahre im Geschäft
"Mit jungen Menschen zu arbeiten, ihr Cheftrainer zu sein - das ist mein Antrieb", sagt Janssen. Sein gescheiteltes weisses Haar verrät: Hier spricht ein erfahrener Mann. Mehr als 40 Jahre sei er in diesem Geschäft, betont Janssen, der am Donnerstag eigentlich andere Pläne hatte für seinen 60. Geburtstag, als in Zürich eine Wohnung zu suchen und sich als neuer Trainer der Grasshoppers, dem taumelnden Schweizer Rekordmeister, der seit geraumer Zeit im Abstiegs- und Überlebenskampf steckt, einem Himmelfahrtskommando zu stellen.
Viel habe er erlebt in dieser Zeit, manche Stürme durchgemacht, schildert Janssen. Einst als Spieler, wo er nach 241 Bundesliga-Partien für Köln und Frankfurt bei seiner letzten Station in Bellinzona mit Gerardo Seoane zusammenspielte, dem Trainer des ersten Gegners als GC-Trainer am Sonntag. Ab dem Jahrtausendwechsel vorwiegend als Trainer (Dynamo Dresden, St. Pauli, Viktoria Köln, Sandhausen) und Co-Trainer (u.a. VfB Stuttgart, Wolfsburg, Hertha Berlin und Aserbaidschan), aber auch als Sportdirektor (Rot-Weiss Essen), Scout (Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart) oder Berater (beim iranischen Klub Rah Ahan Yazdan).
Vor allem mit seinem Flair für das Weiterentwickeln junger Spieler - "und weil er uns auch menschlich komplett überzeugt hat", so GC-Präsident Ludovic Deléchat - weckte Janssen das Interesse der Grasshoppers. Auch die Vision vom Schaffen einer Vereins-DNA vom Nachwuchsleistungszentrum bis zur Profimannschaft, überzeugten die GC-Verantwortlichen.
Mut und Ballbesitz
Ideen, die sich durchaus mit den Bedürfnissen der Grasshoppers decken. Angesichts des jährlichen Millionendefizits im Vereinsbudget wollen auch die neuen Besitzer der Bridge Football Group die Kosten drücken. Janssens Spielidee deckt sich derweil in einigen Belangen mit jener seines geschassten Vorgängers Peter Zeidler: Mutig soll seine Mannschaft spielen, mit voller Überzeugung, ohne Angst vor Fehlern. Verteidigen soll sie "mit maximaler Kompaktheit und maximaler Intensität". Und auf dem Platz sollen die Spieler frei sein: "Ich stehe da draussen, hample ein bisschen rum, versuche in der Halbzeit was zu machen, klar. Aber eigentlich entscheiden die Jungs."
Der grosse Unterschied zum Zeidler-Fussball ist Janssens Fokus auf Ballbesitz. "Ich will das, was ich schon als Kind wollte: den Ball haben und nicht dem Ball hinterherrennen. Wenn wir den Ball haben, kann der Gegner kein Tor schiessen. Deswegen möchte ich mehr Ballbesitz haben als der Gegner. Und das ohne Angst. Auch wenn der Gegner hoch presst, möchte ich, dass meine Mannschaft Lösungen findet."
Nachwuchsförderung und Abstiegskampf
Aber hat GC auch die Qualität, um diese Ideen in der Super League umzusetzen? Kennt Janssen den Schweizer Fussball gut genug? Und passen diese Vorstellungen zum drohenden nächsten Abstiegskampf? Nach dem gescheiterten Anlauf des ebenso mutigen, kompromisslosen Peter Zeidler?
Janssen ist überzeugt. "Diese Mannschaft hat sehr viel Qualität, sehr viel Potenzial!", sagt er auch mit Verweis auf das Nachwuchsleistungszentrum, das national zu den besten gehöre und von dem die erste Mannschaft noch mehr profitieren könne, wenn die Verzahnung einmal gewährleistet sei. Ludovic Deléchat seinerseits wünscht sich, lange mit dem Trainer zu arbeiten. "Wir sind überzeugt von ihm - von seiner Methodik und seiner Persönlichkeit. Seine Kompetenz passt ins Gefüge."

















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