Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Patrick Fischer zeigt Reue und spricht über Zukunftspläne
Der ehemalige Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer spricht in Interviews mit dem "Blick" und "CH Media" über die vergangenen Monate und seine Zukunftspläne.
"Ich habe gelogen, das kann nicht schöngeredet werden", sagte Fischer zum "Blick". Der Ursprung: Mitte April, kurz vor der Heim-WM, die der krönende Abschluss einer überaus erfolgreichen Ära mit Fischer als Nationaltrainer hätte sein sollen, wurde der Coach freigestellt. Dies, nachdem publik geworden war, dass er 2022 ein gefälschtes Covid-Zertifikat gekauft hat, um sein Team ungeimpft an den Olympischen Spielen in China zu coachen.
Fischers Fehlverhalten wurde öffentlich, nachdem er sich bei Dreharbeiten vom Schweizer Fernsehen (SRF) bei einem Mittagessen verplapperte. In einer ersten öffentlichen Stellungnahme Anfang Juni, einem 35-minütigen Video-Interview, das der Zuger auf seinem YouTube-Kanal publizierte, betonte Fischer noch, dass er die Fälschung lediglich in einem Off-the-record-Gespräch preisgegeben habe. SRF wies diese Darstellung zurück - eine solche Vereinbarung habe es nie gegeben.
Panik habe alles verschlimmert
Nun, knapp drei Monate später, sagt Fischer zu CH Media: "Der Ursprungsfehler lag bei mir. Was SRF mit dieser Information machte - das war ihre Entscheidung. Und diese gilt es zu akzeptieren." Es habe Stimmen gegeben, die ihm geraten haben sollen, SRF zu verklagen.
Dazu sagt Fischer: "Nein, nie! Dafür hatte und habe ich null Intentionen. Ich habe viele schöne Momente mit SRF erlebt, es arbeiten viele tolle Journalisten dort." Beim "Blick" ergänzt er zudem, dass es ihn am meisten ärgere, die Ruhe nicht bewahrt zu haben. "Dass ich an jenem Montag im April, als uns das SRF mit der Vorwarnung kontaktiert hat, in Panik verfallen bin, hat alles verschlimmert."
Frieden geschlossen
Am schwierigsten sei gewesen, dass seine Familie wegen ihm habe leiden müssen. Die ersten zwei Wochen nach der Entlassung sei er noch emotional gewesen und habe sogar geglaubt, dank der Unterstützung von Spielern, Trainern und Fans vielleicht noch einmal an die Bande zurückkehren zu können. "Aber irgendwann realisierte ich: Nein, das geht nicht", so Fischer zu "CH Media". Mit seiner Entlassung als Schweizer Nationaltrainer habe er aber inzwischen Frieden geschlossen. Auch die grosse Solidarität, die er nach der Entlassung erfahren habe, habe ihn berührt.
Auf die Frage, ob er vom Verband enttäuscht sei, zeigt sich Fischer im "Blick" versöhnlich. Er habe Verständnis für die Mechanismen, die zur Entlassung geführt hätten. Urs Kessler (der damalige Verbandspräsident - Red.), der ihm den Entscheid mitgeteilt habe, habe die Entlassung eigentlich nicht gewollt, aber keine andere Möglichkeit mehr gesehen. Mit der Verbandsführung habe er bisher noch nicht persönlich gesprochen, so Fischer. Das wolle er aber bald nachholen, um alles "von Angesicht zu Angesicht zu bereinigen".
Auf die zehn Jahre mit der Nationalmannschaft blicke er vor allem mit Stolz zurück. Besonders geprägt habe ihn seine Frau Mädy. Sie habe immer an ihn geglaubt und ihm Halt sowie Vertrauen gegeben. "Sie war ein Fels in der Brandung."
Vorerst nicht zurück in der Eishalle
Seine sportliche Bilanz zieht Fischer selbstbewusst: Sein Ziel sei es gewesen, das Schweizer Eishockey voranzutreiben und unter die besten sechs Nationen der Welt zu führen. "Jetzt sind wir die Nummer eins."
Seine Zukunft sieht Fischer nun vorerst nicht als Trainer einer neuen Mannschaft. "Wir lancieren dieser Tage ein Projekt, das seit Jahren in mir reift - zusammen mit Weggefährten aus der Coaching-Zeit mit der Nationalmannschaft und weiteren Partnern und Begleitern: Team Fischer."
Dabei will Fischer Menschen auf persönlichem Weg begleiten und darauf eingehen können, wie Blockaden gelöst, mit Überforderung und Druck umgegangen und die Ruhe bewahrt werden kann. Dabei beschränkt sich Fischer nicht nur auf Sportlerinnen und Sportler, wie er zu CH Media sagt. Ob er irgendwann auch wieder ins Eishockey-Business zurückkehrt wisse er nicht. "Es kann sein, es kann auch sein, dass es nie mehr passiert. Die Zukunft wird es zeigen."

















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