Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Poststelle im Kiosk Mels: So wurde eine Lösung gefunden
Die Schliessung der Post im Dorfzentrum von Mels bewegt die Gemüter. An diesem Schliessungsentscheidkann auch die Gemeinde nicht rütteln. Sie hat die Bürgerschaft schon früh auf ein solches Szenario aufmerksam gemacht. Gemeindepräsident Guido Fischer erklärt, wie es zur jetzigen Lösung gekommen ist.
Die einen halten es unverändert für einen (schlechten) 1.-April-Scherz des «Sarganserländers», andere machen sich in Form von Leserbriefen Luft. Dass die Post in Mels verschwindet, wollen Teile der Bürgerschaft nicht verstehen. Selbst dass die Gemeinde sich dafür stark gemacht hat, dass Postdienstleistungen weiterhin im Dorfkern angeboten werden können, stösst auf Kritik. Der Melser Gemeindepräsident Guido Fischer geht nachfolgend in Frage-/Antwort-Form auf die gefundene Lösung einer Kiosk/Postagentur im alten Rathaus ein. Und räumt mit Missverständnissen auf, die derzeit im Umlauf sind.
Die Schaffung einer Kombination Kiosk/Postagentur wurde in Leserbriefen infrage gestellt. Wie stehen Sie dazu?
GUIDO FISCHER: Die Post hat die Schliessung der bisherigen Poststelle beschlossen, Ende Jahr wird sie geschlossen sein. Dies ist ein betrieblicher Entscheid und auch für die Gemeinde sehr ärgerlich. Uns zu beklagen bringt uns jedoch nicht weiter. Wir müssen Lösungen suchen. Für den Gemeinderat war und ist entscheidend, dass den Bürgern weiterhin im Dorfkern Postdienstleistungen angeboten werden, und zwar so umfassend wie möglich. Aus diesem Grunde entwickelten wir die Lösung mit Kiosk und Melser Produkten. Die Art und Weise, wie diese nun infrage gestellt wird, ist schon speziell, bedeutet dies in der Konsequenz ja nichts weiter, als dass mit einem Referendum eine Postagentur am Dorfplatz verhindert würde und schon bald nur noch ein Haus-service vorhanden wäre.
Mels wächst: Müsste die bestehende Poststelle darum nicht beibehalten werden?
Natürlich wäre dies wertvoll, bloss liegt dies nicht in den Händen der Gemeinde, wie sich bereits bei der Schliessung der Poststelle Heiligkreuz gezeigt hat, bei der alle Rettungsversuche und Verfahren die Schliessung in keiner Weise verhindern konnten. Mit der Postagentur im Spar konnte in Heiligkreuz gleichwohl eine gute Lösung gefunden werden. Die Post ist in den vergangenen Jahren ein Betrieb geworden, der auf die betrieblichen Zahlen schaut, so wie dies in der Wirtschaft auch der Fall ist. In der Poststelle im Dorf Mels sind diese Zahlen im Zeitalter von E-Mail, Whatsapp usw. immer schlechter geworden, zudem gilt die Versorgung als weiterhin gut erreichbar, insbesondere im Pizolpark. Die dahinterstehenden Entwicklungen können wir in Mels ebenso wenig beeinflussen wie die Grundsatzfrage nach dem angemessenen Poststellennetz in der Schweiz. Wenn es um die Nutzung der Post geht, sind wir alle gefragt, die Post wirklich zu nutzen. Und die Frage des Poststellennetzes ist eine Frage, die auf schweizerischer Ebene zu lösen ist.
Die Postlösung der Gemeinde kam für viele überraschend. Hätte die Gemeinde nicht frühzeitiger informieren können?
Die Schliessung der Postfiliale Mels kam überhaupt nicht überraschend: Der «Sarganserländer» zeigte bereits 2017 in einer Liste auf, dass der Standort der Post im Dorfkern Mels konkret gefährdet ist. Seither ist dies öffentlich bekannt. Vor zwei Jahren, an der Bürgerversammlung vom 2. Mai 2018, griffen wir die vorgesehene Schliessung als Schwerpunktthema auf und orientierten darüber. Aufgrund der Konsequenzen war uns eine transparente Information wichtig, um allfällige Anliegen, Ideen usw. aus der Bevölkerung aufnehmen zu können. Wir haben zum Beispiel anhand konkreter Zahlen aufgezeigt, wie die Melser Bevölkerung ihre Poststelle je länger je weniger genutzt hatte – mit einer vermehrten Nutzung hätte am meisten erreicht werden können. Wir haben auch darauf aufmerksam gemacht, dass es eine Chance für einen Detaillisten sein könnte, mit Postdienstleistungen ein zweites Standbein aufzubauen.
Wie waren die Reaktionen auf die Informationen der Gemeinde?
Die Informationen über die Schliessung der Poststelle stiessen auf kein erkennbares Interesse der Bürgerschaft – erst jetzt, wo wir nach einer langen Prüfung von Möglichkeiten eine Lösung gefunden haben. Wir erhielten weder Anliegen noch Ideen noch meldeten sich Bereitwillige, um uns bei der Suche nach Lösungen zu unterstützen. Da uns Postdienstleistungen im Dorf wichtig sind, wurden vorerst verschiedene Gespräche mit Detaillisten geführt. Dabei zeigte sich, dass schon die Vorgaben zu den Öffnungszeiten als unternehmerische Risiken betrachtet wurden. In der Kombination Kiosk/Postagentur/Melser Produkte zeigte sich erstmalig ein realistischer Weg. Erleichternd ist bei der vorliegenden Lösung, dass diese in einem gemeindeeigenen Gebäude umsetzbar ist.
Worin liegt denn der Unterschied vom bisherigen zum zukünftig vorgesehenen Kiosk?
Vorerst muss ein Missverständnis geklärt werden: Der zukünftige Kiosk ist, anders als heute, nicht mehr bloss ein Verkaufsfenster, sondern ein kleiner Laden. Die Räumlichkeit umfasst neu nicht nur das bisherige Kiosk-, sondern auch das bestehende Abstimmungslokal. Um den Laden attraktiv zu gestalten, kann dieser sowohl zum Parkplatz wie zum Rathausplatz hin einladend geöffnet werden. Und noch ein Missverständnis: Einen Laden einzurichten, ist mehr, als bloss Geld auszugeben. Es ist eine Investition mit einem regelmässigen Mietzinsertrag. Ob ein Kiosk mit Postagentur und dem Verkauf von Melser Produkten – und damit durch die vorgesehene Investition auch eine Stärkung des Geschäftslebens im Dorf – erwünscht ist, liegt letztlich in der Hand der Bürgerschaft. Es ist dem Gemeinderat jedoch wichtig, dass sich die Bürgerschaft auch der Konsequenzen bewusst ist, wenn darauf verzichtet werden müsste. (sl)
















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