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Keystone-SDA | Mittwoch, 15. April 2026

Schifffahrtsgesellschaften auf dem Bodensee streiten um Fahrgäste

Der Chef der Schweizer Schifffahrtsbetriebe auf dem Bodensee ist sauer auf die deutsche Konkurrenz. Sie soll Einnahmen aus Ticketverkäufen ungerechtfertigterweise für sich behalten und Schweizer Schiffe aus dem Hafen Konstanz gedrängt haben. Stimmt nicht, heisst es auf deutscher Seite.

Die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt AG (SBS) zieht am Hafen Konstanz die Reissleine, weil sie sich von der deutschen Konkurrenz ungerecht behandelt fühlt. Der dortige Halt wurde kurzerhand aus dem Fahrplan gestrichen. Gewollt war der Rückzug aus Konstanz nicht. Viel eher wurde die SBS mit Sitz in Romanshorn gemäss ihrem Interims-CEO Benno Gmür von der Konkurrenz dazu gedrängt, dort nicht mehr anzulegen. Was ist passiert?

"Wir haben 5441 Fahrgäste befördert und dabei keinen einzigen Stutz verdient", sagt Benno Gmür zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Von Romanshorn-Kreuzlingen kommend bediente die SBS mit dem Kurs 7011 ab Konstanz regelmässig die Insel Mainau respektive die deutsche Stadt Meersburg. Für diesen Kurs mit Schweizer Schiffen habe die deutsche Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH (BSB) am Hafen Konstanz letztes Jahr über 5000 Tickets verkauft.

Aus "Kulanz" nahm die SBS die Passagiere mit solchen von den BSB verkauften Billeten von Konstanz zunächst mit auf die Insel Mainau. Im Verlauf der Saison 2025 intervenierten die Schweizer jedoch bei der deutschen Konkurrenz. Denn die SBS transportierte zwar die Leute, von den Einnahmen aus den Ticketverkäufen sah das Unternehmen gemäss Gmür jedoch keinen Rappen.

"Diese Aussagen überraschen"

Die deutsche BSB hätte die Einnahmen aus den Verkäufen für den Kurs 7011 an die SBS weitergeben müssen, argumentiert Gmür. Auf Forderungen nach einer Abgeltung seien die deutschen Schifffahrtsbetriebe aber nie eingegangen. Aus Sicht des SBS-CEO steckt dahinter das Kalkül, die Schweizer Schiffe vom Hafen Konstanz fernhalten zu wollen. "Die BSB hat ihr Ziel erreicht", so Gmür. Die auch 2026 zur Insel Mainau fahrenden Kurse des Schweizer Unternehmens lassen Konstanz aus.

"Diese Aussagen überraschen mich sehr", sagt Norbert Reuter, Geschäftsführer der Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH, auf Anfrage. "Wir kennen die Zahl von über 5000 Tickets nicht und verkauften auch keine Tickets für einen Kurs der SBS, sondern für die Zieldestinationen Meersburg und Mainau." Passagiere seien stets darauf hingewiesen worden, wann und wo die Schiffe der BSB abfahren.

Was Reuter nicht ausschliessen kann, ist, dass Fahrgäste ab Konstanz versehentlich auf Schweizer Schiffen landeten. "Anders als die SBS kontrolliert die BSB die Tickets bereits beim Einsteigen." Auf den Schweizer Schiffen würden die Billete erst nach der Abfahrt kontrolliert. "Deshalb war es wohl so, dass einige Leute, denen wir unsere Tickets verkauft haben, auf Schweizer Schiffe gestiegen sind und dies erst an Bord aufgefallen ist", so BSB-Geschäftsführer Reuter. Systematische Ticketverkäufe für Schweizer Schiffe habe es aber nicht gegeben.

Kein Verständnis für die Forderungen

Gmürs Vorwürfe an die Adresse des deutschen Unternehmens gehen weiter. Bereits als sich die SBS vor einigen Jahren entschieden habe, ihren Fahrplan auf Konstanz auszuweiten, habe die BSB "ein riesiges Theater" veranstaltet. Dies, obwohl nach den Aussagen Gmürs jedes Schifffahrtsunternehmen auf dem Bodensee das Recht hat, alle Häfen am See anzusteuern und dort Passagiere aufzunehmen.

"Selbstverständlich ist der Schiffsverkehr auf dem Bodensee frei. Wir suchen zwar nicht unbedingt weitere Konkurrenz, haben aber auch nichts dagegen, wenn Schiffe der SBS am Hafen Konstanz anlegen", beteuert Reuter. Die Forderungen der Schweizer nach einer Beteiligung an Einnahmen aus BSB-Tickets für die Verbindung Konstanz-Mainau könne er aber nicht nachvollziehen.

Die Autofähre Romanshorn-Friedrichshafen beispielsweise bieten die SBS und die BSB zusammen an. Auf dieser Strecke werden die Einnahmen gemäss Reuter zwischen den beiden Unternehmen aufgeteilt. "Wenn aber die SBS bei einer von uns mehrmals pro Tag bedienten Strecke, wie derjenigen von Konstanz nach Mainau, eigene Verbindungen anbietet und dann auch noch Abgeltungen aus unseren Einnahmen fordert, haben wir kein Verständnis dafür", führt Reuter aus. Die SBS dürfe aber selbstverständlich auf eigene Rechnung arbeiten und die Einkünfte aus eigenen Ticketverkäufen behalten.

Doch warum hat sich die SBS nicht energischer gewehrt und auf das Geld aus den BSB-Ticketverkäufen bestanden, wenn sich das Unternehmen im Recht sieht? "Wir sind die kleinen Würste im Vergleich zur BSB", sagt Gmür. Auf eine langwierige Auseinandersetzung mit dem wesentlich grösseren Unternehmen aus Konstanz habe man sich nicht einlassen wollen. Stattdessen suche man nun nach anderen Lösungen.

Tagesticket soll Streit lösen

Gmür sieht eine solche in einem gemeinsamen Bodensee-Tagesticket der SBS, BSB sowie der österreichischen Vorarlberg Lines. "Jedes Skigebiet, das von zwei Ländern aus betrieben wird, bekommt es hin, sich auf eine gemeinsame Tageskarte zu einigen", so Gmür. "Nur wir am Bodensee nicht."

Kommt die Tageskarte, lösen sich gemäss Gmür auch die strittigen Fragen rund um die Entschädigungen einzelner Tickets. Die Einnahmen aus den Tagestickets würden nach einem Verteilschlüssel zwischen den drei Schifffahrtsgesellschaften aufgeteilt, so die Idee.

Eine gemeinsame Tageskarte für den Bodensee soll auch an der nächsten Tagung der Internationalen Parlamentarischen Bodensee-Konferenz (IPBK) traktandiert werden. Ein St. Galler Kantonsrat hat sich gemäss Gmür der Idee einer Tageskarte angenommen und will sich bei der IPBK für eine solche einsetzen.

Deutsche befürchten Preiserhöhung

Ob die BSB bereit ist, sich auf ein gemeinsames Tagesticket einzulassen? Gmür bezweifelt es. Er spüre, dass die BSB diesbezüglich maure.

Norbert Reuter hat tatsächlich Bedenken, will sich einem solchen Tagesticket aber auch nicht per se entgegenstellen. Aktuell gebe es auf deutscher Seite drei Zonen mit jeweils einem eigenen Tagesticket. "Wenn der ganze Bodensee zu einer einzigen Zone wird, könnte es für viele Fahrgäste teurer werden. Und wir befürchten, diese Gäste dann zu verlieren."

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