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Keystone-SDA | Donnerstag, 15. Oktober 2026

Selbstfahrender Bus in Arbon TG befördert 15'000 Passagiere

Der selbstfahrende Linienbus "Artour" in Arbon hat während des ersten Jahres einer Testphase rund 15'000 Passagiere befördert. Nun steht der nächste Schritt bevor: Das Begleitpersonal soll im kommenden Jahr schrittweise durch einen sogenannten Teleoperateur abgelöst werden, der den Bus bei Bedarf aus der Ferne steuern kann.

Seit einem Jahr dreht der Linienbus "Artour" seine Runden durch die 30er-Zonen im Zentrum von Arbon. Auf seiner 2,5 Kilometer langen Strecke vom Bahnhof an den See und durch die Altstadt legte der selbstfahrende Elektrobus bisher in 4000 Fahrten mehr als 10'000 Kilometer zurück. Das teilt die für den Bus verantwortliche Technische Gesellschaft Arbon (TGA) mit.

Noch sitzt zur Sicherheit eine Person hinter dem Steuer, um die Fahrten zu überwachen und eingreifen zu können, falls der autonome Bus ein Fahrmanöver in einer Verkehrssituation nicht mehr selber vollziehen kann. Doch das sollte sich bald ändern.

Hindernisse sind die grösste Herausforderung

96 Prozent seiner Fahrzeit absolviert der Linienbus heute absolut selbstfahrend, erklärt Projektleiter Hansueli Bruderer der Nachrichtenagentur Keystone SDA. Die Gründe für die manuellen Eingriffe in der restlichen Zeit seien fast ausschliesslich auf die engen Strassenverhältnisse zurückzuführen.

Die grösste Herausforderung seien Hindernisse auf der Strasse, schreibt die TGA in einer Mitteilung. Dazu gehörten etwa nicht korrekt parkierte Autos und Lastwagen oder Fahrzeuge, die kurzzeitig für Güterumschlag auf der Strasse anhalten. Schwierigkeiten können dem selbstfahrenden Bus auch unvermittelt vorbeifahrende Velofahrer bereiten, heisst es in der Mitteilung weiter.

Ab Mitte 2027 soll niemand mehr hinter dem Steuer sitzen

Die Situationen, die ein menschliches Eingreifen durch die Sicherheitsfahrerin oder den Sicherheitsfahrer erforderten, hätten auch ferngesteuert aus einer Zentrale gelöst werden können, sagt Bruderer. "Dafür ist die Teleoperation da."

Eine nächste Projektphase werde nun zeigen, ob die Begleitperson ab Mitte 2027 nicht mehr hinter dem Steuer, sondern auf einem Beifahrersitz Platz nehmen könne. Später soll dann "Artour" ganz ohne Personal durch Arbon fahren. "Wir sind zuversichtlich, dass alles klappen wird", sagt Bruderer.

Dann soll der selbstfahrende Bus nur noch über ein Kontrollzentrum mittels Fernüberwachung und Fernlenkung unterstützt werden. Derzeit laufen die Schulungen für entsprechendes Personal. Das Ziel ist gemäss TGA schliesslich, dass eine Person von der Zentrale aus mehrere fahrerlose Linienbusse gleichzeitig betreuen kann. Dies soll den öffentlichen Verkehr kostengünstiger machen und einen Ausbau des Angebots an autonom fahrenden Linienbussen ermöglichen.

Ein Budget von vier Millionen Franken

Träger des Projekts ist die Technische Gesellschaft Arbon mit der Stadt Arbon und der Eurobus Ostschweiz AG als Partner. Fachlich begleitet und genehmigt wird der Versuch vom Bundesamt für Strassen (Astra). Zudem beteiligen sich der Kanton Thurgau, das Bundesamt für Verkehr (BAV) sowie weitere Wirtschaftspartner an der Finanzierung.

Die TGA ist als Verein organisiert und bestellte den selbstfahrenden Bus beim türkischen Unternehmen Karsan. Die Anschaffung des Fahrzeugs und die dreijährige Pilotphase kostet gemäss Verein rund 4 Millionen Franken.

Mit 1,8 Millionen Franken die grösste finanzielle Unterstützung erhält das Vorhaben vom Kanton Thurgau. Dieser fördert aus seinem Gewinn des Börsengangs der Thurgauer Kantonalbank (TKB) verschiedene Projekte im Kanton.

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