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Keystone-SDA | Freitag, 14. August 2026

"Sie liebt einfach den Wettkampf"

Stabhochspringerin Angelica Moser liebt den Wettkampf. Das beweist sie in Birmingham mit ihrer zweiten EM-Goldmedaille in Serie im Freien einmal mehr.

Philippe Bozon ist eine französische Eishockey-Legende, bestritt 160 Partien in der NHL. Er ist auch hierzulande bekannt, in der höchsten Liga spielte er für Lugano und Genève-Servette. Zuletzt war er Trainer der französischen Nationalmannschaft. Am Donnerstagabend sass er gebannt vor dem Fernseher und drückte Angelica Moser die Daumen. Die 28-jährige Zürcherin ist die Freundin seines Sohnes Kevin. Auf die Entgegnung, dass Moser scheinbar keine Nerven habe, antwortet er: "Sie liebt einfach den Wettkampf".

Bereit, wenn es zählt

Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Wenn es zählt, ist Moser meistens bereit, egal ob die Voraussetzungen gut sind oder nicht, denn sie musste schon einige Rückschläge verkraften. Prägend sind die Bilder nach ihrem Stockbruch im Training Mitte August 2021. Sie knallte kopfvoran mit Nacken und Rücken auf den Boden, erlitt mehrere Muskelverletzungen im Rücken- und Brustbereich sowie einen kleinen Pneumothorax. An der letztjährigen Hallen-WM in Nanjing holte sie trotz zwei gerissenen Aussenbändern am linken Fuss Bronze. Auch in diesem Jahr in Torun wurde sie Dritte, obwohl sie zuvor mit einer hartnäckigen Fussverletzung und einer Oberschenkelzerrung gekämpft hatte.

Nach Torun konnte Moser deshalb nicht direkt weiter trainieren. "Es war keine optimale Vorbereitung, dennoch bin ich mit einer positiven Einstellung in die Saison gestartet", blickt sie zurück. Schon im zweiten Freiluft-Wettkampf in diesem Jahr, Anfang Juni in Rom, überquerte sie zur eigenen Überraschung 4,80 m. Vor dem Wettkampf in Paris Ende Juni, wie Rom ein Diamond-League-Meeting, sagte sie zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA, eine Serie von Verletzungen sei mental und auch emotional schon extrem ermüdend. Es wäre schön, wenn sie nun mal gesund bleiben könnte. In Paris siegte sie zwar, beim Versuch auf der Schweizer Rekordhöhe von 4,90 m konnte sie den Stab allerdings nicht mehr halten, stürzte und erlitt eine Bänderverletzung im rechten Fuss.

Dennoch war Moser bereits am 10. Juli in Monaco wieder am Start und wurde mit 4,62 m Dritte. "Ich wollte so rasch wie möglich wieder springen, um möglichst schnell wieder das Vertrauen zu bekommen. In Monaco hatte ich am Anfang ehrlich gesagt Angst zu springen, musste ich mich überwinden." Nun holte sie in Birmingham mit 4,80 m zum zweiten Mal in Folge den EM-Titel und blieb bis zur Siegerhöhe fehlerlos, obwohl die Bedingungen mit dem Wind nicht einfach waren. Auch, nachdem sie Gold auf sicher hatte, sprang sie noch auf 4,85 m weiter. Sie benutzte dabei wieder den Stab, mit dem sie in Paris gestürzt war, was sie gegenüber dem Schweizer Fernsehen als "mega gutes Zeichen" wertete.

Die zweite EM-Goldmedaille in Folge im Freien ist für sie sehr speziell, weil sie als Titelverteidigerin mehr unter Druck stand und auch das Malheur von Paris noch präsent war. Dass sie es dennoch wieder hinbekommen habe, sei mega, mega cool. Sie ergänzt: "An den Meisterschaften geht es sowieso meistens." Sie ist auch in der Halle zweifache Europameisterin.

Moser ist nicht nur eine Topathletin, sie möchte auch etwas zurückgeben, weshalb sie Botschafterin der Laureus Stiftung Schweiz ist. "Es ist ein mega cooles Programm. Es gibt extrem viele Angebote, die es allen Kindern ermöglichen, Sport zu machen, auch den wirtschaftlich schwächeren. Es ist eine riesige Ehre, wenn du dabei sein darfst."

Auch finanziell gut aufgestellt

Moser ist seit Anfang 2025 bei der Agentur von Michael Schiendorfer, der unter anderen auch Skifahrer Marco Odermatt betreut. Wie gut ist sie finanziell eigentlich aufgestellt? "Dadurch, dass ich nun wirklich gute Saisons hatte und auch an den grossen Meetings gute Leistungen bringen konnte, kann ich mir nicht nur meine Karriere finanzieren, sondern vielleicht auch noch ein Jahr oder so danach", hält sie fest. "Den Unterschied machen die Preisgelder an den Wettkämpfen. Was Sponsorengelder betrifft, ist es im Moment tendenziell schon tricky. Ich habe meine Partner, die meisten sind relativ langjährige Sponsoren. Aber neue zu finden, ist in der aktuellen Wirtschaftslage mit relativ grosser Unsicherheit eher schwierig."

Feiern musste Moser ohne ihren Freund, der nicht in Birmingham ist. Kevin Bozon, zuletzt bei Ajoie tätig, ist noch auf der Suche nach einem neuen Klub, weshalb in den Sternen steht, ob die beiden auch zukünftig zusammen wohnen können. Vorerst ist Moser aber froh, dass die Saison noch nicht zu Ende ist. "Ich weiss, dass ich noch mehr drauf habe", ist sie überzeugt. Finanziell besonders lukrativ sind die erstmals durchgeführten World Athletics Ultimate Championships vom 11. bis 13. September in Budapest. Dort erhalten die jeweiligen Siegerinnen und Sieger in einer Einzeldisziplin ein Preisgeld von 150'000 Dollar. Schlägt Moser auch dort zu?

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