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St.Gallens Direktverbindung nach Wien ist nur vorübergehend
Wegen Bauarbeiten zwischen Buchs und Feldkirch verfügt St.Gallen bis Oktober über eine direkte Zugverbindung nach Wien und Budapest. Doch nur wenige zusätzliche Passagiere nutzen die Direktverbindungen ab St.Gallen.
Ein knappes Dutzend Reisende wartet an diesem warmen Mittwochabend im Bahnhof St. Gallen auf den Night-Jet nach Wien mit Abfahrt um 21.35 Uhr. Darunter ist Claudio Keller, der mit drei Angehörigen für einen Kurzurlaub per Schlafwagen nach Wien fahren will.
Dass eine Verbindung ohne Umsteigen in die österreichische Hauptstadt angeboten wird, habe bei der Auswahl des Reiseziels durchaus eine Rolle gespielt, sagt der 38-jährige St. Galler. Er würde sich wünschen, dass die Direktverbindung permanent angeboten würde.
Neuer Bahnhof in Nendeln
Normalerweise fahren Nachtzüge von der Schweiz Richtung Osten von Zürich aus dem Walensee entlang. Doch die Strecke zwischen Feldkirch A und Buchs ist vom 14. Juni bis 14. Oktober gesperrt, um eine "leistungsfähige und zukunftsfitte Verbindung zwischen Österreich und der Schweiz" zu sichern, wie die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mitteilten.
Mehrere Eisenbahnbrücken würden neu errichtet oder grundlegend instandgesetzt. Im liechtensteinischen Nendeln entsteht laut ÖBB ein neuer Bahnhof mit moderner Stellwerkstechnik, und in Feldkirch-Tosters A wird eine neue Haltestelle gebaut.
Internationale Fernzüge werden in dieser Zeit über St. Margrethen umgeleitet. Da diese nun Richtung Osten in St. Gallen halten, kommt St. Gallen vorübergehend zu Direktverbindungen nach Wien, Budapest, Ljubljana und Zagreb, was das "St. Galler Tagblatt" als "kleine Sensation" bezeichnete.
Vor rund hundert Jahren habe es das schon einmal gegeben. Damals habe eine Überschwemmung die Rheinbrücke bei Buchs zerstört, weshalb der Orient-Express von Paris vorübergehend via St. Gallen nach Südosteuropa gefahren sei.
Gemäss SBB-App sind an diesem Abend im Night-Jet nach Wien und Budapest alle Schlaf- und Liegewagen ausgebucht. Als der Zug auf Gleis 2 einfährt, muss die Reisegruppe um Claudio Keller auf der Suche nach ihrem Waggon einige Schritte Richtung Zugspitze gehen.
Dort, wo sie gewartet hat, kommen Schlafwagen der ungarischen Bahngesellschaft MAV zu stehen. Aus einem steigen zwei junge Frauen für eine Rauchpause aus. Zusätzliche Reisende nach Budapest kommen keine dazu.
Zwischen Dienstag und Donnerstag weniger voll
"Wir spüren keinen grösseren Einfluss auf die Nachfrage durch den Halt in St. Gallen", schreibt die stellvertretende Leiterin der SBB-Medienstelle, Sabrina Schellenberg. Sie gehe davon aus, dass Reisende aus St. Gallen im Normalfall über Zürich fahren würden. "Zürich ist unser zentraler Nachtzug-Hub in der Schweiz, wo der überwiegende Teil der Fahrgäste einsteigt."
Die Nachfrage nach internationalen Bahnreisen und Nachtzügen sei in den letzten Jahren jedoch tatsächlich gestiegen, führt Schellenberg weiter aus. Viele Nachtzugverbindungen seien gut ausgelastet, insbesondere über Feiertage sowie während der Ferienzeit. Die SBB empfehlen laut der Mediensprecherin, frühzeitig zu buchen. Möglich sei dies bis zu sechs Monate im Voraus. Während der Hauptreisezeiten seien von Dienstag bis Donnerstag tendenziell mehr Plätze verfügbar.
Die Umleitung der Verbindung Zürich-Wien über St. Gallen führt nach Angaben der SBB-Sprecherin zu einer Fahrzeitverlängerung von rund einer Stunde. Eine andere dauerhafte Route sei nicht geplant.
Die beiden jungen Frauen haben die Rauchpause beendet. Claudio Keller und seine Familie richten sich bereits zum Schlafen ein. Der Nachtzug fährt in die Dämmerung hinaus. Um 7.58 Uhr wird er in Wien ankommen.

















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