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Keystone-SDA | Montag, 15. Juni 2026

Strasse von Hormus: Normalisiert sich der Verkehr?

Hunderte Schiffe stecken noch in der Golfregion fest. Auch wenn die Strasse von Hormus durch die Vereinbarung im Iran-Krieg öffnet: Bis der Verkehr wieder normal läuft, könnten Monate vergehen.

Etwa 150 Schiffe durchfuhren die Strasse von Hormus noch im Februar im täglichen Durchschnitt - bis der Iran-Krieg den Verkehr fast komplett zum Erliegen brachte. Nach mehr als drei Monaten Krieg soll der wichtige Seeweg nun wieder öffnen, nachdem die USA und der Iran sich auf ein Rahmenabkommen geeinigt haben. Die Unterzeichnung des Dokuments ist für Freitag geplant, dann könnte der Seeweg normal befahrbar werden. Aber ist die Krise für den Welthandel dann wirklich beendet? Die wichtigsten Fragen:

Warum ist die Strasse von Hormus so wichtig?

Die Strasse von Hormus liegt zwischen dem Iran und dem Oman und ist an ihrer engsten Stelle nur etwa 30 Kilometer breit. Sie gilt als eine der Lebensadern der Weltwirtschaft. In normalen Zeiten wird auf Schiffen rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels durch das Nadelöhr transportiert, aber auch Düngemittel, Petrochemikalien oder Helium, ein wichtiger Stoff für die Halbleiterindustrie. Aus Rohöl wird Kerosin für Flugzeuge hergestellt oder Diesel für Schiffe, Lastwagen und Generatoren.

Erdöl ist wichtig als Kraftstoff, die daraus gewonnen Derivate werden aber für eine ganze Palette von Alltagsprodukten genutzt: Plastikflaschen, Medikamente, Kleidung, Hygieneprodukte oder Elektronik. Besonders wichtig ist Erdöl auch für die Baubranche. Von Treibstoffen aber auch Düngemitteln sind wiederum Landwirte auf der ganzen Welt sind abhängig, vor allem in ärmeren Ländern drohen deshalb durch die Krise zunehmend Ernteausfälle. Der Schiffsverkehr durch die Engstelle kam im Krieg praktisch zum Erliegen.

Welche Staaten sind am stärksten von der Sperrung betroffen?

Nur mit Blick auf den Energiehandel sind vor allem die Länder betroffen, die ihr Öl und Gas überwiegend oder ausschliesslich über die Strasse von Hormus liefern können. Das sind vor allem der Irak, Kuwait, Katar und Bahrain. Über Pipelines kommt aber zumindest ein Teil der Ölexporte auf den Weltmarkt. Unter den Importländern wurden vor allem asiatische Staaten wie China, Indien, Japan und Südkorea stark getroffen, weil sie besonders stark von Lieferungen aus der Golfregion abhängig sind.

Europäische Staaten sind eher mittelbar getroffen wegen der stark gestiegenen Ölpreise. Im April war der Ölpreis der Nordsee-Sorte Brent kurzzeitig auf 126 US-Dollar gestiegen - der höchste Preis seit Jahren. Er bewegte sich auch im Mai teils nahe der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar. Hohe Energiepreise bedeuten auch in Europa steigende Kosten für Transport, Industrie und Verbraucher. Auch die US-Wirtschaft erlitt durch die Sperrung des wichtigen Seewegs einen Schock.

Wie schnell könnte sich die Lage normalisieren?

Der internationalen Schifffahrtskammer mit Sitz in London zufolge müssen derzeit rund 500 Schiffe die Strasse von Hormus durchfahren, um die Region sicher zu verlassen. Nach Angaben der International Maritime Organisation (IMO) vom Mai stecken in der Region rund 20.000 Seeleute, Hafenarbeiter und Offshore-Besatzungen fest. Nach iranischen Angaben hatten vor zwei Wochen mehr als 300 Schiffe ohne Bezug zum Iran um sichere Durchfahrt der Meerenge gebeten, die meisten davon Öltanker. Vor Kriegsbeginn fuhren im Schnitt alle zwei Tage rund 300 Schiffe durch die Strasse von Hormus.

Bis sich der Verkehr nach einer Öffnung normalisiert, dürften aber noch Monate vergehen. Und die Frage sei dabei auch nicht, ob die Strasse von Hormus heute öffnet, meint Jack Prandelli, der Rohstoffmärkte von der Schweiz aus beobachtet. "Es ist die Frage, ob sie morgen geöffnet bleibt und ob die Angriffe auf Schiffe tatsächlich aufhören." Denn der Iran habe nun verstanden, dass er die Weltwirtschaft durch Blockade der Meerenge in die Knie zwingen kann.

"Die Vorstellung, dass die Strasse von Hormus einfach zur Normalität vor der Krise zurückkehren wird, ist eine gefährliche Illusion", schreibt das Fachmedium "Lloyd's List". Reedereien und Versicherer blieben skeptisch, dass eine tatsächliche Öffnung nun wirklich bevorstehen könnte.

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