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Swiss-Ski-Präsident Peter Barandun sieht mehr als die Alpinen
Vom Elektriker zum CEO und Swiss-Ski-Präsident: Peter Barandun (61) spricht über sich und den Erfolg von Swiss-Ski. Er sagt, warum die Alpinen wichtig, andere Disziplinen aber nicht unwichtig sind.
Peter Barandun, seit Oktober sind Sie der Präsident von Swiss-Ski. Wie erleben Sie die Saison der Alpinen bis hierhin?
"Die Zwischenbilanz ist positiv. Bei den Männern läuft es sehr gut, die Frauen machen vor allem in den technischen Disziplinen Freude, mit Camille Rast und Wendy Holdener und den Jungen, die dahinter nachstossen; ich bin zufrieden."
Sie wurden vom Elektriker zum CEO und Chef der Firma Electrolux und Präsidenten von Swiss-Ski. Wie haben Sie das geschafft?
"Das frage ich mich selber. Ich bin einer, der sich vorwärts orientiert und kaum einmal weit zurückblickt. Wenn du von jemandem erwarten würdest, dass er es so macht.. nein, das wäre zu viel. Das wäre alles zu viel!"
Dass es sich einfach ergeben hat, lässt sich kaum sagen.
"Ein beruflicher Ehrgeiz war immer da, ebenso die Bereitschaft, Chancen beim Schopf zu packen. Während meiner Ausbildung zum Elektriker war das Ziel, Chef-Elektriker zu werden oder im besten Fall die Meisterprüfung zu machen. Ich übernahm schon immer gerne Verantwortung und organisierte vieles, sei es das Grümpelturnier in meinem Heimatdorf in Präz. Als ich 16 Jahre alt war, im Skiclub Heinzenberg niemand mehr die JO leiten wollte und ich gerade aufgehört hatte, Rennen zu fahren, machte ich auch das. Gleich im ersten Jahr stieg die Mitgliederzahl von 25 auf 50. So ging es weiter."
Später lebten Sie mit ihrer Frau und den skibegeisterten Kindern in Einsiedeln, wo Sie das regionale Leistungszentrum Hoch-Ybrig gründeten, die anfangs kleine Gruppe in die Erfolgsspur führten und Urs Lehmann kennenlernten, der Sie dann zu Swiss-Ski holte. Was treibt Sie in Ihrem Engagement für den Skisport an?
"Ich hatte schon immer eine gewaltige Leidenschaft fürs Skifahren und die Berge. Mein Zimmer war voll mit Postern von Bernhard Russi, Franz Klammer und Ingemar Stenmark. Klammer war meine Nummer 1, und Stenmark eigentlich auch. Die hatten eine Ausstrahlung über die Grenzen hinaus wie heute Marco Odermatt. Im Sommer machte ich jeweils so viele Überstunden, dass ich fast den ganzen Winter durch Skiunterricht geben konnte. Da kam mir entgegen, dass ich so einen guten Lehrmeister hatte. Wie er mir später erzählte, wusste er, dass ich die Schule oft schwänzte. Weil ich trotzdem gut war, hat er mich machen lassen."
Was lehrt einen der Sport über das Leben?
"Der Sport lehrt, mit allen Schichten von Leuten umzugehen. Er lehrt, demütig zu sein, zeigt, dass Stillstand Rückschritt ist, dass gleich viel zu machen wie die anderen nicht reicht, um an die Weltspitze zu kommen. Und Sport bedeutet Emotionen. Der Sport bewegt und macht Freude. Im Sport werden Erfolge erarbeitet und gefeiert - etwas, das in der Berufswelt zu kurz kommt."
Selber hörten Sie früh auf, Skirennen zu fahren. Warum?
"Das Geld war knapp bei uns zu Hause. Aber das soll keine Ausrede sein, die anderen waren sicher besser. Von den Bündnern in meinem Alter, die damals besser waren, schaffte es auch keiner in die oberen Kader. Erst mit den Hangls aus Samnaun änderte sich das wieder."
An einen Ort waren Sie auf Ihrem Weg nie gebunden. Wo sich eine Gelegenheit bot, gingen Sie hin.
"Ich kann mich an einem neuen Ort relativ schnell wohlfühlen. Ich glaube, weil ich es gut mit allen Menschen kann, egal welcher Hierarchiestufe. Wobei ich mich immer noch um die Leute am wohlsten fühle, die da stehen, wo ich herkomme, mit beiden Füssen auf dem Boden. Die Teppichetage hat mich nie angezogen. Ich wuchs bis 1976 mit einem Plumpsklo auf, für das du aus dem Haus gehen musstest. Ohne Warmwasser und ohne Heizung, in einem Bauerndorf mit 170 Einwohnern. Wir hatten kein Auto, bis 16 war ich nie in den Ferien, und Coca-Cola habe ich auch nie kennengelernt. Trotzdem erinnere ich mich sehr gerne an die Zeit zurück, daran, wie wir, Mädchen und Jungs, uns auf dem 'Platz' trafen und spielten - Fangis, Versteckis, all das, wie in einem Film aus alten Zeiten. Im Sommer spielten wir Fussball, wenn auch ohne flache Wiese, im Winter fuhren wir auf einem Hang neben der Schule Slalom, etwa zehn Sekunden ein Lauf, bis es dunkel war und es nach Hause zum Helfen ging."
Das Gespräch wird kurz unterbrochen, um einen Termin mit einem Fotografen am nächsten Tag zu vereinbaren. "Ab 7.00 Uhr ist gut für mich", sagt Barandun, bevor man sich auf 9.00 Uhr einigt.
Um 7.00 Uhr für einen Fototermin bereitzustehen, spricht für Ihre Arbeitseinstellung.
"Ich bin immer früh dran. Mein Tag fängt etwa um halb sechs an und hört um neun, zehn Uhr am Abend auf."
Sie sind Chef von rund 1000 Mitarbeitern, üben mehrere Verwaltungsratsmandate aus, sind seit 2012 im Präsidium von Swiss-Ski und dort jetzt der Präsident. Wie bringen Sie alles unter einen Hut?
"Ich kann gut loslassen und den Leuten vertrauen. Das ist sicher meine Stärke. Viele machen den Fehler, dass sie alles auf sich konzentrieren. So geht das unmöglich. Ich schaue, dass ich die besten Leute um mich habe. Und über allem steht, dass meine Frau das alles mitmacht. Ohne ihre Unterstützung wäre mein ganzes Leben nicht möglich."
Als Präsident von Swiss-Ski, so könnte man sagen, setzen Sie sich in ein gemachtes Netz. So gut wie aktuell stand der Verband noch nie da.
"Meine Antwort darauf lautet: Das ist kein Selbstläufer! Über Jahrzehnte waren die Österreicher die Nummer 1, auf einmal waren sie es nicht mehr. So schnell kann es gehen. Wenn ich an unsere Krise 2013 zurückdenke, haben wir zusammen extrem viel entwickelt und erreicht seither."
Wo sehen Sie noch Potenzial bei Swiss-Ski?
"Alle reden immer nur von Ski alpin, dabei haben wir auch viele andere coole Disziplinen. Zu sehen, wie wir letztes Jahr 85'000 Zuschauer zur Biathlon-WM in Lenzerheide bringen konnten, war herrlich. Das untermauert, dass es bei den anderen Disziplinen einiges Entwicklungspotenzial gibt. Wenn wir weiterhin wachsen und in möglichst vielen Sportarten in der Weltspitze mitmischen wollen, dann muss im kommerziellen Bereich noch mehr passieren. Es reicht nicht mehr, wenn man wie früher Kleider anschreibt und Werbeblachen aufhängt."
Dass Sie die anderen Disziplinen neben Ski alpin nennen, dürfte viele Wintersportler freuen. Die anderen haben oft das Gefühl, im Schatten der Alpinen zu stehen.
"Das hat sich ein wenig verändert bei uns. Wobei wir den Alpinen nichts wegnehmen dürfen. Täten wir das, wäre es fast sicher, dass es dort weniger gut kommt. Wir investieren viel bei den Alpinen, kriegen aber auch viel zurück. Sie sind der Treiber. Wir müssen es schaffen, mehr Kapital zu generieren."
















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