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Tadej Pogacar will auch noch das fünfte Monument gewinnen
Paris-Roubaix steuert am Sonntag auf den nächsten Showdown zu, Mathieu van der Poel gegen Tadej Pogacar lautet die Affiche. Neun Fragen und Antworten zum Klassiker.
Was ist neu bei Paris-Roubaix 2026?
Die 123. Ausgabe für die Männer und die 6. für die Frauen finden erstmals am selben Tag statt. Das macht den 12. April zu einem kompletten Roubaix-Sonntag mit maximaler Bühne für den berühmtesten Kopfsteinpflaster-Klassiker der Welt. Die Männer fahren 258,3 km weit, die Frauen 143,1. Der Sieger wird gegen 16.30 Uhr im Velodrom erwartet, die Siegerin gegen 18.20 Uhr.
Wer sind die Favoriten bei den Männern?
Es läuft auf das grosse Duell zwischen Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar hinaus. Der Niederländer hat Paris-Roubaix 2023, 2024 und 2025 gewonnen, der Slowene reist mit dem grösstmöglichen Momentum an, nachdem er heuer bereits Mailand-Sanremo und die Flandern-Rundfahrt als Sieger beendet hat. Paris-Roubaix bleibt aber ein Rennen, in dem ein Defekt oder ein Sturz jede Hierarchie in Sekunden zerlegen kann und der zweiten Garde die Türe öffnet.
Was macht Pogacar zum Top-Favoriten?
Vor allem seine Form und seine Fähigkeit, Rennen zu sprengen. Sein Paris-Roubaix-Debüt 2025 beendete er bereits als Zweiter - ein klarer Beleg, dass ihm auch dieses Monument liegt. Und die Möglichkeit auf einen historischen Coup wird ihm zusätzlich Schub verleihen. Paris-Roubaix ist das letzte Monument, das ihm noch fehlt. Es geht um einen Platz in einer noch exklusiveren Kategorie der Radsport-Geschichte.
Warum bleibt Van der Poel womöglich gleichwohl der Massstab?
Weil Paris-Roubaix sein Rennen ist. Kaum einer bewegt das Rennvelo auf grobem Pavé so effizient. Ein vierter Sieg würde ihn zu den Rekordsiegern Roger De Vlaeminck und Tom Boonen aufschliessen lassen. Auch Van der Poel hat wie Pogacar ein historisches Ziel vor Augen.
Was macht die Strecke 2026 so heikel?
Die nackten Zahlen klingen vertraut: 30 Pavé-Sektoren und 54,8 km Kopfsteinpflaster. Der Clou steckt diesmal aber in der Dramaturgie. Die Organisatoren haben die erste Sektorengruppe so umgebaut, dass die ersten vier Abschnitte fast ohne Asphalt-Unterbrechung aufeinanderfolgen. Zudem wurde ein selten genutzter, 800 m langer Anstieg (bei Briastre) integriert. Diese Kombination aus Steigung und Kopfsteinpflaster soll das Feld frühzeitig auseinanderreissen und Aussenseiter schneller aussortieren. Spätestens ab der Trouée d'Arenberg bei km 163 wird aus dem Rennen dann wieder das bekannte Ausscheidungsfahren.
Wo wird das Rennen entschieden?
Der 2,1 km lange Fünfsterne-Abschnitt Carrefour de l'Arbre rund 17 km vor dem Ziel ist oft der letzte Ort für die entscheidende Attacke. Wer dort mit Vorsprung herauskommt, dem steht das Tor zum Velodrom weit offen. Zuvor hat in der Regel der Sektor Mons-en Pévèle 48 km vor dem Ziel die Favoritengruppe arg reduziert.
Wer sind bei den Frauen die Favoritinnen?
Pauline Ferrand-Prévot steht nach ihrem Sieg 2025 und ihrem starken Frühjahr wieder im Zentrum. Die Französin hat sich nach Platz 2 bei der Flandern-Rundfahrt kurzfristig für eine Teilnahme entschieden. Pauline Ferrand-Prévot ist eine der vielseitigsten Radsportlerinnen: Sie wurde 2024 in Paris Olympiasiegerin im Mountainbike, holte schon das Weltmeistertrikot auf der Strasse, im Cross und mit dem Mountainbike oder gewann 2025 die Tour de France Femmes. Lotte Kopecky, die Weltmeisterin von Zürich 2024 und Siegerin von Paris-Roubaix im selben Jahr, gilt aufgrund ihrer Sprint-Fähigkeiten und Roller-Qualitäten als die stärkste Herausforderin.
Was ist aus Schweizer Sicht zu erwarten?
Die Ausgangslage ist diesmal deutlich schlechter als in jenen Jahren, in denen Fabian Cancellara oder Stefan Küng realistische Podiums-Kandidaten waren. Küng und Marlen Reusser müssen verletzungsbedingt passen. Elise Chabbey, die den Pavé-Klassiker 2022 als Vierte beendet hatte und 2025 in den Kampf um Platz 3 involviert war, dürfte die höchste Schweizer Trumpfkarte sein.
Wann hat zuletzt ein Schweizer gewonnen?
Der letzte Schweizer Paris-Roubaix-Sieger war Fabian Cancellara 2013. Insgesamt kommt die Schweiz auf vier Siege: Henri Suter gewann 1923, Cancellara 2006, 2010 und 2013.















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