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Trotz dem Ausscheiden von Sinner wird ein Italiener im Final stehen
Die italienische - und weltweite - Nummer 1 ausgeschieden, die Nummer 2 verletzt ausgefallen. Dennoch wird am French Open nach einem Bruderduell im Halbfinal ein Italiener im Final stehen.
Für das italienische Tennis kommt es am French Open knüppeldick. Zuerst verpasst Lorenzo Musetti, die Weltnummer 11, wegen einer Verletzung am linken Oberschenkel den Höhepunkt der Sandplatz-Saison. Dann scheidet der Weltranglistenerste und haushohe Favorit Jannik Sinner mit einer Art Hitzeschlag schon in der 2. Runde aus.
Und was passiert? Drei andere Italiener erreichen die Viertelfinals, Flavio Cobolli und Matteo Arnaldi treffen im Halbfinal aufeinander, und einer der beiden wird damit am Sonntag um die Coupe des Mousquetaires spielen. Während der Fussball im Belpaese von einem Jammertal ins nächste stürzt, präsentiert sich das italienische Tennis in überragender Form. In einem verrückten Turnier voller Überraschungen, in dem erstmals seit 1977 keiner der acht Halbfinalistinnen und -finalisten einen Grand-Slam-Titel sein Eigen nennt, sind die Azzurri eine Art Konstante.
Arnaldi auf Rekordkurs
Die grosse Sensation im Halbfinalfeld ist Matteo Arnaldi. Nach einigen Verletzungsproblemen ist der ehemalige Top-30-Spieler nur noch die Nummer 104 der Welt, kämpfte sich nun aber zu seinem grössten Erfolg. Das Kämpfen trifft es dabei perfekt. Der 25-Jährige aus Sanremo ist kein Spieler mit spektakulären Wow-Bällen, aber ein geschickter Taktiker, läuferisch stark und nimmermüde. In den ersten fünf Spielen stand er bereits mehr als 20 Stunden auf dem Platz, und das trotz der Aufgabe von Landsmann Matteo Berrettini im zweiten Satz des Viertelfinals am Mittwochabend. Er dürfte am Freitag einen Grand-Slam-Rekord für die längste Spieldauer bei einem Turnier aufstellen.
Der Favorit wird Arnaldi, der im aktuellen ATP-Ranking nur der siebtbeste Italiener ist, nicht sein. Gegner ist sein guter Freund Flavio Cobolli, die Nummer 14 der Welt, aber ab Montag erstmals in den Top Ten. Wie viele Male die beiden schon gegeneinander gespielt haben, wissen sie nicht genau, aber erstmals an den italienischen U10- oder U11-Meisterschaften.
Cobollis Halbfinaleinzug ist etwas weniger überraschend. 2020 gewann er an der Seite des Berners Dominic Stricker am French Open das Junioren-Doppel, seither hat sich der Römer kontinuierlich nach oben gespielt. "Das ist der beste Platz der Welt", schwärmt er von Roland-Garros. Im Gegensatz zu Arnaldi hat er im laufenden Turnier erst zwei Sätze abgegeben - im Achtelfinal gegen den ungesetzten Amerikaner Zachary Svajda und am Mittwoch gegen den Weltranglisten-Sechsten Félix Auger-Aliassime. Es war die einzige Partie, in der Cobolli mit einem Satz im Rückstand lag.
Nadals Dusche und blaue Augen für Bella
Der ziemlich abergläubische Cobolli hat ein lustiges Erfolgsgeheimnis und einen süssen Fan. Er versucht, immer die gleiche Dusche zu benutzen. Dazu erzählt er eine lustige Episode: Beim ersten Mal hat Rafael Nadal ungeduldig gewartet. "Er hat geklopft und gesagt, ich solle mich beeilen." Das sei seit 14 Jahren seine Dusche, die er immer benutze, habe er gesagt. "Da sagte ich mir, das müsste doch auch für mich eine gute sein." Dazu ist Cobolli der Liebling von Belinda Bencics gut zweijähriger Tochter Bella, wie die Olympiasiegerin von 2021 vor dem Turnier verriet. "Sie liebt seine blauen Augen, und er hat eine super Art, mit ihr umzugehen."
Damit kann er sich den Sieg am French Open natürlich nicht kaufen, aber er kommt ihm immer näher. Cobolli wäre der dritte italienische Champion in Paris nach Nicola Pietrangeli (1959, 1960) und Adriano Panatta (1976). Noch viel länger, nämlich 89 Jahre (Henner Henkel 1937), wartet Deutschland auf einen Sieger bei den Männern.
Nach dem Ausscheiden von Sinner wurde Alexander Zverev zum klaren Topfavoriten. Dem Weltranglisten-Dritten können eigentlich nur noch seine Nerven im Weg stehen. Von bisher zehn Grand-Slam-Halbfinals hat er nur drei gewonnen, einen Final noch nie. Die zweitletzte Hürde für den Hamburger heisst Jakub Mensik, ATP-Nummer 27 aus Tschechien und natürlich wie Cobolli und Arnaldi Halbfinal-Debütant.

















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