Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Ukraine beschiesst russische Rüstungsfabrik
Die Ukraine setzt Russland mit Angriffen auf wichtige Rüstungsbetriebe weiter unter Druck.
Am frühen Morgen trafen ukrainische Drohnen ein Institut für Elektromechanik in der Stadt Pensa. Die regionale Verwaltung bestätigte einen Angriff, äusserte sich aber nicht zu Schäden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, der Angriff habe einem Institut für Elektromechanik gegolten, das Raketenteile entwickele und herstelle. Pensa liegt südöstlich von Moskau und etwa 500 Kilometer von der Ukraine entfernt.
Selenskyj berichtete ausserdem von einem weiteren Angriff auf die Raffinerie von Ufa am Ural, die 1.300 Kilometer von der Ukraine entfernt liegt. In den vergangenen Tagen hatte die Ukraine nach eigenen Angaben zweimal ein Zentrum für Satellitenkommunikation in Dubna bei Moskau attackiert und auch einen Raketenzulieferer in Woronesch.
Wichtige Strassenbrücke zerstört
Im russisch besetzten Gebiet in der Ostukraine zerstörte die ukrainische Armee eine Brücke an der wichtigen Fernstrasse zwischen den Grossstädten Donezk und Mariupol. Das teilte der ukrainische Generalstab mit. Fotos in sozialen Netzwerken zeigten die Trümmer des Bauwerks in einem Flusstal gut 20 Kilometer nördlich der Hafenstadt Mariupol. Das ukrainische Militär greift seit mehreren Wochen systematisch Brücken im russisch besetzten Teil des Landes an, um die Logistik der russischen Armee zu stören.
Russland attackiert ukrainische Tankstellen
In der südukrainischen Stadt Cherson kamen bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Sammeltaxi zwei Menschen ums Leben und neun wurden verletzt, wie Gouverneur Olexander Prokudin mitteilte. Cherson liegt am Fluss Dnipro, der zugleich die Frontlinie zwischen ukrainischen und russischen Truppen markiert.
Im Gebiet Dnipropetrowsk beschädigten russische Luftangriffe nach regionalen Angaben fünf Tankstellen. In der Nacht zuvor waren Angriffe auf Tankstellen aus dem nördlichen Gebiet Sumy gemeldet worden. Der Branchendienst Naftorynok hat seit April bereits mehr als 140 solcher Attacken gezählt.
Sie wirken wie eine Antwort auf die zunehmende Treibstoffkrise in Russland - zunächst auf der besetzten Krim, dann auch in vielen anderen Regionen. Im Land des Angreifers ist Benzin knapp geworden wegen ukrainischer Treffer auf Raffinerien und Versorgungswege. Russland, ein Grossexporteur von Öl, führt deshalb nach Kreml-Angaben Gespräche über mögliche Treibstoffimporte.
Ist die neue Stärke der Ukraine schon die Wende?
Ob das Erstarken der Ukraine mit ihren Drohnenattacken bereits eine Wende in dem seit mehr als vier Jahren dauernden russischen Angriffskrieg bedeutet, ist unter Experten umstritten. Der deutsche Militärfachmann Carlo Masala äusserte sich bei einem Besuch in Südkorea skeptisch. "Ich bin noch zurückhaltend, ob das wirklich strategische Erfolge sind. Es wird in ganz vielem davon abhängen, ob die Ukraine in der Lage ist, diesen Druck weiter aufrechtzuerhalten", sagte er.
Wenn die Ukraine den Druck aufrechterhalte, könne sie den russischen Soldaten auf der Krim das Leben schwer machen, sagte Masala. Für eine Rückeroberung der besetzten Halbinsel fehle es Kiew aber an Soldaten. Auch gelinge es den Russen im Osten in Industriegebiet Donbass immer noch vorzurücken.
Reisewarnung für Russland verschärft
Wegen der ukrainischen Drohnenangriffe bis tief ins russische Hinterland erweiterte das Auswärtige Amt seine Reisewarnung für Russland. Gewarnt wird jetzt vor Reisen im ganzen Land, bisher galt dies nur für die an die Ukraine angrenzenden Gebiete.
Begründet wird dieser Schritt damit, dass in ganz Russland mit "erheblicher Gefährdung" durch Drohnen beziehungsweise Trümmerteile von Drohnen zu rechnen sei. Dies gelte auch für die Metropolen Moskau und St. Petersburg und ihr Umland. Für deutsche Staatsangehörige und deutsch-russische Doppelstaatler bestehe zudem die Gefahr willkürlicher Festnahmen.

















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