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Vargas schiesst die Schweiz ins Glück
Endlich ist es geschafft: Dank des 4:3-Siegs im Penaltyschiessen gegen Kolumbien übersteht die Schweiz den Achtelfinal und zieht an einer WM erstmals seit 1954 in die Runde der letzten acht Teams ein.
Ruben Vargas nimmt Anlauf, geht bis fast zur Linie des Sechzehners zurück. Eine leichte Bewegung nach links, er trippelt dem Ball entgegen, er schiesst ... und trifft. Ausgerechnet er, der das Abschlusstraining noch verletzt hatte abbrechen müssen, schiesst die Schweiz in den WM-Viertelfinal.
Neben ihm darf sich aber auch Gregor Kobel als Penalty-Held sehen. Der Schweizer Goalie blieb 120 Minuten unbesiegt und hielt dann den Versuch von Cucho Hernandez meisterhaft. Davor waren auch Davinson Sanchez, dessen Ball an der Querstange landete und vor der Linie aufprallte, sowie Manuel Akanji als einziger Schweizer gescheitert.
Dass sein Versuch weit über dem Tor landete, störte am Schluss niemanden mehr. Denn das WM-Abenteuer der Schweiz geht weiter. Im Viertelfinal kommt es zum Duell mit Argentinien. Die Partie findet in der Nacht auf Sonntag um 3.00 Uhr Schweizer Zeit statt. Die beiden Teams treffen in Kansas City aufeinander.
Hiobsbotschaft vor dem Spiel
Dabei hatte der Tag überhaupt nicht gut begonnen: Gut zwei Stunden vor dem Spiel musste das Schweizer Nationalteam bekannt geben, dass neben Michel Aebischer und Luca Jaquez auch Johan Manzambi verletzt ausfällt. Der bisher auffälligste Offensivspieler (drei Tore, zwei Assists) im Schweizer WM-Kader konnte aufgrund einer Knieprellung nicht mittun. Ruben Vargas (zwei Tore, ein Assist) war zwar auf dem Matchblatt, musste aber zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen.
Die vielen Skorerpunkte, die dem Team so fehlten, machten sich bei den Schweizern bemerkbar. Während die unveränderte Defensive gut stand, war im Spiel nach vorne die Abstimmung mangelhaft, Pässe oft ungenau und Angriffe uninspiriert. Deutlich wurde aufgezeigt, welch grosser Faktor Manzambi in den drei bisherigen Partien gespielt hatte. Seine körperliche Präsenz und sein Zug zum Tor konnten von niemandem im Schweizer Team aufgefangen werden.
So warf Captain Granit Xhaka bei der ersten Trinkpause zunächst einmal eine Flasche frustriert auf den Boden. Intensiv wurde untereinander diskutiert, Trainer Murat Yakin fokussierte sich auf Ardon Jashari. Der 23-Jährige sollte in seinem zehnten Länderspiel, seinem erst dritten als Startspieler, in der Mitte für den nötigen Zug sorgen. Doch Jashari wirkte oft verloren, fand nie richtig ins Spiel und wurde zur Pause ausgewechselt, womit das Experiment ein vorzeitiges Ende fand.
Beide Teams wie gelähmt
Für Jashari kam Djibril Sow aufs Feld, der wie Manzambi und Vargas das Abschlusstraining vorzeitig hatte abbrechen müssen, aber offenbar als fit genug eingeschätzt wurde. Er nahm den Platz auf der Seite ein, während Rieder ins Zentrum wechselte. Eine leichte Verbesserung machte sich dadurch bemerkbar, aber insgesamt fehlte es dem Team weiter an Ideen im Spielaufbau. So griff man zwischenzeitlich oft auf lange Bälle zurück, aus denen aber fast nie eine Aktion entstand, die annähernd Torgefahr heraufbeschwor.
Nach 90 Minuten stand es bei den Abschlüssen aufs Tor 2:2. Denn auch Kolumbien mit der vielgelobten Offensive um Bayern Münchens Luis Diaz, den Captain James Rodriguez und Mittelstürmer Luis Suarez, der in der abgelaufenen Saison Torschützenkönig in der portugiesischen Liga geworden war, tat sich schwer.
Es war offensichtlich, dass beide Teams den offensiven X-Faktor suchten, auf den einen Moment der Unachtsamkeit in der gegnerischen Defensive hofften. Die für beide Seiten grosse Chance auf den Einzug in den WM-Viertelfinal, was der Schweiz seit 1954 nicht mehr gelungen ist und Kolumbien 2014 zum ersten und einzigen Mal geschafft hat, lag wie eine Last auf den Spielern und machte die Partie schwerfällig.
Glück in der Verlängerung
So ging die Partie in die Verlängerung, in der Kolumbien den besseren Eindruck machte. In der 99. Minute kam Jhon Lucumi nach einem Corner zum Kopfball und sah, wie der Ball von der Querstange abprallte. Zwei Minuten später war es Jaminton Campaz, der Kobel mit einem Distanzschuss prüfte.
Aber auch die Schweiz kam zur besten Chance des ganzen Spiels. Der kurz davor eingewechselte Zeki Amdouni sah seinen Abschluss in der 104. Minute abgewehrt. Die Überprüfung, ob dem Angriff tatsächlich ein Offside vorausgegangen war, erübrigte sich damit.
Die zweiten 15 Minuten waren dann wieder von Vorsicht geprägt. Ehe ausgerechnet Xhaka einen leichtfertigen Fehler beging, der fast zum Treffer der Kolumbianer geführt hätte. Sein Glück war, dass Campaz allein vor dem Tor die Nerven verlor und den Ball drüber schoss. Im Penaltyschiessen sollte sich der Captain mit etwas Glück rehabilitieren. Und durfte dann mit dem ganzen Team den historischen Erfolg feiern.
Telegramm:
Schweiz - Kolumbien 0:0 (0:0, 0:0) n.V., 4:3 i.P.
Vancouver. - 52'497 Zuschauer. - SR Barton. - Tore: -- Penaltyschiessen: Quintero 0:1, Xhaka 1:1, Sánchez (verschiesst), Amdouni 2:1, Campaz 2:2, Akanji (verschiesst), Hernández (Kobel hält), Itten 3:2, Díaz 3:3, Ruben Vargas 4:3.
Schweiz: Kobel; Zakaria (87. Widmer), Elvedi, Akanji, Rodríguez (71. Muheim); Freuler, Xhaka; Rieder (103. Amdouni), Jashari (46. Sow), Ndoye (92. Ruben Vargas); Embolo (87. Itten).
Kolumbien: Camilo Vargas; Muñoz, Sánchez, Lucumí (119. Mina), Mojica; Jhon Arias (66. Campaz), Lerma (82. Ríos), Puerta, Díaz; Rodríguez (66. Quintero); Suárez (82. Hernández).
Bemerkungen: Verwarnungen: 51. Xhaka. 59. Zakaria. 60. Suárez. 95. Sánchez. 105. Muheim.

















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