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Keystone-SDA | Sonntag, 28. Juni 2026

Vor 30 Jahren wurde die deutsche Rechtschreibung umgekrempelt

Am 1. Juli 1996 hat die Schweiz in Wien die Absichtserklärung zur deutschen Rechtschreibreform unterzeichnet. Erarbeitet worden war die Reform von Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. 1998 sollte sie in Kraft treten, was nur mit Abstrichen geschah.

Als vor 30 Jahren die "Filosofen" die "Majonäse" aufs Brot streichen sollten, und sich in den Bergen neu "Gämse" tummelten, sahen viele Schreibende das deutschsprachige Abendland voller "Gräuel" am Abgrund. Die Vorschläge zur Vereinfachung der geschriebenen Sprache lösten eine breite gesellschaftliche Debatte aus - über staatliche Eingriffe in die gewachsene Schriftsprache, über Lesbarkeit und über den befürchteten Verlust an Sprachkultur.

Die deutsche Sprache drohe vor die Hunde zu gehen, verkündete die "Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform", die von gut hundert Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterzeichnet worden war. Der deutsche "Spiegel" titelte "Schwachsinn Rechtschreibreform".

Die Reform wurde hernach immer wieder reformiert, ohne dass sich die Wogen glätteten. 2004/2005 kehrten verschiedene Zeitungen und Verlage, zum Beispiel die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", aus Protest zur alten Rechtschreibung zurück. Die "NZZ" entwickelte eigene Regeln.

Es dauerte lange, bis die teilrevidierte (und nicht mehr Teil revidierte) neue Rechtschreibung an den Schulen übernommen wurde. 2006 stimmte die Erziehungsdirektorenkonferenz den neuen Regeln zu. 2009 wurden sie an den Schweizer Schulen notenwirksam. Der Philosoph ass wieder Mayonnaise, während sich die Gämsen aber nicht zu Gemsen zurückbilden durften.

visual.keystone-sda.ch/preview/-/preview/open/272017/detail

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