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Wahrnehmung der Welt dürfte Einfluss auf Verschwörungsdenken haben
Schwere Krankheit, Geldprobleme, Gewalterfahrungen: Als belastend empfundene Erfahrungen können Menschen einer Studie zufolge anfälliger für Verschwörungserzählungen machen - allerdings nicht automatisch.
Einfluss habe die eigene Bewertung: "Wenn Widrigkeiten dazu führen, dass die Menschen das Gefühl haben, dass die Welt grundsätzlich unfair ist, können Verschwörungstheorien attraktiver werden, weil sie eine Erklärung für diese Ungerechtigkeit bieten", erklärte Hauptautor Daniel Jolley von der University of Nottingham (Grossbritannien).
Das Forschungsteam hatte in drei Untersuchungen mit insgesamt mehr als 1200 Teilnehmenden untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen als belastend empfundenen Lebenserfahrungen und Verschwörungsdenken gibt. Demnach ist es keineswegs generell so, das Menschen mit vielen erlebten Widrigkeiten eher Verschwörungstheorien glauben. "Viele Menschen erleben während ihres Lebens erhebliche Widrigkeiten, aber die meisten werden nicht zu Verschwörungsgläubigen", sagte Jolley.
Die Ergebnisse wiesen vielmehr darauf hin, dass es darauf ankommt, wie gemachte Erfahrungen bei einem Menschen die Art und Weise prägen, wie er die Welt wahrnimmt. Die Welt auf Basis der eigenen Erlebnisse als ungerecht zu empfinden, könne mit stärkerem Verschwörungsdenken einhergehen, berichten die Forschenden im "British Journal of Psychology".
Die Forschenden geben dabei zu bedenken, dass ihre Analysen keinen ursächlichen Zusammenhang zeigen. Es könne auch sein, dass Menschen, die ohnehin zu Verschwörungsdenken neigen, ihre Erlebnisse eher als Beleg dafür sehen, dass die Welt unfair ist.
Wenn die Welt ungerecht erscheint
"Die Bewertung von Erfahrungen spielt eine grosse Rolle für die psychologische Bewältigung", erklärte die Psychologin Pia Lamberty, die selbst nicht an der Studie beteiligt war. Menschen seien bei Katastrophen stärker belastet, wenn diese von anderen Menschen verursacht wurden. Entstehe zusätzlich das Gefühl, dass einem Unrecht widerfahren sei, könne die Belastung weiter steigen. "In solchen Momenten ist der Verschwörungsglaube dann auch eine Strategie, die Welt zu ordnen und für sich Bedeutung zu erschaffen."
Lamberty verwies zudem auf das Empfinden von Kontrollverlust. Situationen, in denen Menschen das Gefühl haben, ihr Leben nicht mehr richtig in der Hand zu haben, könnten Verschwörungsdenken befeuern. "In solchen Momenten sind wir oft vulnerabler für falsche Heilsversprechen."
Frühere Analysen zeigten, dass gesellschaftliche Krisen dabei eine grössere Rolle spielten als rein persönliche Probleme: Eine Trennung führt demnach weniger dazu, überall geheime Machenschaften zu vermuten, als etwa ein Arbeitsplatzverlust in Zeiten hoher Inflation.
Auch das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören oder mit der eigenen Stimme nichts zu bewirken, könne eine Rolle spielen. Verschwörungsglaube könne dann eine vermeintliche Möglichkeit der Selbstaufwertung bieten, erklärte Lamberty. "Die Verantwortung wird auf einzelne vermeintliche Verschwörer projiziert und gleichzeitig besteht die Option, sich besonders zu fühlen."
Ungerechtigkeit im Experiment
Wie viel die Wahrnehmung von Ungerechtigkeit ausmachen kann, testeten die Forschenden um Jolley in einem Experiment: Einige der Teilnehmenden lasen, die britische Gesellschaft werde zunehmend ungerechter, die andere Gruppe bekam das Gegenteil als Botschaft. Danach sollten sie sich vorstellen, wie fair sie bei einer Bewerbung behandelt werden würden.
Die Botschaft veränderte nicht grundsätzlich, wie gerecht oder ungerecht die Teilnehmenden die Welt einschätzten. In der vorgestellten Bewerbungssituation erwarteten diejenigen aus der Ungerechtigkeitsgruppe aber eher eine unfaire Behandlung. Zudem stimmten sie politischen wie auch allgemeinen Verschwörungsvorstellungen etwas stärker zu.
Auch hier zeigte sich: Menschen, die in ihrem Leben besonders viele als belastend empfundene Ereignisse erlebt hatten, reagierten auf die Ungerechtigkeitsbotschaft im Mittel nicht stärker als andere. Sie waren also nicht generell empfänglicher für die Vorstellung, unfair behandelt zu werden.

















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