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Keystone-SDA | Donnerstag, 14. Mai 2026

Wie die Schweiz zur Blasmusiknation wurde

25’000 Blasmusikerinnen und Blasmusiker werden ab heute am Eidgenössischen Musikfest in Biel erwartet. Laut Veranstaltern ist es das grösste Blasmusikfest der Welt. Wie die Blasmusik in der Schweiz solche Dimensionen erreichte, ist bisher erstaunlich wenig erforscht.

"Blasmusik wird oft als etwas altmodisch wahrgenommen", sagte Yannick Wey, Musikwissenschaftler an der Hochschule der Künste Bern (HKB), im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dieses Klischee habe ihr auch in der Forschung einen schweren Stand beschert: Für Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftler galt sie lange als zu wenig "hohe Kunst".

Dabei spiele Blasmusik eine grosse Rolle im öffentlichen Leben der Schweiz. So seien viele Rituale - vom Dorffest bis zum hochrangigen diplomatischen Empfang - ohne Blasmusik kaum denkbar. "Sie begleitet solche Anlässe nicht nur musikalisch, sondern macht sie erst vollständig", so Wey.

Umso erstaunlicher sei, wie wenig man über die Anfänge dieser prägenden Klangkultur weiss. Diese Forschungslücke wird in einem vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Projekt nun erstmals systematisch angegangen. Zusammen mit Adrian von Steiger und Miryam Giger hat sich Wey auf Spurensuche begeben. In einem Forschungsprojekt an der HKB gehen sie den Anfängen der Schweizer Blasmusik nach: den ersten Musikgesellschaften vor etwa 200 Jahren, ihren Instrumenten, ihren Regeln - und der Frage, wie die Schweiz klang, bevor es Tonaufnahmen gab.

Ein Musikant von damals würde staunen

Klar ist: Ein Blasmusiker aus einer der frühen Schweizer Musikgesellschaften wäre wohl überrascht, wenn er nächste Woche am Eidgenössischen Musikfest in Biel zuhören könnte. Schon die Grösse der Formationen hätte ihn erstaunt. Eine kleine Musik zählte damals vielleicht zwölf Spieler, eine grosse dreissig. Heute stehen bei grossen Formationen nicht selten sechzig Musikerinnen und Musiker auf der Bühne. Auch optisch hätte sich ein Musikant von damals wohl gewundert: über die einheitlichen, farbigen Uniformen etwa oder über den Dirigenten mit Taktstock.

Die spärliche Quellenlage deutet zudem darauf hin, dass es sich bei den Musikern vor 200 Jahren meist um junge Männer im wehrpflichtigen Alter handelte. Frauen waren eine seltene Ausnahme, auch wenn einzelne Quellen von reisenden Familienkapellen oder berühmten Klarinettistinnen berichten. Heute sind die Vereine bezüglich Alter und Geschlecht deutlich vielfältiger zusammengesetzt, wie Wey sagt.

Verändert hat sich auch der Klang. Heute streben Blasmusiken meist einen homogenen, ausgewogenen Gesamtklang an; die Register sollen ineinander verschmelzen. Vor 200 Jahren war dieses Klangideal laut Wey noch keineswegs selbstverständlich. Damals standen die einzelnen Klangfarben stärker nebeneinander.

Blasmusiker als "Early Adopters"

Auch die Instrumente waren weniger normiert als heute. "Heute kann ich mit einem 50 Jahre alten Instrument an eine Musikprobe gehen, und die Person neben mir hat ein Instrument, das im Prinzip gleich funktioniert und ähnlich aufgebaut ist. Vor 200 Jahren war das anders", sagt Wey.

Damals befanden sich viele Blasinstrumente im Umbruch. Trompeten mit drei Ventilen, wie man sie heute kennt, wurden erst entwickelt. Klarinetten hatten deutlich weniger Klappen als moderne Instrumente und ein anderes Griffsystem.

Blas- und Militärmusiken - oft erfüllte ein und dieselbe Musikgesellschaft beide Funktionen - gehörten zu den frühen Anwendern solcher Neuerungen. Sie waren, wie Wey sagt, "Early Adopters" von Instrumenten, die sich in etablierten Orchestern oft erst viel später durchsetzten.

Klangforschung ohne Tonaufnahmen

Wie Blasmusik damals tatsächlich klang, lässt sich nur annähernd rekonstruieren. Tonaufnahmen gab es noch nicht. Schriftliche Quellen sind zwar vorhanden, doch sie erzählen selten vom Klang selbst. Erhalten sind vor allem Protokolle, Rechnungsbücher, Inventare und Bussenordnungen. Man erfährt, wer zu spät kam, welche Instrumente angeschafft wurden, wie viel sie kosteten und welche Regeln galten. Aber man erfährt kaum, wie eine Probe klang.

Einen seltenen Glücksfall fanden die Forschenden im appenzellischen Hundwil. Dort sind Instrumente einer ganzen Dorfmusik überliefert. Einige konnten restauriert, andere durch vergleichbare Objekte ergänzt werden. Mit Studierenden versuchte das Berner Forschungsteam, Musik aus jener Zeit auf diesen Instrumenten wieder zum Klingen zu bringen.

Besonders schwierig war das laut Wey bei den Klarinetten. Sie hätten sich seit dem frühen 19. Jahrhundert grundlegend verändert.

Tradition im Wandel

Laut Wey zeigt die Forschung der Geschichte der Blasmusik, wie wandelbar diese immer war. Was heute als starre Tradition erscheint, war vor 200 Jahren eine bewegliche Praxis.

Vor diesem Hintergrund blickt Wey auch dem vielbeschworenen Vereinssterben gelassen entgegen. Er verweist auf historische Zyklen: Kulturelle Phänomene erleben Hochphasen und Rückgänge. "Eine Statistik der letzten 10 oder 20 Jahre beunruhigt mich noch nicht", sagt Wey. Zwar verlören manche Musikvereine Mitglieder, es gebe aber auch Gegenbeispiele. Die Stadtmusik Aarau etwa, in der Wey selbst mitspielt, habe in den vergangenen Jahren eine Verjüngung erlebt.

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