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Wie eine frühere Reinigungskraft Tunesiens Traum retten soll
Trainer Hervé Renard übernimmt Tunesiens Fussballer mitten im WM-Turnier im Chaos. In Mexiko wird der 57-Jährige wie ein Star empfangen. Doch interne Konflikte könnten seinen Start erschweren.
Nationaltrainer kommen und gehen. Hervé Renard kommt immer wieder. 2018 trainierte er Marokko, vier Jahre später Saudi-Arabien und jetzt Tunesien: Kaum ein Trainer ist bei Weltmeisterschaften so viel zwischen den Nationen hin- und hergewandert wie der Franzose.
Das Turnier in Nordamerika beginnt für den 57-Jährigen allerdings mit über einer Woche Verspätung. Nach der 1:5-Auftaktniederlage gegen Schweden und der anschliessenden Entlassung von Sabri Lamouchi übernahm Renard die Tunesier mitten im laufenden Wettbewerb. "Internationaler Feuerwehrmann", titelten einige Medien mit Blick auf den Brandherd innerhalb des nordafrikanischen Teams, den der Franzose nun löschen muss.
"Als man mich kontaktiert hat, habe ich keine Sekunde gezögert. Es bleiben zwei Spiele. Solange es Leben gibt, gibt es Hoffnung. Es ist eine Herausforderung, die nicht einfach ist, aber motivierend", berichtete Renard vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Japan am Sonntag (6.00 Uhr Schweizer Zeit).
Die Hintergründe des Trainerwechsels blieben undurchsichtig. Laut einem Bericht der französischen Sportzeitung L'Équipe stellten sich mehrere Spieler zunächst hinter Lamouchi und drohten sogar mit einem Abgang, sollte der Trainer gehen. Gleichzeitig wurde der Druck auf Verbandspräsident Moez Nasri immer grösser. Dieser entschied schliesslich, den französisch-tunesischen Coach zu entlassen. Noch bevor Lamouchi seinen Vertrag aufgelöst hatte und isoliert zurückblieb, stand sein Nachfolger fest: Hervé Renard.
Belagert wie ein Popstar
Der Franzose übernimmt eine Mannschaft, die seit Jahrzehnten auf einen historischen Durchbruch wartet und zu der mit Dylan Bronn (Servette), Mohamed Belhadj Mahmoud (Lugano) und Yan Valery (Young Boys) drei Spieler gehören, die in der letzten Saison in der Super League spielten - so viele wie bei keinem anderen WM-Teilnehmer. 2022 reichte selbst ein Sieg gegen den späteren Finalisten Frankreich nicht zum Weiterkommen. Da diesmal auch die acht besten Gruppendritten weiterkommen, ist die Chance so gross wie nie. "Wir sind bereit und wollen Geschichte schreiben und haben eine Siegermentalität", hatte Abwehrspieler Montassar Talbi vor dem Turnierstart grossspurig verkündet.
Renard soll Tunesiens Traum nun retten. Wie man grosse Spiele gewinnt, weiss er. Mit Saudi-Arabien gelang ihm vor vier Jahren durch ein 2:1 über den späteren Weltmeister Argentinien die WM-Sensation. "Ich habe ihnen gesagt, dass sie den Kopf hochhalten müssen - ihr seid hier, um euer Land zu vertreten. Wir müssen solidarisch bleiben und als Team auftreten", erklärte Renard.
Chaos im Verband
Bei seiner Ankunft am Flughafen von Monterrey wurde Renard von den Medien belagert wie ein Popstar. Er hatte gerade sein Gepäck durch den Sicherheitsscanner geschoben, da setzte man ihm schon eine rote Chechia auf, die traditionelle tunesische Kopfbedeckung. Seinen Weg in den Bus musste sich der Hoffnungsträger regelrecht erkämpfen.
Bei den Spielern angekommen, hielt er eine über dreiminütige Motivationsrede: "Es gibt Leute, die extra hierhergekommen sind. Wisst ihr, wie viel sie ausgegeben haben, um euch zu unterstützen? Ihr habt das Glück, hier zu sein, also los, Jungs, zweites Spiel - jetzt bringen wir die Dinge wieder ins Lot", sagte Renard, bevor er seine Rede mit einem Schlag auf den Tisch beendete.
Seine grösste Herausforderung dürfte sein, den Verband zu einen. Informationen der deutschen Nachrichtenagentur dpa decken sich mit einem Bericht von L'Équipe, wonach interne Konflikte und Spaltungen zwischen Spielergruppen eine extrem angespannte Atmosphäre geschaffen haben sollen. Die Probleme dürften sich mit einer Niederlage weiter verschärfen.
Offensivspieler Hazem Mastouri wies die Gerüchte zurück und betonte den Zusammenhalt im Team. "Wir haben keine Probleme innerhalb der Gruppe. Jeder weiss, dass Fehler gemacht wurden, und jeder übernimmt seinen Teil der Verantwortung", sagte der Angreifer.
Durchbruch in Afrika
Renards aktive Karriere verlief alles andere als geradlinig. Als Spieler schaffte er es nie in die höchste französische Liga. Später schuftete er zeitweise als Putzkraft. Erst als Trainer machte er sich im Fussball einen Namen - zunächst in Afrika. Mit Sambia gewann er 2012 überraschend den Afrika-Cup, drei Jahre später wiederholte er den Triumph mit der Elfenbeinküste.
Mit Blick auf die Diskussion um seine französische Nationalität als Trainer der tunesischen Nationalmannschaft betonte Renard, dass nicht Nationalität oder Pass entscheidend seien, sondern Persönlichkeit, fachliche Kompetenz sowie die Fähigkeit, einer Mannschaft Hoffnung zu vermitteln.

















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