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Keystone-SDA | Freitag, 03. April 2026

Wie eine Working-Poor-Familie im Tessin überlebt

Armut nimmt mit steigenden Lebenshaltungskosten in der Schweiz zu. Die Nachrichtenagentur Keystone-SDA hat im Tessin eine Working-Poor-Familie besucht, deren Einkommen kaum zum Leben reicht.

"Ich wünsche mir etwas mehr Heiterkeit für unser Leben", sagt der 34-jährige Antonio Greco, der anonym bleiben will und dessen Namen wir geändert haben. Er und seine gleichaltrige Frau Daniela haben drei Kinder und gehen beide mehreren beruflichen Tätigkeiten nach. Trotzdem reicht das Geld kaum bis zum Monatsende.

Für ihre Vier-Zimmer-Wohnung bezahlen die Grecos 1500 Franken. Er verdient brutto 4200 Franken, mit Kinderzulagen sind es 4800 Franken. Nach Bezahlen aller Rechnungen bleiben der fünfköpfigen Familie weniger als 1000 Franken, um einen Monat lang Essen, Kleidung und ein paar wenige Freizeitaktivitäten für die Kinder zu bezahlen.

Zusätzliche Kosten wie eine Zahnarztrechnung können das knappe Budget sprengen, wie Greco beim Gespräch in der Wohnung erzählt. Für den Einsatz seiner Kronen ist deshalb vor kurzem die Tessiner Sektion der Winterhilfe eingesprungen. Diese übernimmt in der Regel einmal jährlich eine Rechnung für Menschen, die an der Armutsgrenze leben. Manchmal hilft sie einer Familie aber auch mehrmals zu überbrücken, wie man hört.

Im Geschäftsjahr 2024/2025 hat die Organisation im Tessin mit 784 Hilfsgesuchen fast 500 mehr bearbeitet als vor der Pandemie, welche die Zahlen in die Höhe schnellen liess. 1198 Personen wurden unterstützt, 765 Erwachsene und 433 Kinder, wie die Verantwortliche für die Winterhilfe Tessin, Paola Eicher, gegenüber Keystone-SDA sagt. Total hat die Organisation über 715'000 Franken bereitgestellt.

Im Jahr 2024 war die Armutsquote im Tessin fast doppelt so hoch wie im Landesschnitt. Diesen Januar warnte Caritas, die Belastung für ärmere Haushalte nehme in der Schweiz weiter zu, und forderte unter anderem den Ausbau bestehender Massnahmen wie der Prämienverbilligung. Solche bezogen im Tessin 2025 circa 113'000 Personen, etwa ein Drittel der Wohnbevölkerung, wie der Direktor der Tessiner Sozialversicherungsanstalt auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagt.

Atemloser Alltag

Antonio Greco ist Hauswart in einer Schule. Wenn er gegen 17 Uhr heimkommt, geht seine Frau Daniela an drei Tagen der Woche in einer Praxis putzen. "Wir geben uns ständig die Klinke in die Hand", sagt Greco.

Seit kurzem kann Daniela dieser Arbeit nicht mehr nachgehen, da sie wegen zwei Diskushernien an Rückenschmerzen leidet. An ihrer Stelle geht nun ihr Mann putzen, denn dieser kleine zusätzliche Lohn ist das "Notfallgeld" der Familie, wie das Paar erzählt.

Einmal in der Woche holt Daniela für einen Franken eine Tasche voller Lebensmittel, die demnächst das Ablaufdatum erreichen. Das Angebot wird vom "Tischlein deck dich" bereitgestellt, im Tessin heisst die Organisation "Tavolino magico".

Am Anfang habe es ihm Mühe gemacht, dieses Hilfsangebot zu akzeptieren, erzählt Antonio Greco. Aber ohne die Tasche voller Lebensmittel wüssten sie nicht, wie sie über die Runden kämen. Für die Essenszubereitung sei Antonio zuständig, hält Daniela fest. Er sei der bessere Koch, fügt sie lachend bei und lobt seine Lasagne.

Auch "Tavolino magico" verzeichnete im vergangenen Jahr in der italienischen Schweiz einen Anstieg der Zahl von Armutsbetroffenen: 2024 nahmen 2300 Personen ihre Hilfeleistung in Anspruch, 2025 waren es 3000, wie die gemeinnützige Organisation auf Anfrage von Keystone-SDA schreibt. 2026 wollen sie deshalb zwei weitere Verteilstellen eröffnen, brauchen dafür aber Freiwillige, die helfen.

Näharbeiten als Zusatzverdienst

Daniela ist gelernte Schneiderin, jedoch ist es in der heutigen Wegwerfgesellschaft immer schwieriger, mit diesem Beruf eine Anstellung zu finden. Seit einiger Zeit verkauft Daniela deshalb kleine Näharbeiten im Internet und am Weihnachtsmarkt. Aus bunten Stoffen fertigt sie kleine Spielsets, die zusammengeklappt- und aufgerollt mitgenommen und unterwegs genutzt werden können. "Die Kinder sollen im Restaurant besser mit so etwas spielen als ins iPad zu starren", findet Daniela.

Daneben näht sie auch hübsche kleine Necessaires, zum Beispiel eines mit Schneewittchen und leuchtend roten Blumen. Auch sonst versucht Daniela, mit kleinen Arbeiten zum Familienbudget beizutragen.

Antonio vertreibt neben seiner Tätigkeit als Hauswart noch Tomaten-Passata und Olivenöl aus seiner Heimatregion Kalabrien in Süditalien. Pro Monat verkauft er rund 50 Liter Öl, für einen 5-Liter-Kanister erhält er 10 Franken. Diese Arbeit macht er ebenfalls mit Herzblut, weil der Produzent eine "brava persona" sei.

Der Alltag von Daniela und Antonio ist durchgetaktet, und das geht nicht spurlos an ihnen vorbei: "Wir sind beide erschöpft", sagt Antonio. Es sei schwierig, immer Rechnungen im Nacken zu haben. Dennoch versuchen die beiden, das Positive im Leben zu sehen. Aber manchmal will es ihnen einfach nicht gelingen.

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