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"Wieder sind wir knapp gescheitert, das tut weh"
Mamma mia! Dem Schweizer Team fehlt in Mailand wenig zum historischen Olympia-Coup. Statt um die Medaillen zu spielen, setzt es nach zwei verlorenen WM-Finals aber die nächste bittere Enttäuschung ab.
72 Sekunden! So wenig hat gefehlt, um den knappen 2:1-Vorsprung im Viertelfinal gegen Finnland über die Runden zu bringen und erstmals in der Neuzeit an einem olympischen Eishockey-Turnier um die Medaillen zu spielen. Doch dann glich der mit lauter NHL-Stars gespickte Olympiasieger von Peking 2022 aus, und Artturi Lehkonen versetzte der Schweiz mit dem 3:2 in der Verlängerung den K.o.-Stoss.
"Wir sind gut genug, um dieses Spiel zu gewinnen, aber wir haben es nicht geschafft. Das ist natürlich enttäuschend", ringt ein gefasster Nico Hischier nach Spielschluss nach Worten. "Wieder sind wir knapp gescheitert, das tut weh", sagt der Captain der New Jersey Devils, angesprochen auf die Frage, ob es sich wie nach den beiden zuletzt verlorenen WM-Finals anfühlt.
Vom Doppelschlag ins Verderben
So nah dran waren die Schweizer Männer in diesem Jahrtausend noch nie, einen Olympia-Viertelfinal zu gewinnen. Doch letztlich klappte es auch im vierten Anlauf nach 2006, 2010 und 2022 nicht. Nach einem Doppelschlag im Startdrittel innert 72 Sekunden durch Damien Riat und Nino Niederreiter zeigte das Team von Patrick Fischer eine nahezu tadellose Leistung, versteckte sich nicht in der Defensive und kämpfte unbeirrt, ehe mit dem 1:2-Anschlusstreffer der Finnen durch Sebastian Aho in der 54. Minute das Unheil anbrach und das Momentum kippte.
Die verbleibenden sechs Minuten fühlten sich wie eine Ewigkeit an. Als die Finnen ihren Torhüter durch einen sechsten Feldspieler ersetzten, stieg der Druck auf das Schweizer Tor ins Unermessliche. Besonders bitter: Beim 2:2-Ausgleich lenkte Verteidiger Jonas Siegenthaler den Schuss von Miro Heiskanen ins eigene Tor ab. Der erneut überragende Leonardo Genoni, der erst mit dem 24. Schuss der Finnen ein erstes Mal bezwungen wurde und in der hektischen Schlussphase mit starken Paraden glänzte, war machtlos.
Chance auf die Revanche vertan
"Wir wollten diese Medaille unbedingt", sagt ein sichtlich niedergeschlagener Patrick Fischer nach einem aufwühlenden Abend. "Stinksauer", sei er, ohne so kurz nach dem Ausscheiden bei der Analyse bereits ins Detail zu gehen. "Wir wussten, die Finnen liegen uns. Wir sind gut gestartet und haben alles im Griff, doch am Schluss geben wir den Match aus der Hand. Das ist extrem schade und enttäuschend."
Für die Schweiz war es auch eine verpasste Revanche für die 1:5-Niederlage vor vier Jahren in Peking. Damals führten die Finnen ebenfalls früh 2:0, zogen aber souverän durch und wurden letztlich Olympiasieger - und drei Monate später auch Weltmeister im eigenen Land.
Auch für die Schweiz steht im Mai eine Heim-WM an. So weit vorausblicken wollte an diesem bitteren Abend nach einem insgesamt guten Turnier jedoch noch niemand. Es wird das letzte Kapitel in der erfolgreichen Zeit von Patrick Fischer als Nationaltrainer sein - eine Ära, der bislang nur noch das i-Tüpfelchen fehlt.
















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