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Zweimal Silber und Platz 4 trotz Top-Leistung
Die Schweizer 4x100-m-Staffel der Frauen gewinnt an der EM in Birmingham Silber und auch auf Dominic Lobalu ist Verlass. Annik Kälin bewertet Platz 4 nicht nur negativ. Die Stimmen vom Samstagabend.
"Es ist ein jahrelanger Druck, der auf uns gelegen hat und jetzt einfach abfällt", sagte Salomé Kora nach Platz 2 und Silber. Die 32-Jährige, die seit vielen Jahren zum Schweizer Staffel-Projekt gehört und als "Staffel-Mama" bezeichnet wird, wurde im Interview mit dem SRF-Reporter von ihren Gefühlen übermannt. "Endlich haben wir diese Medaille. Die Emotionen überkommen mich völlig. Es ist so schön, mit den Girls hier zu sein und diese Medaille zu haben."
"Wir wussten seit Jahren, dass wir es eigentlich draufhaben. Aber irgendwie konnten wir es nie auf der Bahn zeigen", blickte die Ostschweizerin zurück. "Heute hatten wir einen so guten Vibe im Team, eine so gute Stimmung. Alle waren bereit. Es hatte sich angefühlt, als könne es nur gut kommen."
Auch Léonie Pointet kämpfte nach dem Final mit den Emotionen. Sie und Kora hätten den letzten Wechsel beinahe noch vermasselt. "Ich rief nur: 'Stopp, stopp'. Ich sah, dass Salomé zu weit weg war", schilderte sie den entscheidenden Moment, als der klar auf Platz 2 liegenden Schweiz das Ausscheiden drohte. "Normalerweise waren es immer Tränen der Trauer. Jetzt sind es Tränen der Freude und der Emotionen. Es ist unglaublich", schwärmte die Romande.
Für Platz 4 entschädigt
Mit den Nerven am Ende war Géraldine Di Tizio-Frey. Die Startläuferin bekam die Probleme beim letzten Wechsel mit und wusste nicht, ob die Schweiz disqualifiziert werden würde. "Ich konnte nicht mehr auf die Anzeigetafel schauen", schilderte sie die bangen Minuten des Wartens. Dies hatte einen handfesten Grund: Über 100 m war sie bereits als Dritte eingeblendet worden, um dann doch noch auf Platz 4 abzurutschen.
Auch Fabienne Hoenke, die für den Final anstelle von Ajla Del Ponte ins Team kam, erhielt mit der Medaille doch noch einen Lohn für ihre starken Leistungen in Birmingham. Über 200 m war sie nach einem verpatzten Start Vierte geworden und hatte nicht mehr in den Kampf um Bronze eingreifen können.
Die allgemeine Erleichterung erklärt sich aus der Vorgeschichte. Seit Jahren gehören die Schweizerinnen zur erweiterten Weltspitze, an den grossen Meisterschaften wollte es mit der Medaille aber nie klappen. Dass es nun mit einer schwachen Zeit gereicht hat, interessiert nicht mehr. 2016 an den Olympischen Spielen hatten 43,12 Sekunden noch für Platz 11 gereicht, jetzt brachte dieser Wert EM-Silber.
Auch Lobalu happy
Auch Dominic Lobalu verliess die Bahn mit Silber und ohne Bedauern darüber, dass er seinen EM-Titel über 10'000 m nicht erfolgreich verteidigen konnte. Der 27-Jährige erkannte im Rennen, dass Andreas Almgren an diesem Abend zu stark war, und richtete seinen Fokus auf Platz 2. "Ich habe gelernt, Geduld zu haben. Bei km 7 habe ich gespürt, dass es besser ist, die Medaille abzusichern. Es gibt ja noch viele Rennen in der Zukunft."
Schon vor dem Start habe er an seine Chance geglaubt. "Als ich die definitive Startliste gesehen habe, wusste ich, dass ich eine Medaille holen kann."
Tendenz zeigt nach oben
Annik Kälin musste dagegen einen vierten Platz einordnen. Die 26-jährige Bündnerin verpasste im Siebenkampf trotz starken 6630 Punkten das Podest. Den unmittelbaren Frust verband sie gleichwohl mit einer positiven Einschätzung ihrer Entwicklung. "Mit so einer Punktzahl musst du zufrieden sein. Eine Medaille wäre zwar etwas gewesen, das bleibt. Aber auch Platz 4 spornt mich an, dranzubleiben, besser zu werden und mein Niveau noch einmal zu steigern."
Kälin hatte in dieser Saison bereits zweimal mehr Punkte erzielt, ist immer noch die Jahresweltbeste und war entsprechend ambitioniert nach Birmingham gereist. Der 4. Rang ändert für sie nichts an der grundsätzlichen Richtung. "Meine Tendenz zeigt in diesem Jahr klar nach oben. Darauf kann ich aufbauen."

















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