Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
"Ab Ende Jahr fahre ich Ski"
Es ist für Stan Wawrinka das Jahr der Abschiede. Am Dienstagabend ist es in Gstaad so weit. Noch einmal vibriert der 41-jährige Waadtländer mit den Fans. danach bekommt er ein Paar Ski.
Die Sonne ist hinter den Bergen des Berner Oberlandes verschwunden, langsam weicht das Tageslicht in Gstaad der Dämmerung. Stan Wawrinka hat in der 1. Runde gegen den 25 Plätze besser klassierten Jaime Faria verloren - natürlich in drei Sätzen, natürlich nach über zweieinhalb Stunden Kampf und Leiden.
Wie immer sind die Gefühle des dreifachen Grand-Slam-Champions in diesen Momenten, die sich in seinem Abschiedsjahr in dichter Folge wiederholen, gemischt. Gut 4000 begeisterte Fans sorgen auf dem Centre Court von Gstaad für eine Davis-Cup-würdige Atmosphäre. Fast alle schwenken sie ein Schweizer Fähnchen, spenden donnernden Applaus bei den guten Schlägen, stöhnen mitleidend bei einem Fehler.
So viele Emotionen in Gstaad
Gstaad hat einen speziellen Platz im Herzen von Wawrinka. Zum vierzehnten Mal schlug er diesmal im kleinen, aber feinen Touristenort in den Bergen auf, hier stand er 2005, mit gerade mal 20 Jahren und drei Monaten, erstmals im Final eines ATP-Turniers. Er verlor gegen den French-Open-Sieger Gaston Gaudio, näher kam er der wuchtigen Trophäe aus einem Granitbrocken mit einem kleinen Tennisball darin nie mehr.
"Es ist ein Wahnsinn", zeigt sich Wawrinka über den Fan-Zuspruch gerührt. "Alleine, dass an einem Dienstag so viele Leute kommen, ist speziell. Ich komme seit so vielen Jahren hierher, habe hier so viele schöne Emotionen und auch schwierige Momente erlebt." Auch deshalb macht es ihm nichts aus, trotz der bitteren Niederlage noch auf dem Platz zu bleiben.
Im Jassen unschlagbar
Von der Turnierleitung über seine ehemaligen Davis-Cup-Teamkollegen Marco Chiudinelli, Michael Lammer und Severin Lüthi bis zu den Ballkindern huldigen alle dem zweitbesten Tennisspieler, den die Schweiz je hatte und streichen seine Erfolge, vor allem aber seine menschlichen Qualitäten abseits des Tennisplatzes heraus. Zudem, so der bis heute als Davis-Captain amtierende Lüthi, hätten sie zusammen im Jassen alle in Grund und Boden gespielt.
Wie immer in den letzten Monaten bei seinen Abschieden zeigt sich Wawrinka zugleich dankbar und traurig. "Ob ich jetzt noch einen Match mehr gewinne oder verliere, spielt für meine Karriere keine Rolle", betont er. "Am meisten macht mich traurig, dass ich durch die Niederlage nicht die Möglichkeit habe, diese Emotionen am Donnerstag noch einmal zu erleben."
Dafür kann er sich bald noch in einer weiteren Sportart versuchen. Zum Abschied erhält er nämlich ein paar Holzski, auf denen ein Tennisplatz eingraviert ist. "Ab Ende dieses Jahres fahre ich Ski", versichert Wawrinka lachend. Vorher wird er aber noch ein letztes Mal in der Schweiz bei den Swiss Indoors in Basel antreten, ehe er mit einer Show-Veranstaltung mit Roger Federer, Andy Murray und Gaël Monfils in der Genfer Palexpo-Halle endgültig seinen Abschied vom Tennis geben wird.

















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