Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Am Filmset von "De Rägebogefisch" glänzen nicht nur die Schuppen
Das bekannte Kinderbuch "Der Regenbogenfisch" des Berner Autors Marcus Pfister wird verfilmt: Eben ist der Dreh in Zusammenarbeit mit der renommierten Augsburger Puppenkiste zu Ende gegangen. Ein Augenschein am Filmset.
Messe Augsburg, Halle 5: Hier haben sich die Macher von "Heidi" oder "De Räuber Hotzenplotz" eingenistet für einen weiteren Klassiker: Verfilmt wird "Der Regenbogenfisch", eines der erfolgreichsten Kinderbücher der Welt. Und zwar zusammen mit der Augsburger Puppenkiste, die normalerweise in der Augsburger Altstadt ihre Fäden zieht.
Jetzt also hier, und es gibt weitere Premieren. Zwar wurden diverse Theaterstücke, für die das Marionettentheater bekannt ist, schon fürs Fernsehen adaptiert, aber noch nie in dieser Grösse. Die verschiedenen Rundbühnen für die diversen Schauplätze in der Geschichte haben einen Durchmesser von sechs Metern.
Gigantischer Bucherfolg
Die Storyline ist übrigens eine Mischung aus mehreren Bänden des Kinderbuchklassikers des Berners Marcus Pfister. Dieser hatte 1992 mit "Der Regenbogenfisch" einen Erfolg gelandet, der in der heutigen, digitalen Zeit fast ein bisschen unheimlich anmutet: Über 30 Millionen Mal wurden seine Bücher über den Fisch mit den glänzenden Schuppen verkauft. Der erste Band wurde in 75 Sprachen übersetzt.
Mittlerweile gibt es ein überschaubares Merchandise und grösseres Sortiment des Kinderbuches. Insgesamt sind 10 Bände erschienen, ein Sammelband, ein Riesenbuch oder ein Badebuch sowie Unterlagen für Lehrpersonen.
Filmhandlung aus mehreren Bänden
Die Ursprungsgeschichte über den Regenbogenfisch, der seine Schuppen nicht teilen will, dient im Film - der hierzulande den Titel "De Rägebogefisch" trägt - nur als Rahmen. Drehbuchschreiber und Regisseur Florian Moch hat sich an weiteren Bänden bedient. Zu dünn wäre die Geschichte sonst gewesen.
Nun ist der Regenbogenfisch mit seinen schillernden Schuppen zwar auch der schönste Fisch im Ozean, eitel und stolz, und stösst mit seinem Gehabe die anderen Fische vor den Kopf. Als er schliesslich eine seiner geliebten Glitzerschuppen verliert, ist es der gewitzte Kleine Blaue - ein Fisch - der ihn auf der Suche danach in die Tiefsee auf den Grund des Meeres begleitet.
Auf der Reise erkennt der Regenbogenfisch, dass man gemeinsam viel mutiger ist als allein und dass echte Freundschaft kostbarer ist als das prächtigste Schuppenkleid.
Hängen alle richtig herum?
Zurück in der Augsburger Halle. "Wir drehen!" ruft der Set-Aufnahmeleiter, und es geht wieder von vorne los: Die Giftqualle jammert, der Oktopus versucht sie abzulenken, der Kleine Blaue und der Regenbogenfisch nähern sich der Szene. Es ist das siebte "Take", das von dieser Szene gedreht wird, das letzte.
Das ungewöhnliche Setting und vor allem die Arbeit mit Marionetten fordert die Macher des Films sowie Puppenspielerinnen und -spieler heraus. Letztere stehen an die zweieinhalb Meter über Boden auf einer Brücke und hauchen normalerweise den Figuren Leben ein, die sich am Boden bewegen. Hier nicht. Denn der Regenbogenfisch schwimmt ausschliesslich in einer Unterwasserwelt, salopp ausgedrückt: Alles hängt in der Schwebe. Die Akteure halten also Fäden in der Hand und müssen ihre Figuren so bewegen, dass die Kamera alles einfängt.
Zum Beispiel jetzt: Moment! Die Arme der Qualle müssen entwirrt werden. Der Kleine Blaue schaut in die falsche Richtung, die Augen der Qualle haben sich Sekunden zu spät bewegt. Am Morgen fiel die Beleuchtung des Tintenfischs aus - irgendetwas ist immer. Deshalb stehen zwischen den Bühnenbildern Werkzeugkisten, und die Halle gleicht zeitweise einer Werkstatt.
Den Holzpuppen Emotion einhauchen
An einem anderen Ort zu drehen als Augsburg stand nie zur Debatte. Auch sonst bleibt man den Methoden der legendären Puppenkiste für den Film treu: Alles, vom Schiffswrack bis hin zu Unterwasserwäldern, wurde von Hand gefertigt. Das Set ist naturalistisch gestaltet. Nur vereinzelt wird diese Illusion gebrochen - durch ein Textil, das unverkennbar aus Polyester besteht.
Einer Holzfigur wie dem Regenbogenfisch und seinen Freunden Emotionen einzuhauchen, sei eine der grössten Herausforderungen gewesen, heisst es bei der Produktionsfirma, für die die Arbeit mit Puppen Neuland war. Dass dies problemlos geschafft wurde, wird gerade bei der nächsten Szene bewusst: Der Tintenfisch hüpft vor Freude, möchte man meinen.
Einerseits tragen Dialoge zur Lebendigkeit der Puppen bei, andererseits die fünf Lieder, die von den Meeresbewohnern gesungen werden; aber auch Scharniere an den Puppen, die es ihnen erlauben, zum Beispiel die Köpfe zu drehen.
Und eine unübliche Vorgangsweise, was die Vertonung angeht: Die Stimmen wurden eingesprochen, bevor gedreht wurde. Eine akustische Hilfe für die Puppenspielenden, die ihren Puppen so besser Gefühle und der Handlung die entsprechende Stimmung verleihen können.
In der Unterwasserwelt ist mittlerweile wieder einiges los: Der Kleine Blaue muss sich aus den Fängen der Qualle befreien, man fiebert richtig mit. Trotzdem soll das Ganze kindergerecht, sprich, keinesfalls unheimlich werden: Die vielen Leuchtkörper helfen und es wurden Kinderwitze eingebaut.
Lustig ist auch, dass sich jetzt schon wieder die Beine der Qualle verheddert haben. Also los, das nächste "Take", und wieder schwimmt der Regenbogenfisch ins Bild. Auf dem Boden schimmert eine Schuppe.*
*Dieser Text von Nina Kobelt, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

















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