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Keystone-SDA | Donnerstag, 13. August 2026

Antonio Djakovic lässt sich von Rückschlägen nicht unterkriegen

Antonio Djakovic sieht nach zwei schwierigen Jahren Licht am Ende des Tunnels. Der vierfache EM-Medaillengewinner im 50-m-Becken hat trotz wiederholter Rückschläge nie aufgehört, an sich zu glauben.

Sportler werden für ihre Erfolge gefeiert, doch die schwierigsten Kämpfe finden oft abseits des Scheinwerferlichts statt. Wenn die Dinge im Alltag nicht mehr wie gewohnt laufen, wenn Verletzungen und Rückschläge sich häufen, entscheidet sich vieles im Kopf.

Antonio Djakovic kennt diese Kämpfe nur zu gut. "Die letzten zwei Jahre waren nicht einfach", gesteht der Ostschweizer, als er am Dienstag am Rande der EM in Paris mit Keystone-SDA spricht. Aufgeben war für ihn jedoch nie ein Thema. Auch dann nicht, als es zuletzt erneut nicht nach Wunsch lief und er sich mitten in der Vorbereitung auf die Sommersaison einen Muskelfaserriss im Bauchbereich zuzog.

Wegen der Verletzung war lange offen, ob Djakovic überhaupt an der EM würde teilnehmen können. Dabei hatte er sich Ende 2025 noch in starker Form präsentiert und auf der Kurzbahn zwei persönliche Bestzeiten über 100 und 800 m Crawl aufgestellt. "Vier Wochen vor der EM fragte ich mich noch, ob ich überhaupt in Paris dabei sein könnte, weil ich noch immer eine starke Muskelentzündung spürte", erzählt er. "Aber ich habe nicht aufgegeben und werde auch niemals aufgeben."

Noch ist Djakovic nicht dort, wo er sein will und sein kann. Doch er weiss, was es dafür braucht: "Man muss ständig weiterarbeiten und an sich selbst glauben. Ich bin überzeugt, dass ich bald wieder das Niveau erreichen kann, das ich in Rom hatte." In Italiens Hauptstadt feierte er vor vier Jahren seine beiden grössten Erfolge, als er EM-Silber über 200 und 400 m Crawl gewann und dabei zwei persönliche Bestzeiten aufstellte, die bis heute Bestand haben: 1:45,32 und 3:43,93.

Die schmerzhafte Erinnerung an Paris 2024

Djakovic richtet den Blick lieber nach vorne. Eine der schwierigsten Phasen seiner Karriere lässt sich jedoch nicht einfach ausblenden: die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Damals wurde er von einer hartnäckigen Grippe ausgebremst und scheiterte jeweils bereits in den Vorläufen.

Nach dem Gewinn von EM-Bronze 2024 über 200 und 400 m Crawl und damit der Bestätigung seiner beiden Silbermedaillen von zwei Jahren zuvor hatte er von einem Olympiafinal geträumt. Stattdessen verliess er die Sommerspiele unter Tränen. Es brauchte Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. "Ich habe vier oder fünf Wochen Pause gemacht. Das hat mir geholfen, alles zu vergessen, was in Paris passiert war. Man muss nach vorne schauen, wenn man seine Ziele erreichen will. Und ich habe noch viele Ziele vor mir", sagt er entschlossen.

"Man muss einfach noch härter arbeiten. Ich sehe, wie junge Schwimmer nach und nach an die Weltspitze vorstossen, und das motiviert mich umso mehr", sagt der 23-jährige Thurgauer, der selbst noch weit davon entfernt ist, ein Routinier zu sein. Gleichzeitig hofft er, dass ihm noch viele erfolgreiche Jahre bevorstehen. "Ich denke, dass ich mit dem Vertrauen in mich selbst, das mich nie verlassen hat, meine Ziele weiterhin erreichen kann."

"Ich habe nichts zu verlieren"

Für diese EM gibt sich Djakovic allerdings zurückhaltend: "Ich hoffe vor allem, dass ich über 200 m Crawl die Halbfinals erreichen kann." Die Vorläufe und Halbfinals stehen am Donnerstag im Programm. "Es wäre eine schöne Belohnung, wenn ich im Halbfinal wieder mit den Besten schwimmen könnte", sagt Djakovic, der 2021 an der Kurzbahn-WM mit Bronze über 400 m Crawl seine erste Medaille an einem Grossanlass gewann.

"Ich habe nichts zu verlieren. Ich versuche, Freude daran zu haben und damit auch die anderen Mitglieder des Teams zu motivieren", erklärt er.

Dabei denkt er vor allem an seine Schwester Vanna. "Sie ist 20 Jahre alt und ebenfalls auf Crawl spezialisiert. Ich liebe es, mit ihr unterwegs zu sein. Ich glaube nicht, dass es in der Schweiz viele Geschwister gibt, die gemeinsam um die Welt reisen können, um an internationalen Meisterschaften teilzunehmen", sagt er mit leuchtenden Augen.

Los Angeles 2028 im Blick

Die Freude am Schwimmen hat Djakovic auch in den schwierigen Phasen nie verloren. "Ich hatte immer Freude daran, im Wasser zu sein und zu trainieren. Denn ich wollte immer internationale Medaillen gewinnen. Ich denke, dass ich das, was ich 2022 in Rom erreicht habe, wiederholen kann", sagt er.

Diese Ambition treibt ihn bis heute an. "Das ist eine Motivation, die ich jeden Tag habe. Deshalb trainiere ich", sagt Djakovic. 2022 war er als erster Schweizer überhaupt zu zwei Medaillen an einem Grossanlass im 50-m-Becken geschwommen. Zwei Jahre später wiederholte er diesen Erfolg in Belgrad, ehe sich die Rückschläge häuften.

Auch psychologische Hilfe hat Djakovic in den schwierigeren Phasen gesucht."Ich habe es versucht", sagt er. Viel geholfen habe es ihm jedoch nicht. "Letztlich bin ich es, der über alles entscheidet. Ich war immer sehr motiviert. Und das wird mir helfen, meine nächsten Ziele zu erreichen."

Sein Blick geht längst über Paris hinaus. "Wenn ich mental stark bleibe und diese Motivation bewahre, wird die Zukunft sehr positiv", sagt der Thurgauer. Sein grösster Wunsch: "Von Verletzungen verschont zu bleiben, damit ich im Training wieder den richtigen Rhythmus finde. Ich muss besser auf meinen Körper hören."

Los Angeles 2028 ist dabei sein grosses Ziel. An seinen dritten Olympischen Spielen will Djakovic die Enttäuschung von Paris vergessen machen. Mit 25 Jahren wird er dann im besten Schwimmeralter sein.

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