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Camille Rast ist die grosse Hoffnung auf eine Frauen-Medaille
Mt den Technikrennen Riesenslalom (Sonntag) und Slalom (Mittwoch) kommt an den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo die Stunde von Camille Rast. Druck spürt die 26-jährige Walliserin keinen.
Es ist fast eine Beleidigung für Camille Rast. Als "Madame 50 Prozent" habe sie der Swiss-Ski-Medienbetreuer Jérôme Krieg bezeichnet, erzählt die Slalom-Weltmeisterin lachend. Die Hälfte der Rennen auf dem Podest, die Hälfte nicht. Das ist eigentlich eine grobe Untertreibung. Zum einen gehören dazu nicht weniger als vier 4. Plätze, zum anderen gilt das für die gesamte Saison.
"Ich hoffe, dass ich diese 4. Plätze nicht mehr so oft sehe. Lieber möchte ich auf das Podest, aber das will ja jede Athletin." In den fünf Slaloms und vier Riesenslaloms seit der Rückkehr aus Nordamerika Mitte Dezember stand Rast sieben Mal au dem Podest, in Kranjska Gora gewann sie beide Rennen.
Riesenslalom-Fortschritte dank Hüftproblemen
Nicht ganz so begeistert ist Rast von den Pisten auf der Olimpia delle Tofane, die auf die Speedspezialistinnen zugeschnitten ist. Für die Technikerinnen bieten sie nur wenige Herausforderungen. "Da darf man sich absolut keine Fehler erlauben", weiss Rast. Sie nimmt die Herausforderung an und sagt auch: "Da muss man sich anpassen." Im Slalom der Team-Kombination fuhr sie am Dienstag immerhin die drittbeste Zeit - hinter Emma Aicher und Wendy Holdener.
Die Walliserin, die erst im letzten Winter in die absolute Weltspitze vorgestossen ist, macht einen äusserst gefestigten Eindruck. Locker plaudert sie über ihre Erfolge, ihre Ziele, aber auch die Herausforderungen durch eine Hüfte, die immer noch schmerzt. Sogar dabei findet Rast jedoch etwas Positives. "Ich habe deshalb im Sommer mehr Riesenslalom trainiert", verrät sie. "Das war sowieso das Ziel, aber es hat genau gepasst mit meiner Verletzung, weil es weniger Schmerzen verursacht." Der erste Riesen-Sieg im Weltcup Anfang Januar in Slowenien - nach den ersten zwei im Slalom im Jahr zuvor - bedeutet ihr deshalb besonders viel.
Was noch kommt, ist ein Bonus
Den Schritt nach vorne habe sie erwartet, dass es aber gleich so gut läuft, nicht. "Ich habe alle meine Ziele von dieser Saison übertroffen", sagt sie. "Alles, was jetzt noch kommt, ist ein Bonus. Und mit dem WM-Titel vom letzten Jahr könnte ich meine Karriere auch beenden." Was sie selbstredend und zum Glück nicht vorhat.
Die lockeren Worte sollten nicht täuschen, der Ehrgeiz von Camille Rast ist ungebrochen. Und auch wenn die Gegnerinnen nun Videos von ihren Fahrten studieren ("Das ist doch ein gutes Zeichen"), sieht sie noch viel Verbesserungspotenzial. Aktuell belegt sie im Weltcup sowohl im Riesenslalom (hinter Julia Scheib) als auch im Slalom den 2. Platz. Im Slalom konnte sie als Einzige die Dominatorin Mikaela Shiffrin einmal bezwingen.
Da muss es doch auch bei Olympia fast zwingend eine Medaille sein. "Nicht unbedingt", findet Rast. "Vielleicht kann ich das beste Rennen meines Lebens machen, und es ist trotzdem jemand schneller. Wenn ich die beste Version von mir selber gegeben habe, bin ich sehr, sehr zufrieden." Eines ist der 26-jährigen Walliserin auch noch wichtig: "Die Leute sind hierhergekommen in den Ferien und wollen Emotionen sehen. Die will ich ihnen geben, ich mag eine gute Show."
















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