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"Vogelmensch" Walter Steiner war Weitenjäger der Siebziger-Jahre
Der Toggenburger Walter Steiner feiert am Sonntag, 15. Februar, den 75. Geburtstag. Der Olympia-Medaillengewinner von 1972 zählt in den Siebziger-Jahren zu den populärsten Sportlern der Schweiz.
Das Bild zeigt einen Ausnahmezustand in Wildhaus im Toggenburg. Walter Steiner steht im Zentrum einer riesigen Menschenmenge, Blumen in den Händen, flankiert von Adolf Ogi (in Anzug mit Krawatte), damals Direktor des Schweizerischen Skiverbandes.
Die Bevölkerung bereitet ihrem Heimkehrer am 8. März 1977 einen triumphalen Empfang, nachdem Steiner im norwegischen Vikersund Skiflug-Weltmeister geworden ist. Es ist der Moment, in dem sich sportlicher Erfolg, Volksnähe und nationale Begeisterung verdichten.
Walter Steiner wurde zum Sinnbild des furchtlosen Fliegens, ein Weitenjäger. An den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo gewann er die Silbermedaille, im gleichen Jahr holte er bereits seinen ersten WM-Titel im Skifliegen. Es sind Erfolge, die ihn international etablieren und im Inland zu einer Identifikationsfigur machen.
Auch an der traditionsreichen Vierschanzentournee setzte Steiner Akzente: 1974 gewann er das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, 1977 entschied er das Abschlussspringen in Bischofshofen für sich.
Denker und Tüftler
Doch Steiner ist mehr als ein erfolgreicher Athlet. Er ist ein Denker, ein Tüftler, einer, der den Dingen auf den Grund geht. Als bester Flieger der Siebziger-Jahre segelte der Skispringer in einer flachen, weiten Flugbahn zu Tal, weshalb ihn viele bis heute den "Vogelmenschen" nennen.
Genau diese Fähigkeiten brachten ihn jedoch immer wieder an körperliche Grenzen. Die Aufsprunghänge jener Zeit waren nicht seiner Fluglinie angepasst. Steiner landete oft hart im Flachen, nahm Knieverletzungen und bleibende Schäden in Kauf.
Früh erkannte er die Fehlentwicklung im internationalen Schanzenbau und versuchte, diese zu stoppen. Er warnte vor Sicherheitsrisiken und forderte grössere Übergangsradien in den Landezonen. Gehör fand er damals kaum.
Erst Jahre später wurden seine Forderungen in die Normen des Weltverbandes FIS aufgenommen. Ein spätes, aber nachhaltiges Vermächtnis. Heute federn die sanften Übergänge vom Steilhang ins Flache selbst Schanzenrekord-Weiten sauber ab.
WM-Medaillen im Langlauf
Nach dem Ende seiner aktiven Karriere wanderte Steiner in den Norden aus und lebt seit vielen Jahren im schwedischen Falun. Dort fand er auch einen neuen Zugang zum Sport. Im Alter wechselte er die Disziplin und wurde ein äusserst erfolgreicher Langläufer, der bei Senioren-Weltmeisterschaften Medaillen sammelte.
Kommenden Sonntag, am 15. Februar, wird Walter Steiner 75-jährig. Der Jubel des Toggenburger Empfangs liegt lange zurück, seine Spuren im Skispringen und in den Köpfen der Schweizer Sportfans sind aber geblieben.
















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