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Keystone-SDA | Samstag, 18. Juli 2026

Das Wunder von Bern und der Schweizer Schiri im Wembley

Die Geschichte der WM-Finals ist voll mit Heldengeschichten, dramatischer Entscheidungen und politischen Implikationen. Die Schweiz spielte noch nie einen WM-Final. Dennoch spielte die Schweiz beim "Wunder von Bern" und ein Schweizer beim "Wembley-Tor" (Schiedsrichter Gottfried Dienst) Schlüsselrollen. Ein Überblick über die packendsten Final-Storys.

Das Wunder von Bern

4. Juli 1954, WM in der Schweiz: Deutschland - Ungarn 3:2 (2:2). Bern, 64.000 Zuschauer. Tore: Rahn (18., 84.), Morlock (10.); Puskas (6.), Czibor (8.).

Kein anderer sportlicher Erfolg in der deutschen Geschichte hatte grössere gesellschaftspolitische und psychologische Wirkung als der zum "Wunder von Bern" erklärte Sieg des Teams von Bundestrainer Sepp Herberger. Neun Jahre nach dem Kriegsende war Deutschland durch die Kriegsverbrechen moralisch diskreditiert. Die Mannschaft um Captain Fritz Walter gab den Deutschen wieder ein Stück Selbstwertgefühl und nationale Identität zurück. Ungarn galt damals mit Stars wie Ferenc Puskas oder Sandor Kocsis als weltbeste Mannschaft. Vor dem Final blieben die Magyaren in 24 Partien unbesiegt, zudem hatten sie Deutschland in der Gruppenphase mit 8:3 abgefertigt. Der Final lief zunächst wie erwartet, nach acht Minuten stand es 2:0 für die Ungarn. Die Deutschen glichen bis zur 18. Minute aus und kamen dank eines Weitschusses von Helmut Rahn in der 84. Minute zum Siegestreffer.

Die Entdeckung von Pele

29. Juni 1958, WM in Schweden: Brasilien - Schweden 5:2 (2:1). Stockholm, 52.000 Zuschauer. Tore: Vava (9., 32.), Pele (55., 90.), Zagalo (68.); Liedholm (4.), Simonsson (80.).

Die WM in Schweden brachte einen neuen Weltmeister und die Entdeckung eines neuen Superstars. Die "Seleçao" verzauberte mit ihrer Technik die Fussball-Welt und holte für Brasilien den ersten von mittlerweile fünf WM-Titeln, Pele stieg mit 17 Jahren zum Weltstar auf. In einem der besten Finals - und dem bis dato torreichsten - erzielte er in Stockholm mit dem Tor zum 3:1 einen der schönsten Treffer der WM-Geschichte. Pele stoppte sich mit der Brust den Ball, überhob einen schwedischen Verteidiger und schoss volley ein. Nach der frühen Führung durch Nils Liedholm sorgte Vava für eine 2:1-Pausenführung, ehe Pele und Mario Zagalo auf 4:1 erhöhten. Pele fixierte den Endstand. "Nach dem fünften Gegentreffer hatte ich keine Lust mehr, sie zu bewachen. Ich wollte ihnen nur noch applaudieren", sagte Schwedens Verteidiger Sigge Parling voller Hochachtung.

Das Wembley-Tor

30. Juli 1966, WM in England: England - Deutschland 4:2 (2:2,1:1) n.V. London, 100.000 Zuschauer. Tore: Hurst (18., 101., 120.), Peters (78.); Haller (12.), Weber (89.).

Die Heim-Weltmeisterschaft vor 60 Jahren bescherte dem Fussball-Mutterland England den bisher einzigen Titel - und zwar mit dem wohl berühmtesten Finaltor der Geschichte. England gewann den WM-Final in London gegen Deutschland mit 4:2 nach Verlängerung, das vorentscheidende 3:2 von Geoff Hurst fiel durch das "Wembley-Tor". Bis heute wird gestritten, ob der Schuss des Engländers von der Latten-Unterkante kommend auf oder hinter der Torlinie aufsprang. In der 101. Minute herrschte zunächst grosses Rätselraten, dann wurde der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst vom sowjetischen Linienrichter Tofik Bachramow überzeugt, der Ball sei drin gewesen. Dabei bemerkte Bachramow nur, wie die Engländer jubelten, gab er später zu. "Ich sah auch, dass der deutsche Tormann einen untröstlichen Eindruck machte. Deshalb muss es ein Tor gewesen sein."

Maradonas Krönung

29. Juni 1986, WM in Mexiko: Argentinien - Deutschland 3:2 (1:0). Mexiko-Stadt, 114'700 Zuschauer. Tore: Brown (23.), Valdano (55.), Burruchaga (83.); Rummenigge (74.), Völler (80.).

Die zweite Weltmeisterschaft in Mexiko innerhalb von 16 Jahren fand vor allem durch die "Hand Gottes" und das wohl legendärste Solo der WM-Historie Einzug in die Geschichtsbücher. Protagonist der beiden Tore im Viertelfinal gegen England war Diego Armando Maradona, der den attraktiven Fussball verkörperte und zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Im Finale vor 114'000 Zuschauern im Aztekenstadion hatte es Maradona gegen die deutsche Elf von Teamchef Franz Beckenbauer meist mit zwei oder drei Gegenspielern zu tun und war wenig zu sehen, ein Geniestreich des Superstars reichte aber zum Titel. Nachdem Deutschland durch Karl-Heinz Rummenigge (74.) und Rudi Völler (80.) im Finish ein 0:2 wettgemacht hatte, lancierte Maradona mit einem idealen Pass Jorge Burruchaga, der auf und davon lief und zum 3:2 einschoss (83.). Es war ein Endspiel, das weniger vom Niveau, sondern vielmehr der Spannung lebte. Argentinien gewann, "ohne dass der E.T. aus Neapel (Napoli-Legionär Maradona) die Rolle gespielt hätte, die die Fussballwelt erwartet hatte", schrieb die französische L'Equipe.

Messis Weihnachtsgeschenk an Argentinien

18. Dezember 2022, WM in Katar. Argentinien - Frankreich 3:3 (2:2, 2:0) n.V., 4:2 im Penaltyschiessen. Lusail, Lusail Stadium, 88'966 Zuschauer. Tore: Messi (23./Elfmeter, 108.), Di Maria (36.); Mbappé (80./Elfmeter, 81., 118./Elfmeter).

Eine umstrittene WM-Endrunde im europäischen Winter brachte einen unumstrittenen Weltmeister hervor. Angeführt von Altmeister Lionel Messi behielten die Südamerikaner in einem verrückten Endspiel die Oberhand gegen Titelverteidiger Frankreich und boten Drama vom Feinsten. "Heute wird Messi der beste Spieler der Geschichte - sorry Diego", huldigte Argentiniens Zeitung Ole dem Superstar, der die "Albiceleste" zum dritten Titel führte. Rund achtzig Minuten lang sah Argentinien dank der Tore von Messi (23./Penalty) und Angel di Maria (36.) und einer Mischung aus Spielfreude und beherztem Einsatz wie der sichere Sieger aus, dann erfolgte innerhalb von 95 Sekunden der Doppelpack von Kylian Mbappé (80./Penalty, 81.). Die Partie ging in die Verlängerung - und dort spielte sich das Ganze aufs Neue ab: wieder glich Mbappé im Finish vom "Punkt" (118.) die 3:2-Führung durch Messi (108.) aus. Die mentale Kraftprobe namens Elfmeterschiessen ging schliesslich an Argentinien.

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