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Der James Bond-Sprung prägt das Verzascatal bis heute
Einst sprang 007 von dieser Staumauer, heute lassen sich Abenteuerlustige am "Golden Eye Bungee Jump" in die Tiefe fallen. Dass die Eröffnungsszene des 17. Bond-Abenteuers im Tessiner Verzascatal gedreht wurde, hallt bis heute nach.
Kurz nach Gordola windet sich die Strasse in Serpentinen das Verzascatal hinauf. Und dann, nach einer weiteren Kurve, erblickt man sie: Die mächtige graue Staumauer, die sich wie ein Riegel ins Tal schiebt. Mit 220 Metern ist sie die vierthöchste der Schweiz.
Von ihr sprang 1995 Pierce Brosnan alias James Bond in die Tiefe. Es ist die Eröffnungsszene von "GoldenEye" und der erste Bond-Film, in dem Brosnan den Geheimagenten mimte. Regie führte der Neuseeländer Martin Campbell.
Wie viele Bond-Filme, beginnt auch dieser mit einer düsteren Szenerie: 007 rennt atemlos unter einem bewölkten Himmel über den Tessiner Staudamm, befestigt ein Seil an Geländer und Fuss, bevor die Kamera die Staumauer als Ganzes ins Bild nimmt und von ganz unten nach oben fährt. Dann kommt wieder Bond ins Bild und im Hintergrund blitzt kurz der Lago Maggiore auf. Nur ein, zwei Sekunden Konzentration, dann springt der berühmteste Geheimagent der Welt Kopf voran in die Tiefe.
"Symbol für Abenteuer und Adrenalin"
Die Eröffnungsszene von "GoldenEye" gelte als die beste Stunt-Szene der Filmgeschichte und halte den Guinness-Weltrekord für den höchsten Bungee-Sprung von einer baulichen Struktur in einem Film, schreibt die Kommunikationsverantwortliche der Tourismus-Organisation Lago Maggiore e Valli auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Die Dreharbeiten hätten dazu beigetragen, das Image des Verzascatals und des Stausees Lago di Vogorno als touristische Destination "neu zu definieren." Vor dem Film sei die Staumauer vor allem für ihre hydroelektrische Funktion bekannt gewesen. "Nach 'GoldenEye' wurde sie zu einem Symbol für Abenteuer und Adrenalin."
Jedes Jahr kämen seither tausende von Besucherinnen und Besuchern, um die Staumauer zu bestaunen oder den 220-Meter-Bungee-Sprung zu wagen. Ein Sprung kostet für Erwachsene 255 Franken, der zweite noch 125 Franken. Die im Sommerhalbjahr geöffnete Bungee-Sprung-Anlage gilt als die zweithöchste fest installierte der Welt.
Nach "GoldenEye" seien neue touristische Angebote geschaffen worden wie die Bungee-Jumping-Plattform, aber auch spezielle "Incentive"-oder Anreiz-Programme für Gruppen. Seither werde die Region international stärker wahrgenommen, schreibt die Medienverantwortliche weiter. Die Auswirkungen seien insofern vor allem "wirtschaftlicher und werblicher Natur", und der erlebnisorientierte Tourismus habe seit dem Film zugenommen.
Dreharbeiten blieben fast unbemerkt
Von den Dreharbeiten selber habe man im Tal kaum etwas bemerkt, sagt Ivo Bordoli, Gemeindepräsident der fusionierten Gemeinden Verzasca auf Anfrage. "Das passierte alles hinter den Kulissen."
Erst später sei publik geworden, was da am Taleingang für ein Film gedreht worden war. Der Streifen selbst habe aber "einen Fussabdruck" hinterlassen und sei wichtig für das Tal gewesen, sagt Bordoli. Bond sei eine "gute Affiche für den Tourismus" - obwohl das Verzascatal schon davor sehr bekannt gewesen sei.
Seit "GoldenEye" reisten viele Leute an, um die Staumauer anzuschauen, sagt Gemeindepräsident Bordoli. Auch beim Augenschein im Dezember sind bei feucht-kalter Witterung zwei Männer auf der Staumauer. Sie studieren und fotografieren die Inschrift mit dem Baujahr und schiessen ein Selfie.
Vor dem Besuch von Bond war das Verzascatal vor allem für seinen wunderschönen Wildfluss, tolle Wanderwege und die sogenannte "Römerbrücke" oder "Ponte dei Salti" bekannt. Auch von letzterer springen die Wagemutigen - allerdings nur ein paar Meter tief ins eiskalte Wasser der Verzasca.*
*Dieser Text von Eva Pfirter wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.
















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