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"Die Medaille würde ich am liebsten an die Haustüre hängen"
Die Schweizer Leichtathletik bestätigt ihre starke Verfassung an der Hallen-WM in Torun und komplettiert am Sonntag den Medaillensatz. Insbesondere bei Audrey Werro ist die Erleichterung gross.
Audrey Werro sicherte sich nach taktisch reifer Leistung über 800 m Silber und machte sich selber das grösste Geschenk für den 22. Geburtstag am kommenden Freitag. Die Freiburgerin wahrte die Übersicht. "Ich habe bei den Positionskämpfen nicht die Nerven verloren und mich als Dritte eingereiht. Ich wollte eigentlich als Front-Runnerin agieren, habe es aber nicht an die Spitze geschafft", sagte sie. Auf der letzten Runde mobilisierte sie ihre Reserven und lief ungefährdet zu Silber, nur geschlagen von der entfesselten Britin Keely Hodgkinson.
Beim Zieleinlauf brachen die Emotionen durch, die Westschweizerin schrie nach den Enttäuschungen im Jahr 2025 ihre Freude heraus. "Ich habe den Druck gespürt. Ich wusste, heute ist ein wichtiger Tag im meiner Karriere. Aber ich blieb immer zuversichtlich", betonte sie. Die Medaille bedeute ihr sehr viel. "Am liebsten würde ich sie an die Haustüre hängen."
Diesmal als Aussenseiterin auf dem Podest
Auch Angelica Moser lieferte. Die 28-jährige Zürcherin, die bereits 2021 EM-Gold in dieser Halle in Polen gewann, kämpfte sich trotz schwieriger Vorbereitung aufs Podest. Mit 4,70 m sichert sie sich wie im Vorjahr WM-Bronze. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass es für die Medaille reichen würde", sagte sie und verwies auf die starke Konkurrenz: "Wir waren doch neun Springerinnen, die sich auf 4,80 m versuchten."
Der Ablauf des Wettkampfs war mit sehr aggressiven Steigerungshöhen speziell. "Eigentlich hätte man in diesem Feld nach 4,70 m 4,75 auflegen müssen. Aber ich will mich nicht beklagen", betonte sie. "Ich bin als Aussenseiterin angetreten, das macht die Medaille doch besonders süss." Die Verletzung habe sie nicht behindert, eher der Trainingsrückstand. Es sei auch ein zweiter schöner Abend für das Team nach dem Gold von Simon Ehammer am Samstag. "Die drei Medaillen von Torun zeigen: Wir machen vieles richtig in der Schweizer Leichtathletik."
Höchste Schrittfrequenz fehlte
Ditaji Kambundji verpasste über 60 m Hürden dagegen knapp das Podest. Die 23-jährige Bernerin und aktuelle Freiluft-Weltmeisterin wurde Vierte und zeigte sich selbstkritisch: "Ich muss Platz 4 akzeptieren, ich konnte nicht das zeigen, was ich wollte." Sie sei nicht richtig auf Touren gekommen, einen eigentlichen Fehler habe sie nicht gemacht. "Ich kam nicht in die höchste Schrittfrequenz."
Trotz verpasster Medaille blickt sie nach vorne: 2026 sei auch für sie als Weltmeisterin kein Zwischenjahr. Es werde eine sehr spannende EM in Birmingham geben.
Schuh passt nicht mehr optimal
Annik Kälin missriet die Darbietung im Weitsprung. "Nach der Fussoperation bekam ich ein Problem mit den Schuhen. Ich habe dann kurzfristig auf ein älteres Modell gewechselt, das direkter ist, sich aber auch im Anlauf etwas anders verhält. Es fehlte die Wettkampf-Praxis mit dem neuen Schuh. Wenn ich im ersten Versuch den Balken getroffen hätte, wäre der Wettkampf womöglich ganz anders verlaufen", sagte sie.
"Aber manchmal muss man unten durch, um dann wieder oben zu sein. Die Operation sei noch nicht so lange her, aber die Form schon wieder sehr gut. "Ich fand schnell in die Saison. Die Hürdenzeiten stimmen, die Weiten im Weitsprung auch, das stimmt mich optimistisch für den Sommer", betonte die Bündnerin, die an der EM in Birmingham auf den Siebenkampf setzen will.















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