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Keystone-SDA | Donnerstag, 18. Juni 2026

Die Schweizer suchen die direkte Rehabilitation

Das Schweizer Nationalteam träumt von der besten WM aller Zeiten. Gegen Bosnien-Herzegowina muss die Mannschaft in der Stadt der Sterne beweisen, dass die Ambitionen real sind.

"Ist das der Anfang von etwas Wundervollem - oder nur ein weiterer Traum, den ich nicht verwirklichen kann?" Das fragt sich Sebastian Wilder im Lied "City of Stars", als er auf dem Pier von Hermosa Beach tanzt und singt. Der von Ryan Gosling gespielte Protagonist im Film "La La Land" projiziert viele seiner Hoffnungen und Träume auf die Stadt Los Angeles.

Unweit des Piers, auf dem Weg ins Herz der Metropole, liegt Inglewood. Ein Ort, der mitunter für den Laden "Randys Donuts" respektive für die gut 10 Meter hohe Donut-Statue auf dem Dach bekannt ist, die in mehreren Filmen und Serien vorkommt.

Vor allem aber ist Inglewood eine Sportstadt, Heimat des eindrücklichen SoFi-Stadiums. In der 2020 eröffneten Arena, deren Bau gut fünf Milliarden Franken kostete und die rund 70'000 Fans Platz bietet, geht es am Donnerstag für das Schweizer Nationalteam ebenfalls um die Frage: Beginnt nach dem verstolperten Start vielleicht hier die erhofft grosse Geschichte?

Zwischen Demut und Zuversicht

Denn eigentlich sollte das Turnier doch "die beste WM einer Schweizer Nati" werden, wie Spieler und Trainer vor der Reise in die USA mantraartig wiederholten und damit den Massstab entsprechend hoch setzten.

Der erste Versuch, die angesagte Höhe zu erreichen, missglückte mit dem 1:1 gegen Katar jedoch gründlich. Statt mit breiter Brust zurück ins Basecamp nach San Diego zu reisen, war in den letzten Tagen Demut angesagt. Man müsse auf den Boden der Tatsachen zurückkommen, Träumereien einstellen und wieder hart an sich arbeiten. So lautete der Tenor.

Gleichwohl haben die Spieler, das merkte man ihnen an, das Selbstvertrauen nicht verloren. Ob Manuel Akanji, Ruben Vargas oder Fabian Rieder: Wer auch immer sich in den letzten Tagen äusserte, drückte neben der Selbstkritik auch Zuversicht und Vorfreude aus. Die Schweizer suchen die direkte Rehabilitation, wollen beweisen, dass sie nicht umsonst als klarer Gruppenfavorit gehandelt wurden. "Wir wollen den Fans hier und in der Schweiz etwas zurückgeben", sagte etwa Rieder. "Zeigen, dass wir da sind und uns über 90 oder noch mehr Minuten zerreissen."

Taten statt Worte

Doch das mit den grossen Ansagen gab es eben schon. Worte allein werden am Donnerstag nicht genügen, wie Captain Granit Xhaka schon feststellte. Was die Schweizer gegen Katar vermissen liessen - Präzision, Konsequenz und ab der zweiten Halbzeit auch Intensität - muss nun auf den Platz zurückkehren.

Gerade in der Schlussphase des Spiels wirkte die Mannschaft gehemmt, als laste das selbst ausgerufene Ziel schwerer auf den Schultern, als ihr lieb sein konnte. Nun gilt es, zur Souveränität aus der WM-Qualifikation zurückzufinden.

Das gilt besonders gegen einen Gegner wie Bosnien-Herzegowina, der seine mentale Stärke im Qualifikations-Playoff eindrücklich bewiesen hat. Sowohl gegen Wales als auch gegen Italien ist das Team zweimal nach Rückstand zurückgekommen und hat sich schliesslich im Penaltyschiessen durchgesetzt.

In ihrem Startspiel gegen Kanada (1:1) hat die Mannschaft von Trainer Sergej Barbarez zwar mit physischen Qualitäten geglänzt, blieb spielerisch aber limitiert. Die grosse Stärke des Teams ist die Lufthoheit: Vier der letzten fünf Tore fielen per Kopfball. Zudem könnte die mögliche Rückkehr von Captain und Rekordtorschütze Edin Dzeko die Bosnier beflügeln.

Noch alles offen

Mit den beiden Unentschieden zum Auftakt ist in dieser Gruppe weiter alles offen. Der erste Ausrutscher hatte noch keine fatalen Auswirkungen. Und findet die Schweiz zu den Qualitäten zurück, die sie im letzten Herbst ausgezeichnet haben, kann aus dem Fehlstart sogar schnell eine Fussnote werden.

Lässt sie nochmals Punkte liegen, wäre zwar immer noch nicht alles verloren, doch es stünde ein Showdown beim Co-Gastgeber Kanada bevor. Und für die Stimmung im und rund um das Team wäre ein zweiter Ausrutscher ebenfalls problematisch.

Vielleicht ist das für Hollywood bekannte Los Angeles tatsächlich der Ort, an dem die Schweizer ihre WM-Geschichte neu schreiben. Dort, wo immer wieder von Grösse und Spektakel geträumt wird, muss die Nationalmannschaft zeigen, dass ihre Ambitionen mehr sind als schöne Worte. Dann könnte die "City of Stars" tatsächlich der Anfang von etwas Wundervollem sein.

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