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Keystone-SDA | Montag, 24. August 2026

Doppelvierer will nach EM-Gold auch an WM für Furore sorgen

Der Schweizer Frauen-Doppelvierer strebt kommende Woche an den Weltmeisterschaften in Amsterdam den nächsten Exploit nach EM-Gold an. Sein grösster Trumpf ist dabei der Teamgeist.

Der Enthusiasmus ist ansteckend, wenn man mit Célia Dupré und Nina Wettstein spricht. Die beiden bilden zusammen mit den Schwestern Lisa und Flavia Lötscher den Doppelvierer, der am 1. August mit dem Gewinn der EM-Goldmedaille in Varese für den ersten internationalen Elitetitel eines Schweizer Frauen-Grossboots sorgte. Und dies bereits im zweiten Rennen in dieser Besetzung.

Dupré studiert seit drei Jahren in den USA Humanbiologie und kehrte erst Anfang Juni in die Schweiz zurück. Erschwerend kam für sie hinzu, dass sie seit den Olympischen Spielen 2024 in Paris praktisch nur noch im Riemen (ein Ruder) gerudert hatte und sich nun wieder auf das Skullen (zwei Ruder) umstellen musste. "Das ist ein grosser Unterschied - nicht nur für die Hände und die Blasen", sagt Dupré mit einem gewissen Augenzwinkern. Zwei Ruder seien für sie jedoch natürlicher, damit sei sie schliesslich gross geworden.

Vertraut mit dem gleichen Ruderschlag

Am Heim-Weltcup in Luzern Ende Juni musste sich das Quartett noch mit dem 5. Platz begnügen. Doch die grosse Steigerung bis zur EM kam nicht von ungefähr. Lisa Lötscher, Dupré und Wettstein wurden 2021 zusammen mit Salome Ullrich schon U23-Weltmeister im Doppelvierer. "Von klein auf haben wir die gleiche Struktur, den gleichen Ruderschlag gelernt", erklärt Dupré. Dennoch findet sie es krass, wie rasch Fortschritte erzielt wurden. Wettstein ergänzt: "Wir sind eine kleine Familie geworden."

Diese Aussage bezieht Wettstein nicht nur auf den Doppelvierer, sondern auf das ganze Frauenteam, das mittlerweile sehr breit aufgestellt ist. Zuvor habe es eine klare Lücke zwischen den Schnelleren und den weniger Schnellen gegeben, nun würden sich alle gegenseitig pushen, betont Dupré. Deshalb hat keine ihren Platz in einem Boot auf sicher, und es gibt kein Prioritätsboot. So kommen in der jüngeren Generation viele Athletinnen nach oben, die im Riemenbereich mehr Erfahrung haben.

Wettstein schliesst selbst einen Achter nicht aus. "Im Winter trainieren wir eigentlich fast immer im Einer. Im Endeffekt sind die Trials dazu da, um herauszufinden, wer in welcher Kombination am besten funktioniert", sagt die 27-jährige Zürcherin. "So hat man alle Möglichkeiten, gleichzeitig wird es aber schwieriger, sich auf etwas festzulegen. Aber das ist das, was Rudern ausmacht, die Fähigkeit zu besitzen, sich an alles Mögliche anzupassen."

Neue Wege im Training

Die gute Gruppendynamik führt Wettstein auch auf die harten Trainingsmethoden von Ian Wright zurück. Dieser war zweimal Headcoach von Swiss Rowing, das zweite Mal von Dezember 2021 bis nach den Olympischen Spielen 2024. Unter dem Neuseeländer wurden in den Trainings vorgegebene Kilometerzahlen gerudert, egal welches Boot. Das führte bei den Frauen zu längeren Einheiten als bei den Männern. Die Idee dahinter war, im Training so viel Härte zu entwickeln, dass sich die Rennen nicht mehr so hart anfühlen. Dieses gemeinsame Leiden schweisste das Team zusammen. "Wir haben alle enorm gelitten, das hilft uns nun aber definitiv enorm", erzählt Wettstein.

Unter Wrights Nachfolger, dem Franzosen Alexis Besançon, wird fast nur noch nach Zeit trainiert. Zudem verfolgt er einen wissenschaftlichen Ansatz, bei dem alles analysiert wird. "Wir erhalten nun viel mehr Hintergründe, wieso wir etwas machen", sagt Dupré. Dafür wird unter Besançon täglich ein- bis zweimal trainiert - bei Wright fanden an fünf Tagen drei Einheiten statt, während ein Tag frei war. Letzteres nicht mehr zu haben, finden Dupré und Wettstein schwierig. "Wir denken nun jeden Tag ans Rudern, das zehrt schon, auch wenn die Erholung über den Tag nun viel besser ist", sagt Wettstein.

Nun gilt der ganze Fokus den Weltmeisterschaften in Amsterdam, die am Montag beginnen. Gelingt es dem Quartett wie an der EM, einen kühlen Kopf zu bewahren und Schlag für Schlag im Moment zu bleiben, spricht wenig gegen den nächsten Exploit. Am Enthusiasmus wird es jedenfalls nicht scheitern.

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