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Dos Santos und Russell sprengen in Zürich die Grenzen
Zwei Weltrekorde innerhalb von 40 Minuten: Alison dos Santos über 400 m Hürden und Masai Russell über 100 m Hürden sorgen bei Weltklasse Zürich für einen historischen Abend.
Den Anfang machte Dos Santos. 45,80 Sekunden zeigte die Uhr nach den 400 m Hürden. Der 26-jährige Brasilianer unterbot den bisherigen Weltrekord von Karsten Warholm um 14 Hundertstel.
Ausgerechnet Warholm war der erste Zuschauer seiner eigenen Entthronung. Der Norweger, der 2021 im legendären Olympia-Final in Tokio 45,94 Sekunden gelaufen war, befand sich im selben Rennen. Dos Santos war nicht zu halten, Warholm musste sich in 46,69 mit Platz 2 begnügen. "Er war brillant", sagte er über seinen Nachfolger als Weltrekordhalter.
Dos Santos selbst rang nach seinem Coup um Worte. "Die Zuschauer und die Stimmung waren perfekt. Ich glaube, dieser Abend war fantastisch für mich und für alle, die gekommen sind, um zuzuschauen. Ich habe es für alle getan", sagte er. "Das war ein unglaublicher Abend, mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was gerade passiert ist."
Dos Santos trägt die Spuren eines schweren Schicksalsschlags sichtbar im Gesicht. Als er zehn Monate alt war, erlitt er bei einem Unfall mit siedendem Öl schwere Verbrennungen. Der Sport half ihm später, eine Welt zu finden, in der er nicht wegen seines Aussehens anders behandelt wurde.
Es war der 26. Weltrekord in der Geschichte von Weltklasse Zürich – und der erste seit 17 Jahren. Zuletzt hatte 2009 die russische Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa im Letzigrund eine globale Bestmarke aufgestellt.
Masai Russell lässt den nächsten folgen
Nur rund 40 Minuten später raste Masai Russell über 100 m Hürden in 12,09 Sekunden zum nächsten Weltrekord. Die Amerikanerin unterbot die Bestmarke der Nigerianerin Tobi Amusan aus dem Jahr 2022 um drei Hundertstel. Amusan war dabei und wurde in 12,23 Zweite - wie Warholm über 400 m Hürden.
"Ich habe Tobi aus dem Augenwinkel gesehen und wusste deshalb, dass es schnell sein würde. Es war ein verrücktes Rennen. Ich bin gerade einfach überglücklich", sagte Russell dem SRF-Reporter.
Während des Rennens habe sie sich im "Flow State" befunden. Einen entscheidenden Gedanken habe sie dennoch gehabt: "Als ich auf die Ziellinie zukam, dachte ich mir: 'Dieses Mal läufst du wirklich bis über die Linie durch.'" Im bisherigen Saisonverlauf habe sie vor dem Ziel immer wieder etwas Tempo herausgenommen. "Also wollte ich diesmal durchziehen und schauen, was passiert. Dann habe ich 12,09 gesehen. Verrückt."
Dass ein Weltrekord möglich war, hatte Russell schon länger im Hinterkopf. "Bei den Zeiten, die ich dieses Jahr gelaufen bin, dachte ich immer wieder: Der Weltrekord könnte jederzeit fallen."
Eine Vorahnung hatte ihr ausgerechnet der erste Weltrekord des Abends gegeben. "Als ich gesehen habe, wie Alison den Weltrekord gebrochen hat, dachte ich: 'Oh, heute Abend wird etwas passieren.'"
Auch die Kulisse trug dazu bei. "Das war wahrscheinlich die beste Atmosphäre, die ich ausserhalb der Olympischen Spiele je erlebt habe. Es fühlte sich hier fast wie bei Olympia an." Das Publikum sei unglaublich laut gewesen und habe sie schon vor dem Rennen aufgeputscht.
Es hätten vier sein können
Und tatsächlich lag an diesem Abend noch mehr in der Luft. Audrey Werro lief die 800 m in 1:53,70 Minuten und kam damit dem Weltrekord von Jarmila Kratochvilova nahe. Auch Stabhochspringer Armand Duplantis und Emmanouil Karalis griffen nach der globalen Bestmarke. Aus den zwei Weltrekorden hätten also sogar vier werden können.
Das gibt einer Veranstaltung vom Vortag im Nachhinein eine besondere Pointe. Weltklasse Zürich hatte eigens ein Podium zum Thema Weltrekord organisiert. Eingeladen waren Werro, Duplantis und der kenianische 800-m-Läufer Emmanuel Wanyonyi. Nicht dabei waren ausgerechnet jene beiden, die 24 Stunden später tatsächlich Weltrekorde aufstellten: Dos Santos und Russell.
Ganz falsch lagen die Organisatoren mit ihrer Auswahl allerdings nicht. Werro, Duplantis und Karalis scheiterten knapp. So blieb es bei zwei globalen Bestmarken innerhalb von rund 40 Minuten. Nach 17 Jahren ohne Weltrekord erlebte Weltklasse Zürich einen Leichtathletik-Abend der Superlative bei dem zahlreiche weitere starke Leistungen untergingen.

















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