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"Ein sensationeller Tag, einfach Wahnsinn"
Eine schöne Überraschung, aber keine Sensation aus heiterem Himmel: So lässt sich der erste Schweizer WM-Titel im Degen-Einzel durch Lucas Malcotti einordnen. Der Walliser will noch eine Medaille.
Von einem solchen Erfolg hatte er nicht einmal geträumt. "Es war einfach ein unglaublicher Tag", erzählt Lucas Malcotti nach seinem Finalsieg an der WM in Hongkong gegenüber Keystone-SDA. "Ich hatte gar keine Zeit, mir vorzustellen, dass ich diesen Weltmeistertitel gewinnen könnte." Immerhin ist er der erste Schweizer, dem das Kunststück in dieser auf allen Kontinenten vertretenen Weltsportart gelingt.
"Ehrlich gesagt, es ist einfach Wahnsinn. Ich bin so unglaublich glücklich mit dem heutigen Tag", sprudelt es aus dem 31-jährigen Walliser heraus. "Ich kann es immer noch nicht fassen; es ist einer der prestigeträchtigsten Titel, die man gewinnen kann.“ Dass der Sittener ein Mann für die grossen Momente ist, stellte er aber schon früh unter Beweis.
Schon einmal in einem WM-Final entscheidend
Der heutige Verbandspräsident und ehemalige Weltranglistenerste Max Heinzer erinnert sich an die WM vor acht Jahren in China, als Malcotti im Teamwettkampf hinter Heinzer, Benjamin Steffen und Michele Niggeler der Ersatzmann war. Ausgerechnet im Final entschied sich das Team aber für einen Poker und nominierte den jungen Walliser für das Startgefecht. Der Südkoreaner Jung Jin-Sun war eine Art Angstgegner von Steffen. Malcotti trat auf die Planche und übergab mit einer Führung an seine Teamkollegen - am Ende waren die Schweizer erstmals Team-Weltmeister.
Mit Goldmedaillen wurde die durchaus traditionsreiche Fechtnation Schweiz bisher nicht verwöhnt. 1989 triumphierte die Bernerin Anja Straub in Denver, als Degenfechten für die Frauen überhaupt erstmals im Programm stand. 2018 holte das Männerteam in Wuxi wie erwähnt Gold. Unvergessen ist schliesslich der Olympiasieg des Seeländers Marcel Fischer 2004 in Athen.
In WM-Finals wollte es für die Männer hingegen nie klappen. Daniel Giger 1983 in Wien, Olivier Jaquet 1994 in Athen und Basil Hoffmann 2001 in Nîmes mussten sich jeweils mit Silber "begnügen". Bis zu Malcottis Coup am Sonntag in Hongkong.
In einen Rausch gespielt
"Mit diesem Erfolg hatte ich nicht gerechnet", gibt dieser zu "Ich hatte mir keine konkreten Ziele gesetzt.“ Der französische Cheftrainer der Schweizer, Daniel Jerent, formuliert es so: "Es ist eine schöne Überraschung, aber eine Sensation aus heiterem Himmel ist es nicht. Es ist der Lohn für harte Arbeit." Zumal Malcotti vor ein paar Wochen noch mit einer Verletzung zu kämpfen hatte. "Deshalb wollte ich jeden einzelnen Treffer, jeden einzelnen Kampf geniessen und sehen, wie weit ich kommen kann", erzählt er.
Mit jedem, meist knappen und nervenaufreibenden Sieg stiegen das Selbstvertrauen und der Hunger auf den ganz grossen Triumph. Malcotti spürte immer mehr, dass dies sein Tag sein könnte. Als er den entscheidenden Treffer im letzten Moment setzte, habe er gedacht: "Das darf doch nicht wahr sein, das ist unglaublich!" Nun sei er "überglücklich", so Malcotti. "Es war wirklich ein sensationeller Tag."
Eine Inspiration wie einst Fischer
Max Heinzer erinnert sich derweil an den Olympiasieg von Marcel Fischer. "Ich war damals 17-jährig, das war für mich als junger Fechter eine enorme Inspiration", erzählt der Schwyzer. "Es hat mir gezeigt, dass man auch als Schweizer so etwas gewinnen kann." Einen ähnlichen Effekt erhofft er sich nun von Malcottis Sieg.
Dieser hat diese Woche in Hongkong noch weitere Ziele. Grundsätzlich lag der Fokus auf dem Teamwettkampf vom Mittwoch. Die Schweizer haben zurecht hohe Ambitionen, drei von fünf Weltcups haben sie in dieser Saison gewonnen, zuletzt im Mai zuhause in Bern. "Die Teammedaille nach Hause zu bringen, bleibt das Hauptziel", betont Malcotti. Er und seine Kollegen können nun euphorisch und befreit angreifen. Speziellen Druck haben sie noch keinen, die Olympiaqualifikation beginnt erst im kommenden Frühling. Los Angeles 2028 ist aber das grosse Fernziel Malcottis.

















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