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Ein Turnier im Schatten von Trump
Die in 100 Tagen beginnende Fussball-WM findet in einem Umfeld statt, das durch die Politik von Donald Trump, die Gewalt in Mexiko oder die US-Intervention im Iran von Unsicherheit geprägt ist.
Vier Jahre nach der WM in Katar, dem kleinen, gasreichen Golfemirat, wird das Turnier eines der Superlative sein: Gespielt wird in 16 Stadien, die teilweise 4000 Kilometer voneinander entfernt liegen, über vier Zeitzonen hinweg. Zwischen dem Eröffnungsspiel am 11. Juni im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt und dem Final sechs Wochen später am 19. Juli in New Jersey treten 48 Mannschaften gegeneinander an - 50 Prozent mehr als 2022 -, um die Nachfolge von Argentinien anzutreten.
Um die Dimension des Ereignisses zu verdeutlichen, verspricht FIFA-Präsident Gianni Infantino "104 Super Bowls" und Einnahmen in Höhe von rund elf Milliarden Dollar für den Weltverband.
Der Walliser Funktionär, der sich einer ungewöhnlichen Nähe zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump rühmt, schätzte in einem Interview mit dem Sender CNBC die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft auf "etwa 30 Milliarden Dollar in den Bereichen Tourismus, Gastronomie, Sicherheit und Investitionen". In den Vereinigten Staaten werden 78 Spiele stattfinden, darunter alle Begegnungen ab den Viertelfinals.
Welchen Einfluss hat Trump?
Über diese schwindelerregenden Zahlen hinaus wird der reibungslose Ablauf des Turniers von der amerikanischen Politik abhängen, die seit Trumps Rückkehr ins Weisse Haus als besonders unberechenbar gilt. Inmitten der Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten sieht der Präsident diese Weltmeisterschaft als einen der Höhepunkte seiner zweiten Amtszeit.
Doch seine Zollpolitik, insbesondere gegenüber den Nachbarländern, seine Drohungen, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu machen, seine Angriffe auf europäische Verbündete oder seine Massnahmen zur Begrenzung der Einwanderung werfen Fragen auf. Auch wenn Boykottaufrufe gegen die WM bislang eher verhalten geblieben sind.
Die am Samstag begonnene Militäraktion der USA und Israels gegen den Iran, einen der qualifizierten Teilnehmer, könnte zudem die Frage aufwerfen, ob die iranische Nationalmannschaft überhaupt auf amerikanischem Boden antreten kann. Sie soll ihre drei Gruppenspiele an der Westküste bestreiten.
Bis vor Kurzem richtete sich die Sorge vor allem auf die migrationsfeindliche Politik des republikanischen Präsidenten, welche die amerikanische Gesellschaft weiter polarisiert, insbesondere auf das harte Vorgehen der Einwanderungsbehörde (ICE). Mitte Januar kündigte Washington im Rahmen des Kampfes gegen illegale Einwanderung an, dass ab dem 21. Januar die Bearbeitung von Einwanderungsvisa für 75 Länder ausgesetzt wird, darunter auch für Staaten, welche für die WM qualifiziert sind (Iran, Haiti, Senegal und die Elfenbeinküste).
Könnte diese Politik einige ausländische Besucher davon abhalten, die kostspielige Reise in die USA anzutreten? Neben sieben Millionen Zuschauern in den Stadien werden laut Gianni Infantino 20 bis 30 Millionen Touristen erwartet.
Sicherheit in Mexiko?
Zudem stellte sich in Mexiko Mitte Februar erneut die Sicherheitsfrage, nachdem der Anführer eines der grössten mexikanischen Drogenkartelle bei einer Militäroperation getötet worden war. Dies löste eine Welle tödlicher Gewalt in mehreren Regionen des Landes aus, so auch in Guadalajara, wo vier WM-Spiele stattfinden sollen.
Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP erklärte Gianni Infantino am Dienstag, er sei "sehr ruhig" hinsichtlich der Austragung der Spiele, und die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum versicherte, es bestehe "kein Risiko".
















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