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Keystone-SDA | Montag, 03. August 2026

Elise Chabbey juckt es in den Beinen

Elise Chabbey erlebt die Tour de France Femmes diesmal aus ungewohnter Perspektive: als - wenn auch privilegierte - Zuschauerin. Die Genferin, die ihr erstes Kind erwartet, wäre lieber auf dem Velo.

Elise Chabbey hätte sich nie vorstellen können, die Tour de France Femmes auf diese Weise zu erleben. In ihrer Heimatstadt Genf verfolgte die 33-Jährige die Ankunft der 2. Etappe am Sonntag am Quai du Mont-Blanc - gezwungenermassen nicht auf dem Velo, sondern als Zuschauerin. Die Gewinnerin des Bergpreistrikots im vergangenen Jahr kann an der fünften Austragung der Frauen-Rundfahrt nicht teilnehmen, da sie Ende Januar ihr erstes Kind erwartet.

Als sie Anfang Juli ihre Schwangerschaft in den sozialen Medien bekannt gab, schrieb Chabbey, sie habe "lange gebraucht, um zu verstehen und zu akzeptieren", dass sich ihr Leben "für immer verändern" werde. Einen Monat später fühlt sich das für sie noch immer nicht ganz real an.

"Es ist seltsam, mir zu sagen, dass ich schwanger bin. Ich begreife es noch nicht vollständig", gesteht sie. Äusserlich sei die Schwangerschaft bislang kaum sichtbar. "Ich habe noch gar nicht zugenommen", sagt sie lachend, als sie neben dem Bus ihres Teams in ihrer Heimatstadt interviewt wird.

Noch stärker zurückkehren

Während der ersten drei und der letzten drei Etappen begleitet Elise Chabbey ihr Team FDJ United-Suez, das von der Niederländerin Demi Vollering angeführt wird. "Das ist schon nicht schlecht. Ich muss ja auch weiter trainieren", erklärt sie. Trotz der Schwangerschaft sitzt sie in der Woche weiterhin 15 bis 20 Stunden auf dem Velo, allerdings mit reduzierter Intensität.

Die Freude, die Enttäuschungen, den Teamgeist im Rennen, die Emotionen des Grand Départ und die Begeisterung des Schweizer Publikums erlebt sie diesmal mit einer gewissen Distanz.

"Mental ist das hart", gibt sie zu. "Ich liebe Rennen, ich liebe den Wettkampf. Meine Teamkolleginnen fehlen mir. Aber ich versuche mir zu sagen, dass es einen guten Grund dafür gibt. Die Tour wird eine schwierige Phase für mich. Gleichzeitig weiss ich, dass noch viele weitere Chancen kommen werden. Das motiviert mich enorm, noch stärker zurückzukehren."

Dass sie auf eines ihrer wichtigsten Saisonziele verzichten musste, fiel ihr umso schwerer, weil die Schwangerschaft überraschend kam - und für das Team zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Chabbey hätte ihre fünfte Tour de France Femmes bestritten und sollte Teamleaderin Demi Vollering sowohl beim Giro d'Italia als auch bei der Frankreich-Rundfahrt im Gebirge unterstützen. Zudem befand sie sich in hervorragender Form und hatte im März den italienischen Klassiker Strade Bianche gewonnen.

Voller Lohn trotz Schwangerschaft

Die französische Mannschaft stellte sich jedoch von Anfang an hinter sie. Während das UCI-Reglement vorsieht, dass schwangere Fahrerinnen drei Monate lang 100 Prozent und anschliessend fünf Monate lang 50 Prozent entlöhnt werden, bekommt Elise Chabbey während insgesamt 16 Monaten ihren vollen Lohn.

"Das hilft mir bei meiner Rückkehr. Mein Partner kann vielleicht etwas weniger arbeiten, mehr Zeit zu Hause verbringen, sich um das Baby und alles Drumherum kümmern, damit ich stärker zurückkommen kann", erklärt die Sportlerin, die bereits 2012 in London als Kanutin an den Olympischen Spielen teilgenommen hatte.

Los Angeles 2028 bleibt das grosse Ziel

Ob ihre Rolle als Zuschauerin und Teil des Teams bereits ein Vorgeschmack auf eine spätere Tätigkeit als Sportdirektorin ist? Mit dieser Frage will sich die 33-Jährige derzeit noch nicht beschäftigen. "An meine Zeit nach der Karriere denke ich noch überhaupt nicht."

Viel stärker beschäftigt sie der Gedanke an ihre Rückkehr ins Renngeschehen. "Ich denke mir: Je länger ich während der Schwangerschaft auf dem Velo bleiben kann, desto schneller und stärker werde ich zurückkommen. Ich versuche weiterhin, wie eine Profisportlerin zu leben."

Dabei richtet sich ihr Blick bereits auf die Olympischen Spiele 2028, auch wenn bis dahin noch zahlreiche andere grosse Rennen auf sie warten.

Bis zu ihrem Comeback freut sich Elise Chabbey darüber, dass die Tour de France Femmes in der Schweiz und insbesondere in Genf Station macht. "Ich hoffe wirklich, dass dadurch viele junge Mädchen Lust bekommen, Sport zu treiben und Velo zu fahren. Ich finde, Radsport ist ein wunderschöner Sport. Ich bin stolz, hier zu sein und - wenn auch nur ein bisschen - dazu beitragen zu können, zu zeigen, dass das eine grossartige Erfahrung und ein wunderbares Abenteuer ist."

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