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"Es war etwas Besonderes"
Das Experiment mit der US-College-Auswahl beim Spengler Cup ist voll aufgegangen. Vieles aus dem dortigen System könnte in der Schweiz als Vorbild genommen werden.
Zwar reichte es für die US Collegiate Selects nicht zum ganz grossen Coup am Spengler Cup - der Final gegen Gastgeber Davos ging 3:6 verloren -, jedoch begeisterte das Team. Das Positive überwog denn auch bei den Uni-Studenten. "Es ist schwierig, gegen Profis anzutreten, es ist eine andere Art von Spiel, als wir es gewohnt sind", sagt Aiden Fink, mit je vier Toren und Assists der Topskorer des Turniers, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. "Ich bin einfach stolz auf unsere Gruppe, auf das, was wir erreicht haben."
Die Leistung ist umso erstaunlicher, da die Mannschaft zusammengewürfelt war - aus Spielern aus der bedeutendsten College-Meisterschaft der USA (NCAA) - und vor der Reise nach Davos lediglich zweimal gemeinsam trainierte. "Von Anfang an passte es in allen Bereichen", erzählt der 21-jährige Fink, der für die Penn State University spielt. "Ich hatte das Gefühl, dass jeder mit jedem harmoniert. Wir werden im College wieder gegeneinander spielen, aber diese Freundschaften werden ein Leben lang halten. Es war etwas Besonderes."
Auch Trainer neugierig
Trainer Guy Gadowsky sagt: "Wir waren genauso neugierig wie alle anderen hier, wie wir uns schlagen würden. Ich denke aber, viele Leute, die College-Eishockey kennen, glaubten daran, dass wir eine Chance haben - wegen der Qualität der Spieler und des harten Wettbewerbs, der Woche für Woche in der NCAA herrscht."
Zwar wurden 14 Spieler aus dem Team von NHL-Franchises gedraftet, allerdings keiner in der ersten Runde und nur drei in der zweiten. Der am höchsten gezogene Spieler ist der slowakische Torhüter Adam Gajan als Nummer 34. Zudem ist keiner jünger als 20 Jahre - die ältesten sind 24.
Von daher unterstreicht die Leistung, wie gut das College-System funktioniert. Das betont Gadowsky: "Die NCAA macht einen wirklich guten Job darin, Athleten zu entwickeln - mit Ernährung, Kraft- und Konditionstraining, Sportwissenschaft, Sportpsychologie und all dem." Fink ergänzt: "Und die Einrichtungen sind unglaublich, wie in NHL-Arenen. Wenn Schweizer in diese Liga gehen wollen, würde ich ihnen auf jeden Fall dazu raten, denn sie ist auch für die persönliche Entwicklung sehr hilfreich. Ich denke, es ist eine der besten Ausbildungen, die man bekommen kann."
Guter Anschauungsunterricht
Jedenfalls bietet das dortige System guten Anschauungsunterricht für die Schweiz. "Es wäre für uns ziemlich wichtig, etwas daraus mitzunehmen", sagt HCD-Trainer Josh Holden inmitten der Feierlichkeiten auf dem Eis. Das wäre aber ein Thema für ein anderes Interview.
Konkreter wurde Marc Gianola, der OK-Präsident des Spengler Cups, gegenüber Keystone-SDA. Einen grossen Vorteil an der NCAA sieht er darin, dass dort weniger gespielt wird. So umfasst die reguläre Saison nicht mehr als 36 Partien. Zum Vergleich: In der Schweiz sind es auf der höchsten Nachwuchsstufe 48. Zudem finden in der NCAA die meisten Spiele am Freitag und Samstag statt, am Sonntag haben sie frei. Sonst wird trainiert.
Positiv findet Gianola auch, dass die Wege kurz gehalten werden. "Die Schweiz hätte die Möglichkeit, ähnliche Strukturen anzuwenden. Aber es gibt immer Gründe, warum man es nicht so machen möchte. Dennoch wäre es definitiv wert, sich die Zeit zu nehmen, um genauer hinzuschauen, wie sie es angehen."
Hierzulande ist die älteste Nachwuchsstufe die U21, wobei höchstens zwei ältere Spieler eingesetzt werden dürfen. Das bedeutet quasi, dass, wenn man es bis zum Alter von 21 Jahren nicht geschafft hat, zumindest in der Swiss League zum Einsatz zu kommen, es fast unmöglich ist, vom Eishockey zu leben.
In Nordamerika ist es so, dass, wenn eine NHL-Mannschaft einen Spieler aus der NCAA draftet, sie bis zu vier Jahre Zeit hat, um einen Entry-Level-Vertrag mit ihm abzuschliessen. Gianola: "Also haben sie vier Jahre Zeit, ihn sauber aufzubauen, bis er soweit ist, den Sprung zu schaffen - spätestens bis zum Alter von 24 oder 25 Jahren. Wir in der Schweiz dagegen machen das Gegenteil: Wir setzen die Spieler irgendwo ein und haben das Gefühl, sie müssen sich entwickeln. Dabei findet die Entwicklung meiner Meinung nach im Training statt."
US-Boys würden gerne wiederkommen
Wie auch immer, die College-Auswahl war ein Gewinn für den Spengler Cup. Ist es ein Thema, mit dem US-Team ähnlich wie mit der finnischen Liga und dem Team Canada einen Vertrag abzuschliessen? "Wir haben es noch nicht in die Tiefe besprochen, wollten zuerst schauen, wie sie performen", sagt Gianola. Aber grundsätzlich würde ein Commitment genügen. Klar ist, dass die US-Boys nur zu gerne wieder für Furore am Spengler Cup sorgen würden. "Es war eine Ehre und ein Privileg, hier zu sein", sagt Fink.
















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