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Keystone-SDA | Montag, 06. Juli 2026

Folarin Baloguns vom Weltverband aufgehobene Sperre polarisiert

Die angebliche Einflussnahme von Donald Trump bei der durch die FIFA aufgehobenen Sperre für den amerikanischen Topstürmer Folarin Balogun ruft viel Kritik hervor.

Dieser in der jüngeren WM-Geschichte beispiellose Vorgang ist jetzt schon ein Politikum - und hat das Zeug, für Konsequenzen weit über den Fall Folarin Balogun hinaus zu sorgen. Hat Präsident Donald Trump wirklich bei FIFA-Chef Gianni Infantino angerufen, um sich für eine Aussetzung der Rot-Sperre von Balogun für den WM-Achtelfinal gegen Belgien in Seattle (Dienstag, 2.00 Uhr MESZ) einzusetzen? Dies berichteten am Sonntag "The Athletic" und die Nachrichtenagenturen AFP und AP.

Demzufolge bestätigten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen den ungewöhnlichen Ablauf. Weder die FIFA noch das Weisse Haus haben die Information bisher kommentiert. Der DFB-Präsident Bernd Neuendorf reagierte deshalb mit einer scharfen Aufforderung an den Weltverband: "Die FIFA sollte sich jetzt rasch erklären. Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA."

Garcia: "Ist das ein April-Scherz?"

Am Sonntag hatte der Weltverband mitgeteilt, dass Balogun trotz seiner Roten Karte zuletzt gegen Bosnien-Herzegowina im Achtelfinal gegen Belgien spielen darf. "Ich habe nicht gewusst, dass der 5. Juli bei der FIFA mit dem 1. April gleichgesetzt wird", äusserte sich Belgiens Nationaltrainer Rudi Garcia ironisch.

Laut einem Bericht von "The Athletic" hat Belgien formell Berufung gegen den FIFA-Entscheid eingelegt. Der belgische und der US-Verband seien von der FIFA aufgefordert worden, ihre Stellungnahmen bis genau zwölf Stunden vor dem geplanten Spielbeginn im Seattle Stadium anzugeben. Ein Mitglied des FIFA-Berufungsausschusses wurde laut dem Bericht mit der Anhörung in dem Fall beauftragt.

Solbakken: "Nicht gut für den Sport"

Der Vorgang an sich erinnert an die WM 1962, als der Brasilianer Garrincha im Halbfinal Rot sah - und im Final wenige Tage später trotzdem spielen durfte. Im aktuellen Fall ist der Entscheid der FIFA besonders bemerkenswert: Zwar wurde die Rote Karte gegen Balogun kontrovers diskutiert, da sein Tritt gegen Tarik Muharemovic in einem Zweikampf zwar hart, aber offensichtlich unabsichtlich war. Doch während der Partie in Santa Clara wurde sie für richtig befunden, schliesslich wurde die Strafe erst nach Überprüfung durch den Video Assistant Referee (VAR) ausgesprochen.

Diese Aussetzung der Rot-Sperre sei "ein grosse Irrtum der FIFA", sagte der norwegische Nationaltrainer Stale Solbakken nach dem 2:1-Sieg im Achtelfinal gegen Brasilien. "Das ist ein sehr, sehr, sehr, sehr, sehr schlechter Entscheid, der für den Sport nicht gut ist", legte Solbakken nach.

Tuchel: "Einfach seltsam für mich"

Auch Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel reagierte mit grossem Erstaunen. "Ich denke, um ganz klar zu sein, dass es keine Rote Karte war. Aber der VAR war involviert. Drei Leute vom VAR und der Schiedsrichter haben es gecheckt und hatten die Meinung, dass es eine Rote Karte war. Es wurde also ein Entscheid getroffen", sagte Tuchel.

"Wer kippt diesen Entscheid dann - und wann? Und auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich. Wir wollen Konsistenz in den Entscheiden haben", mahnte der Deutsche. Tuchel sagte nach dem 3:2 der Three Lions im WM-Achtelfinal gegen Mexiko zudem: "Legen wir jetzt Berufung ein, wenn eine Gelbe Karte keine Gelbe Karte ist?" Man könnte jetzt endlos debattieren, so Tuchel. "Wo fängt es an und wo hört es auf?"

Blatter: "Quo vadis, FIFA?"

Auch der frühere FIFA-Boss Sepp Blatter rügt den Verband. "Rote Karten werden nicht durch politische Telefonanrufe aufgehoben. Sie werden auf der Grundlage von Regeln, Beweisen und durch unabhängige Gremien revidiert. Wenn ein US-Präsident beim FIFA-Präsidenten interveniert - und ein Spieler plötzlich vor einem K.-o.-Spiel der Weltmeisterschaft freigesprochen wird -, stellt sich unweigerlich die Frage: Quo vadis, FIFA?", schrieb der 90-jährige Walliser bei X. "Der Fussball darf niemals zum Spielball politischer Machtinteressen werden", forderte der langjährige FIFA-Präsident weiter.

Klopp: "Das stellt alles infrage"

Der womöglich künftige Bundestrainer Jürgen Klopp kritisierte die angebliche Einflussnahme von Donald Trump und Gianni Infantino ebenfalls scharf. Sein Vorwurf: "Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel." Der 59-jährige Deutsche, an dieser WM Experte für MagentaTV, sagte weiter: "Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, dann ist das verrückt. Das stellt alles infrage." Für Klopp ist klar: "Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fussball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben."

Auch inhaltlich kann Klopp, der zurzeit mit dem DFB darüber verhandelt, neuer Nationaltrainer Deutschlands zu werden, das Aufheben der Sperre nicht nachvollziehen. "Da gibt es gar keine zwei Meinungen. Das ist eine Rote Karte. So leid uns das tut, weil der Balogun das nicht will. Das sind die Regeln", sagte Klopp.

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