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Keystone-SDA | Freitag, 17. Juli 2026

Für den Weltmeister gibt es kein Entgehen vor Trump

102 Spiele der XXL-WM sind absolviert, keines davon hat Donald Trump im Stadion erlebt. Zum Final aber kommt der US-Präsident - und das nicht in einer Nebenrolle.

Zum WM-Final mit Lionel Messi und Lamine Yamal taucht Donald Trump dann doch noch auf. Mit Ausnahme seiner Einmischung im Rote-Karten-Skandal um US-Profi Folarin Balogun hat sich der US-Präsident beim XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko bislang komplett herausgehalten und nicht ein Spiel besucht.

Die Befürchtungen, dass die WM von Trump überschattet werde, haben sich nicht bestätigt. Am Sonntag im Final zwischen Spanien und Argentinien (21.00 Uhr Schweizer Zeit) führt aber kein Weg am mächtigsten Mann der Welt vorbei - zumindest nicht für den neuen Weltmeister.

Denn Trump wird bei der Siegerehrung nicht nur in einer Reihe stehen mit FIFA-Präsident Gianni Infantino und gemeinsam mit weiteren Repräsentanten des Weltfussballs Hände schütteln und Glückwünsche aussprechen, wie das in der Vergangenheit üblich war. Gut einen Monat nach seinem 80. Geburtstag will Trump den goldenen Pokal an den Captain der Weltmeistermannschaft, entweder Argentiniens Messi oder Spaniens Rodri, übergeben. So hat es Infantino angekündigt.

Goldene Pokale vom FIFA-Präsidenten

Die Beziehung der beiden wird mit grossem Argwohn beobachtet. Für Trump erfand Infantino einen FIFA-Friedenspreis, bei der WM-Auslosung überreichte er dem gar nicht so friedensstiftenden US-Präsidenten mit viel Brimborium einen goldenen Pokal und eine Medaille, die sich Trump selbst umhängte. "Das ist eine der grössten Ehren meines Lebens", berichtete Trump damals.

Überhaupt überlässt Infantino Trump gerne goldene Pokale. Im Weissen Haus steht eine Kopie des WM-Pokals. Und streng genommen auch das Original der Klub-WM. Als sich der Präsident bei der FIFA erkundigt habe, wann sie die im Oval Office stehende Trophäe für das im vergangenen Sommer ausgetragene Turnier abholen würden, habe er gesagt bekommen: "Die können sie für immer behalten. Wir machen eine neue."

Der grösste Skandal der WM

Dass Trump dann bei Infantino anrief und anregte, die Rote Karte für US-Stürmer Balogun zu überprüfen, war der Skandal dieser WM. Da können Trump und Infantino noch so sehr beteuern, dass der FIFA-Präsident mit dem Entscheid, die Sperre zur Bewährung auszusetzen, nichts zu tun hatte.

Der WM-Final ist nicht die erste Siegerehrung der FIFA, die Trump übernimmt. Vor einem Jahr kam er ins NFL-Stadion der New York Giants und der New York Jets. Von der Tribüne aus verfolgte er das Endspiel der Klub-WM zwischen Paris Saint-Germain und Chelsea. Danach war es Trump, der den Pokal an den englischen Captain Reece James übergab - und auf der Bühne stehen blieb.

Reece schaute Trump mit dem Pokal in der Hand erst fragend an und reckte die Trophäe schliesslich jubelnd in die Höhe, während Trump inmitten der Chelsea-Profis stand. Dass auch der neue Weltmeister die ersten Siegerfotos mit dem US-Präsidenten teilen muss, ist deswegen nicht unwahrscheinlich.

US-Hymne im Final

Das ärgert Fans ebenso wie die Ankündigung der FIFA, dass Jennifer Hudson vor dem Final die US-Nationalhymne singen wird. Das ist beim Super Bowl ein emotionaler Moment und zählt im US-Sport zum Standardprogramm selbst vor normalen Liga-Spielen etwa in der NBA. Bei Fussball-Weltmeisterschaften aber ist die Hymne des Gastgebers normalerweise kein Bestandteil.

Das ist in den USA bereits anders gewesen. Bislang kam die Hymne bei Spielen etwa eine Stunde vor Anpfiff vom Band und fand meist keine grosse Beachtung. Ausnahmen waren die Partien am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag der USA, und Spiele der US-Nationalmannschaft. Nun soll Hudson bei der Show im New-York-New-Jersey-Stadion die Hymne live singen. Trump wird dazu wohl auf der Tribüne stehen und salutieren.

Dieses Bild kennen US-Sport-Fans bereits vom Super Bowl, den Trump vor eineinhalb Jahren in New Orleans als erster amtierender US-Präsident live im Stadion verfolgte. Oder den NBA-Finals, die er zum dritten Spiel der Serie zwischen den San Antonio Spurs und den New York Knicks im Madison Square Garden besuchte - übrigens dem einzigen Spiel, das die Knicks auf dem Weg zum Titel in den Finals verloren.

Aus einem Moment der Gemeinschaft - die Hymne ist für Amerikaner durchgehend wichtig - wurde jeweils eine Situation, die die politische Spaltung der Vereinigten Staaten veranschaulichte. Denn sobald Trump auf der Stadionleinwand gezeigt wurde, gab es mindestens ebenso viele Buh-Rufe wie Applaus für den Republikaner. Und allzu viel Zuneigung der Fans aus Spanien und Argentinien sollte Trump auch nicht erwarten.

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