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Keystone-SDA | Freitag, 17. Juli 2026

Spaniens fliegende Mähne auf der linken Aussenbahn

Marc Cucurella ist ein Grund für Spaniens Final-Einzug an der WM - und eine besondere Figur. Weltklasse-Verteidiger, Vater eines kranken Kindes, Buhmann in Deutschland - und Fan seines Trainers.

Mit wehender Mähne donnert Marc Cucurella über die linke Aussenbahn. Vor und zurück. 90 Minuten. Und wenn es sein muss, auch noch mehr. Der Wuschelkopf ist ein leidenschaftlicher Zweikämpfer, ein starker Flankengeber, ein echter Energielieferant - und ein Schlüssel für Spaniens Erfolg an dieser Fussball-WM. Im Final gegen Argentinien am Sonntag (21.00 Uhr Schweizer Zeit) in East Rutherford will der 27-Jährige seiner schon besonderen Geschichte das nächste grosse Kapitel hinzufügen.

In Deutschland wurde Cucurella durch sein ungeahndetes und vieldiskutiertes Hands im EM-Viertelfinal vor zwei Jahren zum grossen Buhmann. Für Frankreichs Offensiv-Asse um Superstar Kylian Mbappé im WM-Halbfinal am Dienstag in Arlington zum personifizierten Alptraum. "Was für eine verdammt geile Leistung!", rief der Aussenverteidiger, als er nach dem verdienten 2:0 des Europameisters in die Kabine lief. Immer noch voller Adrenalin.

Nach der WM bei Real

Wer ist dieser Mann, der für Spaniens Nationalteam so unverzichtbar geworden ist?

Die Popularität und Strahlkraft früherer grosser Verteidiger wie Sergio Ramos, Carles Puyol oder Gerard Piqué, die vor 16 Jahren Spaniens bislang einzigen WM-Titel gewannen, hat Cucurella nicht. Vielleicht macht ihn aber auch genau das gerade so wertvoll. Die Franzosen hätten im Halbfinal gegen "die beste Mannschaft" antreten müssen, sagte Spaniens Nationalcoach Luis de la Fuente und meinte damit nicht die spielerische Qualität seiner Schützlinge, sondern ihren Teamgeist. Cucurella lebt den vor wie kaum ein anderer.

Der Defensivmann hat in seiner Karriere früh gelernt, dass es nicht immer nur geradeaus ins Rampenlicht geht, sondern man auch mal weniger glamouröse Umwege nehmen muss. Ausgebildet in der berühmten Talentschmiede des FC Barcelona, wurde Cucurella erst an Eibar und Getafe verliehen und spielte dann noch für Brighton & Hove Albion, ehe er 2022 den Sprung zu Chelsea schaffte. Nach der WM macht er sogar noch einen grösseren Schritt: zu Real Madrid. Voller Überzeugung - und das als gebürtiger Katalane.

Vater eines autistischen Sohnes

Cucurella weiss, dass er sich mit dem Wechsel zu den Königlichen in der Heimat nicht nur Freunde macht. Er weiss all die Dinge, die so auf ihn einprasseln, aber auch einzuordnen. Ein Jahr nachdem er beim deutschen Aus im EM-Viertelfinal 2024 den Ball an die Hand bekommen und Schiedsrichter Anthony Taylor dennoch keinen Penalty gegeben hatte, kehrte Cucurella vorigen Sommer für die Nations-League-Endrunde nach Stuttgart und München zurück. Er wurde gnadenlos ausgepfiffen - und liess sich von alledem nichts anmerken.

Wer Cucurella ausserhalb des Platzes trifft, erlebt einen reflektierten Mann, der weiss, dass es im Leben um mehr geht als nur Fussball. Er ist Vater eines autistischen Sohnes und spricht offen darüber. "Es ist schwierig", sagte er einmal. "Niemand bringt einem bei, wie man ein Elternteil ist, aber am Ende muss man es lernen. Ein autistisches Kind versteht die Dinge nicht wie seine Geschwister, man muss lernen, es zu verstehen." Das machen sie gemeinsam. Cucurella, seine Partnerin Claudia Rodriguez und die zwei weiteren Kinder.

Bei Titelgewinn ein Tattoo des Trainers?

Sich gegenseitig zu verstehen, das ist ein Schlüssel zum Erfolg - auch im Sport. Zu Spaniens Coach De la Fuente hat Cucurella ein besonders inniges Verhältnis. Auch, weil der ihn schon im Nachwuchsbereich trainierte. "Er ist ein grossartiger Mensch und ein hervorragender Trainer", sagte er einst über den 65-Jährigen. Als Nationalcoach müsse man Spieler, die sich sonst nicht allzu oft sehen, bei einem grossen Turnier plötzlich vereinen und wochenlang bei Laune halten, erklärte Cucurella. Und genau darin sei De la Fuente "die Nummer eins".

Seine Verbindung zum Trainer ist so stark, dass Cucurella im Fall eines spanischen Titelgewinns an dieser WM sogar erwägt, sich ein kleines Tattoo von De la Fuentes Gesicht stechen zu lassen. Nach dem EM-Triumph 2024 hatte er sich die Haare rot färben lassen - in Anlehnung an den Spitznamen der spanischen Nationalmannschaft: La furia roja - "die rote Furie". Nun also die Sache mit dem Tattoo. Man muss ihn nur verstehen, den Mann mit der Mähne.

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