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Harry Kane - Tore statt Schlagzeilen
Harry Kane ist ein Phänomen und schiesst Tore am Laufmeter. Dabei gilt er in jungen Jahren nicht als grosses Talent. Nun soll er England zum zweiten WM-Titel seit 1966 führen.
Wird an die grössten aktuellen Fussballstars gedacht, kommen einem wohl zuerst Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Kylian Mbappé oder Erling Haaland in den Sinn. Harry Kane steht weniger im Mittelpunkt als dieses Quartett. Das hängt auch damit zusammen, dass er ein stiller Arbeiter ohne Extravaganzen ist und ausserhalb des Platzes kaum für Schlagzeilen sorgt.
Seine Leistungen indes sind aussergewöhnlich. Der 32-Jährige ist wie Wein und wird mit zunehmendem Alter immer besser. In der abgelaufenen Saison erzielte Kane für Bayern München in 51 Pflichtspielen sagenhafte 61 Treffer. An der laufenden WM war er in den bisherigen vier Partien fünfmal erfolgreich, wobei er beim 2:1-Sieg Englands im Sechzehntelfinal gegen die Demokratische Republik Kongo beide Tore erzielte und damit nach dem 0:1-Rückstand die Blamage verhinderte.
Kein klassischer Stürmer
Dass Kane quasi Tore am Laufmeter schiesst, ist umso höher einzustufen, als er nicht wie ein klassischer Stürmer agiert. Er ist auf dem Platz überall zu finden, beteiligt sich immer wieder am Spielaufbau und ist sich auch nicht zu schade, im eigenen Strafraum zu verteidigen. Mit seinem Einsatz reisst er seine Mitspieler mit.
Aussergewöhnlich ist auch sein Werdegang, er musste in jungen Jahren einige Rückschläge verkraften und galt nicht als grosses Talent. Im Alter von acht Jahren wurde er bei Arsenal als zu wenig gut eingestuft, weil er etwas pummelig war. Auch Watford nahm ihn nicht in die Academy auf. Bei Tottenham Hotspur bekam er dann mit elf Jahren eine Chance. Mit 17 Jahren wechselte er leihweise für knapp fünf Monate zum Drittligisten Leyton Orient, Anfang 2012 wurde er an den Zweitligisten Millwall ausgeliehen, später an Norwich City sowie Leicester City. Das sagt einiges aus. Den Durchbruch bei Tottenham schaffte er in der Saison 2014/15, in der er in 34 Meisterschaftsspielen 21 Tore erzielte.
Kane war für jeden Trainer ein Segen, da er äusserst lernwillig war und das Verlangte rasch umsetzen konnte. Er legte auch Extraschichten ein und machte akribische Videoanalysen. Genau diese Eigenschaften und seine Einstellung, diese Besessenheit von der Perfektion, hoben ihn von vielen anderen ab, und deshalb ist er heute dort, wo er ist.
Lange titellos
Mit Tottenham blieb Kane allerdings trotz seiner starken Leistungen ein Titelgewinn verwehrt. So verlor er 2019 unter anderem den Final der Champions League gegen Liverpool. Mit England unterlag er in zwei EM-Finals, 2020 im Penaltyschiessen gegen Italien und 2024 gegen Spanien (1:2). Sogar in seiner ersten Saison beim Titelgaranten Bayern München 2023/24 ging der Torgarant leer aus. Es schien ein Fluch auf ihm zu lasten. Doch seither wurde er mit den Münchnern zweimal deutscher Meister und einmal Cupsieger.
Nun möchte Kane auch mit England erstmals einen Pokal in die Höhe stemmen. Dafür muss sich die Mannschaft jedoch steigern, denn mit Mitgastgeber Mexiko wartet im Achtelfinal ein starkes Team, das bisher überzeugt und noch kein Gegentor kassiert hat. Zudem können die Mexikaner im heimischen Aztekenstadion auf enthusiastische Fans zählen. Die Qualitäten von Kane sind also umso mehr gefragt, wenn England zum zweiten Mal Weltmeister werden will.

















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